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Lukaschenko baut eigene Söldner-Truppe in Belarus auf

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Von: Nadja Austel

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Alexander Lukaschenko während eines Treffens mit Spitzenbeamten des Militärs auf dem Truppenübungsplatz Obus-Lesnowski
Alexander Lukaschenko baut in Belarus eine eigene Söldner-Truppe nach Vorbild der russischen Wagner-Gruppe auf. (Archivfoto) © Andrei Stasevich/dpa

Trotz hoher Geheimhaltungsstufe tauchen immer mehr Hinweise darauf auf, dass Machthaber Lukaschenko in Belarus eine eigene Söldner-Truppe ausbildet.

Minsk – Das belarussische Sicherheitsunternehmen GardService, das als einziges per Dekret von Alexander Lukaschenko über Schusswaffen verfügen darf, hat sein Personal aufgestockt und bereitet sich auf die Teilnahme an Militäroperationen vor. Dies teilte der Vertreter des Vereinigten Übergangskabinetts für Verteidigung und nationale Sicherheit von Belarus, Valeri Sakhashchyk, der Deutschen Welle (DW) mit. Seinen Angaben zufolge wird das Personal des GardService bereits seit mehreren Monaten für diese Einsätze geschult. Die daraus entstehende paramilitärische Truppe würde somit einen ähnlichen Zweck für Belarus wie die berüchtigten Söldner der Wagner-Gruppe für Russland erfüllen, wie fr.de schreibt.

Der DW-Gesprächspartner hält jedoch auch für möglich, dass die Mitarbeiter von GardService als direkte Söldner in der Wagner-Gruppe eingesetzt werden könnten. Sakhashchyk berichtete bereits zuvor, dass der russische Präsident Wladimir Putin „sehr viel Geld“ in GardService investiert habe. Auch ist bekannt geworden, dass Russlands Wagner-Gruppe Gefangene aus Belarus für die eigenen Reihen rekrutiert hatte. Die Söldner-Truppe ist stark in die aktuellen Kämpfe in der Ukraine verwickelt und unterstützte das russische Militär bereits bei der Annexion der Krim im Jahr 2014.

Belarus: Putin hat in Lukaschenkos Söldner-Truppe investiert

Laut Sakhashchyk findet die militärische Ausbildung der Söldner-Gruppe auf verschiedenen belarussischen Testgeländen statt. Die Zahl der Beschäftigten sei zudem in letzter Zeit erheblich gestiegen. Er schätzt, dass es inzwischen mehr als 1000 Mitarbeiter sein könnten: „Die Ausbildung und Rekrutierung läuft schon seit Monaten.“ Die Aufstockung des Personals ging demnach zu Lasten von Offizieren, Offiziersanwärtern, Unteroffizieren und Soldaten, die zuvor in Spezialeinheiten der belarussischen Sicherheitsbehörden dienten.

Wie aus dem Bericht der DW hervorgeht, hatte im Sommer 2022 ein anonymer Mitarbeiter von GardService behauptet, dass Söldner der Wagner-Gruppe nach Minsk kamen, um die belarussischen Paramilitärs zu schulen. Offiziell ist nur wenig über GardService bekannt. Das private Sicherheitsunternehmen trat im Juni 2020 in Belarus auf. Gleichzeitig gewährte Machthaber Lukaschenko den Mitarbeitern per persönlichem Dekret das Tragen, die Aufbewahrung und den Einsatz von Dienst- und Zivilwaffen sowie von speziellen Mitteln und physischer Gewalt „in Übereinstimmung mit dem gesetzlich festgelegten Verfahren für den paramilitärischen Schutz“. 

Belarus: Lukaschenko plante die Söldner wohl zunächst für Eigenschutz

Diese Privilegien, die das Unternehmen erhalten hat, seien mit einem bestimmten Ziel erlassen worden, so der Bericht der DW weiter. Das Unternehmen wurde von Personen gegründet, die Verbindungen zum damaligen Stab des belarussischen Präsidialamtes hatten. GardService wurde demnach als private Sicherheitsstruktur geplant, für den Fall, dass die Präsidentschaftswahlen für Lukaschenko keinen positiven Ausgang nehmen. Rekrutiert habe man ehemalige Mitarbeiter der Strafverfolgung, des Sicherheitsdienstes des Präsidenten, der Sondereinheiten des KGB und ehemalige Militärs.

Das Unternehmen unterliege zudem einer hohen Geheimhaltungsstufe, zu der nur Personen mit einem bestimmten Hintergrund Zugang haben. Im März 2021 veröffentlichte das belarussische Innenministerium in einem Bericht allerdings zumindest Listen der Waffen, über die der GardService verfügte. Das Waffenarsenal der Truppe umfasste zu diesem Zeitpunkt demzufolge unter anderem 32 Pistolen, 120 Sturmgewehre und 40 Scharfschützengewehre. (na)

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