Der Wettbewerb der Kassen kehrt zurück

Das bedeuten die neuen Beiträge der Krankenversicherer

Zum Jahresbeginn wird der obligatorische Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen. Jede Kasse entscheidet selbst über den Zuschlag. Fragen & Antworten dazu.

Für ihre Mitglieder wird es 2015 deshalb oft nicht billiger. Doch der Wettbewerb unter den Gesetzlichen ist wieder eröffnet.

Wird die gesetzliche Krankenversicherung billiger?

Ja und nein. Seit Juli 2005 wurde auf den Beitragssatz der gesetzlichen Kassen ein Zuschlag von 0,9 Prozent draufgepackt, den nur die Mitglieder zahlten. Der Arbeitgeberanteil wurde eingefroren. Weil dieser Zuschlag ab 2015 wegfällt, sinkt der Beitragssatz von 15,5 auf 14,6 Prozent. Dafür kann jede gesetzliche Kasse einen individuellen Aufschlag verlangen, und daran werden nur die wenigsten vorbeikommen. Für viele Mitglieder dürfte sich also finanziell nicht viel ändern. Den Zuschlag zahlen nur sie, nicht mitversicherte Angehörige.

Wie hoch wird der neue Zusatzbeitrag ausfallen? 

Noch hat sich nicht jede der 131 gesetzlichen Kassen festgelegt. Nach einer Übersicht des Vergleichsportals krankenkassen.de liegen die Sätze einschließlich Zusatzbeitrag zwischen 14,6 und 15,9 Prozent. Das Bundesversicherungsamt hat den Durchschnittssatz auf 0,9 Prozent festgelegt. Er gilt aber nur für bestimmte Personengruppen, etwa für Azubis, die nicht mehr als 325 Euro im Monat verdienen, Geringverdiener und Frauen im Mutterschutz.

Können die Mitglieder die Kasse wechseln, wenn sie teurer wird? 

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Ja. Wer mindestens 18 Monate dabei ist, kann ohnehin zum Ablauf des übernächsten Kalendermonats umsteigen, erklärt der GKV-Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen. Wer also im Januar kündigt, kann zum 1. April wechseln. Alle anderen Mitglieder haben bei einer Beitragserhöhung ein Sonderkündigungsrecht bis zum Ende des Monats, in dem der Zusatzbeitrag erstmals fällig oder erhöht wird.

Wie wissen Mitglieder, ob ihre Kasse teurer wird? 

Die Kasse muss sie über den Termin, an dem der Zusatzbeitrag fällig wird und über das Sonderkündigungsrecht informieren und zwar spätestens bis zum Ende des Vormonats. Gilt der Zusatzbeitrag ab dem 1. Januar, bekommen die Mitglieder also bis zum Jahresende Post.

Können Krankenkassen-Wechsler plötzlich ohne Versicherungsschutz dastehen? 

Nein. Die Mitgliedschaft in der alten Kasse erlischt erst, wenn die neue Kasse mitteilt, dass sie das neue Mitglied aufgenommen hat.

Wie werden die gesetzlichen Krankenkassen auf den wiederbelebten Wettbewerb reagieren? 

Die meisten trauen sich vorerst nicht, mehr als 0,9 Prozent Zuschlag zu verlangen. Sie befürchten, dass ihnen die Mitglieder weglaufen. „Kassen mit einem zu hohen Zusatzbeitrag werden zu Fusionskandidaten“, sagt Armin Czysz von krankenkassen.de.

Schränken gesetzliche Kassen jetzt Leistungen ein? 

Der größte Teil der Leistungen ist im Sozialgesetzbuch vorgeschrieben. Den Rotstift ansetzen können die Kassen aber bei Extras wie Zahnreinigung, Homöopathie oder Osteopathie. Das werden sie wohl auch tun, um die Beiträge günstig zu halten, schätzt Czysz: „Die Mitglieder reagieren preissensibler, als die Kassen das wahrhaben wollen.“

Kommt jetzt das Krankenkassen-Hopping, um Beiträge zu sparen?

Der Wechsel zu einer billigeren Kasse kann mehrere hundert Euro im Jahr bringen. Wer gut verdient, spart mehr, weil der Zuschlag prozentual berechnet wird. Der Beitrag sei zwar „ein Argument für den Kassenwechsel, aber nicht alles“, sagte Daniela Hubloher, Gesundheitsexpertin der Verbraucherzentrale Hessen, der „Welt“. Wer mit der Leistung seiner Kasse zufrieden ist, sollte nicht wegen kleiner Unterschiede beim Zusatzbeitrag wechseln. Wer eine neue Kasse sucht, sollte auf Extras achten. Hinzu kommt: Auch eine günstige Kasse kann in Zukunft den Zuschlag erhöhen.

Infos

Eine Übersicht über die Kassen und ihre Zusatzbeiträge gibt es ab Januar beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen: www.gkv-zusatzbeitraege.de

Vergleichsportale: www.krankenkassen.de www.gesetzlichekrankenkassen.de,  www.krankenkassen-direkt.de

Von Barbara Will

Rubriklistenbild: © ZB

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