Der frühere Hotelier Manfred Rothweiler hilft als Senior Experte Auszubildenden, die Lehre durchzuhalten

Beistand bis zur Zielgeraden

Kondition ist gefragt: Koch ist ein körperlich anstrengender Beruf. Jeder fünfte Auszubildende in der Gastronomie bricht seine Lehre ab. Foto:  dpa

Göttingen. Eigentlich hatte Thomas schon immer davon geträumt, Koch zu werden. Jetzt, wo er im zweiten Ausbildungsjahr steht und hautnah miterlebt hat, was es heißt, immer abends und auch an den Wochenenden arbeiten zu müssen, ist sich der 17-Jährige seiner Sache nicht mehr so sicher. Hinzu kommen private Probleme mit den Eltern und der Freundin. Thomas trifft eine folgenschwere Entscheidung: Er will die Ausbildung hinschmeißen.

Diese erfundene Geschichte spielt sich so oder ähnlich häufiger ab, als man meinen sollte. In der Gastronomie beträgt die Quote der Ausbildungsabbrüche mehr als 20 Prozent. Um dem entgegen zu wirken, erhalten die Berufsbildenden Schulen (BBS III) in Göttingen jetzt Unterstützung vom Senior Experten Service (SES) in Bonn. Bei der Ausbildungsinitiative VerA (Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen) wird der Witzenhäuser Manfred Rothweiler betroffene Auszubildende betreuen, ihnen bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite stehen und bei der Prüfungsvorbereitung helfen.

Betreuung ist kostenlos

„Ich möchte Auszubildenden in der Gastronomiebranche helfen, ihr Berufsziel zu erreichen“, sagt der 71-Jährige Ruheständler. Rothweiler führte 30 Jahre das Hotel Werrastrand bei Hann. Münden. Als ehemaliger Küchenmeister und Hotelier sowie langjähriger Vorsitzender des Prüfungsausschusses für Köche weiß der Witzenhäuser genau, wo die jungen Menschen der Schuh drücken könnte. „Wer Hilfe benötigt, braucht nur Kontakt mit dem SES aufzunehmen und bekommt dann einen Ausbildungsbegleiter zugeteilt“, sagt Rothweiler. Die Betreuung durch die speziell geschulten Senioren dauere maximal ein Jahr und sei kostenlos.

„Wir feiern heute den Auftakt eines besonders schönen Projektes“, betont BBS III-Schulleiterin Maria Haberding. VerA sei „eine absolute Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten. „Die Senioren können ihr Wissen einbringen und merken, dass sie noch gebraucht werden, den Schülern wird geholfen und sowohl die Schule als auch die Gesellschaft profitieren.“

„Bei VerA geht es in erster Linie um Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Dr. Martin Rudolph, Leiter der Geschäftsstelle Göttingen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover. „In unserem Bereich stehen 40 Ausbildungsbegleiter quer durch alle Berufssparten zur Verfügung.“ 31 Aktivitäten seien im Rahmen der Initiative bisher durchgeführt und 15 mit dem Berufsabschluss beendet worden. 14 Begleitungen seien noch aktiv. „Wichtig ist, dass der Jugendliche die Hilfe wirklich will“, so Rudolph. Es bringe nichts, dem Auszubildenden das aufzudrücken. „Deshalb müssen sich die Betroffenen auch selbst beim SES melden und die Begleitung beantragen.“

Kontakt: Nikolaus Schuchardt, SES-Büro Kassel, Telefon: 0561/7662080; www.ses-bonn.de/was-tun-wir/vera.html.

Von Per Schröter

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