Warten auf Entscheidung über Endlagerstandort für Atommüll

Bergwerk in Gorleben wird stillgelegt

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Erkundungsbergwerk: Die Arbeiten in dem Schacht in Gorleben werden bis auf weiteres eingestellt.

Lüchow. Das umstrittene Erkundungsbergwerk Gorleben im Wendland soll bis auf weiteres weitgehend geschlossen werden. Die Bundesregierung und das Land Niedersachsen verständigten sich am Dienstag darauf, die Arbeiten in dem Salzstock bis zu einer endgültigen Entscheidung über den künftigen Standort eines deutschen Atommülllagers auf ein Minimum zu reduzieren.

Demnach sollen sowohl der Erkundungsbereich I als auch ein Großteil der Infrastruktur außer Betrieb genommen werden. Zudem würden die hohen Stacheldrahtzäune um die Anlage auf einen normalen industriellen Standard zurückgebaut und der Besucherbetrieb eingestellt. Die Suche nach einem Endlager für radioaktiven Müll in Deutschland ist ergebnisoffen und nicht mehr auf Gorleben beschränkt.

Atommüll in Gorleben 

Das Zwischenlager für radioaktiven Atommüll in Gorleben wurde im Jahr 1983 fertiggestellt, ging aber wegen massiver Widerstände erst 1995 in Betrieb. Transporte mit Atommüllfässern aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Gorleben wurden immer wieder von Demonstranten begleitet und mussten von massiven Polizeiaufgeboten gesichert werden. Die Kapazität des Lagers beträgt 420 Behälter. Ein Salzstock im Untergrund bei Gorleben war als Endlager für alle Arten von radioaktiven Abfällen im Gespräch. Die Erkundungsarbeiten, die 35 Jahre dauerten und 1,6 Milliarden Euro kosteten, wurden gestoppt, weil die Suche nach einem Endlager ergebnisoffen neu gestartet werden soll. Gegen den Standort Gorleben gab es starke Sicherheitsbedenken. (kle)

Mit dem Rückbau könne vermutlich Anfang 2015 begonnen werden, sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Zunächst müssten im neuen Hauptbetriebsplan die notwendigen Eckpunkte definiert werden. Der bisherige Plan läuft Ende September aus. Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, zeigte sich zufrieden. Zumindest für die Übergangszeit des Rückbaus – geschätzt werden dafür zwei Jahre – gebe es für die rund 120 Mitarbeiter eine Planungssicherheit. Für wie viele es auch im anschließenden Offenhaltungsbetrieb Arbeit gebe, müsse sich zeigen. Fest steht, dass erheblich weniger Mitarbeiter gebraucht werden.

Mit der Vereinbarung werde auch technisch das Ende der jahrzehntelangen Vorfestlegung Gorlebens als Endlagerstandort eingeläutet, sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Das Abkommen sei eine gute Grundlage und hoffentlich auch eine vertrauensbildende Maßnahme, „die zeigt, dass es uns ernst ist mit dem Neubeginn für einen Lagerort des gefährlichsten Stoffes, den die Menschheit geschaffen hat“.

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Danneberg und die Anti-Atom-Organisation „.ausgestrahlt“ kritisierten, dass ihre Forderung nach einer vollständigen Verfüllung der Schachtanlage nicht umgesetzt werde. Dadurch behalte Gorleben bei der Endlagersuche seinen Vorsprung gegenüber alternativen Standorten. Sie befürchten, dass die neu gestartete Endlagersuche nur vorgeschoben ist, um Gorleben auch juristisch unangreifbar durchzusetzen, und fordern daher die Streichung Gorlebens von der Liste möglicher Standorte. (dpa)

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