Club-Sprecher verweist auf Bilanz im Juni

Bericht über Milliardenvermögen: Reich, reicher, ADAC?

München/Kassel. Er dürfte der reichste Verein Deutschlands sein: Der ADAC verfügt laut Spiegel über eine Bilanzsumme von 3,49 Milliarden Euro, unter anderem angelegt in Wertpapieren, Bankeinlagen und Immobilien.

Der Spiegel beruft sich auf ein internes ADAC-Papier, das unter der Bezeichnung „Gauvergleich“ die Bilanzen der 18 Regionalclubs (Gaue) im Jahr 2012 vergleicht und summiert.

Der ADAC selbst, der nach den Skandalen Transparenz versprochen hatte, will zu seinem Reichtum derzeit nichts sagen. Der Spiegel berufe sich auf Geheimpapiere, sagt Sprecher Jürgen Grieving, auf Anfrage unserer Zeitung. „Das können wir nicht nachvollziehen.“ Am 30. Juni werde man auf der Bilanzpressekonferenz die neuen Geschäftszahlen bekanntgeben.

Auch zum Umsatz von 983 Millionen Euro sowie einem Gewinn von 84,9 Millionen Euro, die das ADAC-Tochterunternehmen „Beteiligungs- und Wirtschaftsdienste GmbH“ 2012 gemacht habe, wie das Hamburger Magazin berichtet, will Grieving keine Stellung nehmen. Der Bundesanzeiger allerdings bestätigt diese Zahlen. Zum laufenden Verfahren, bei dem ein Münchner Gericht die Rechtmäßigkeit des Vereinsstatus‘ prüft, heißt es ebenso vom Automobilclub: kein Kommentar.

Schon am Samstag steht der Club vor der nächsten Herausforderung in Sachen Kontrolle und Transparenz. Auf der ADAC-Hauptversammlung wollen Delegierte der 18 Regionalclubs über die Zukunftsfähigkeit des Vereins befinden. Liveberichterstattung ist nicht zugelassen. Erst auf einer Pressekonferenz würden dann alle Fragen beantwortet, so der ADAC.

Hintergrund: Versicherungssteuer auf Mitgliedsbeiträge

Nach all den bekannt gewordenen Skandalen des ADAC prüfen die Finanzbehörden inzwischen die bisherige Behandlung der Mitgliedsbeiträge. Dabei wird untersucht, ob Versicherungssteuer auf die Beiträge abgeführt werden muss.

Die Versicherungssteuer ist eine Art Umsatzsteuer auf Versicherungsbeiträge. Versicherungskonzerne müssen sie auf die von Kunden gezahlten Beiträge abführen, so wie andere Firmen Steuern auf Umsätze zahlen. Wie ähnlich sich die beiden Abgaben sind, zeigt der Steuersatz: Er beträgt in beiden Fällen 19 Prozent.

Im Fall des ADAC ist allerdings relevant, ob die Grundlage dieser Steuer gegeben ist. Bislang zahlt der Verein auf einen Teil der Basis-Mitgliedsbeiträge für die Pannen- und Unfallhilfe  Umsatzsteuer. Der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, geht allerdings davon aus, dass bis zu 70 Prozent der Beiträge als Zahlung für Versicherungsleistung angesehen werden können.

Zur möglichen Versicherungssteuerpflichtigkeit der Basis-Mitgliedsbeiträge erklärt der ADAC: Für den ADAC e.V. sei bisher keine Versicherungssteuer angefallen. Es habe bis einschließlich 2006 keine Beanstandungen gegeben. Derzeit gebe es für die Jahre 2007bis 2009 eine Versicherungssteuerprüfung. Die Versicherungsgesellschaften des ADAC hätten selbstverständlich Versicherungssteuer bezahlt.

Ein Beispiel: Bei den teureren Plus-Mitgliedschaften, die etwa eine Auslandsreise-Haftpflicht enthalten, ist die Differenz zwischen Basis- und Plustarif mit 19 Prozent Versicherungssteuer belastet.

Von Jörg S. Carl

Rubriklistenbild: © dpa

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