Vor 50 Jahren begann die DDR mit dem Bau der Mauer

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„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“: So belog DDR-Staatsvorsitzender Walter Ulbricht auf einer internationalen Pressekonferenz am 15. Juni 1961 die Öffentlichkeit.

Es begann mit einer Lüge: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“. Mit diesen Worten versuchte der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht die DDR-Bürger und die Weltöffentlichkeit zu beruhigen. Nur wenige Wochen später entlarvte er seine Worte als dreiste Lüge.

Am Morgen des 13. August 1961 ließ er Volkspolizei und Grenztruppen in Ostberlin aufmarschieren, um den Westen der geteilten Stadt abzuriegeln. Der Bau der Mauer hatte begonnen, der die deutsche Teilung für viele Jahre zementieren sollte.

Der Druck auf das SED-Regime war in den Monaten zuvor immer größer geworden. Hatten Hundertausende die DDR schon seit ihrer Gründung im Jahr 1949 gen Westen verlassen, schwoll der Flüchtlingsstrom angesichts schlechter Versorgungslage und politischer Unterdrückung immer weiter an. Allein im April 1961 setzten sich 30 000 DDR-Bürger ab - zumeist über den freien Zugang nach Westberlin. Der Großteil war jünger als 45, der DDR drohte eine wirtschaftliches Ausbluten.

So gab der große Bruder in Moskau, Sowjet-Parteichef Nikita Chruschtschow, grünes Licht zur Abriegelung Westberlins und zum Ausbau der Befestigungen an der innerdeutschen Grenze. Der Eiserne Vorhang, der seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges Europa in West und Ost teilte, wurde nun fast undurchdringlich.

Und was die SED-Führung ihrer Bevölkerung als anitimperialistischen und antifaschistischen Schutzwall zu verkaufen suchte, wurde in Wahrheit zur Gefängnismauer für 17 Millionen Ostdeutsche.

Dass es so weit kommen konnte, hatte auch mit der Politik des neuen amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy zu tun. Er erhoffte sich fruchtbare Verhandlungen mit Chruschtschow zum Beispiel in Abrüstungsfragen. Und gab - so hat es der US-Journalist Frederick Kempe jetzt in einem Buch noch einmal herausgearbeitet - das Pochen auf eine Verantwortung für Gesamtberlin praktisch auf, als er den Kremlführer im Juni in Wien traf. Im Gegenzug gab Moskau die Zusage, die Freiheit Westberlins und den Zugang für die Westalliierten nicht antasten zu wollen.

Chruschtschow interpretierte die defensive Haltung des noch unerfahrenen US-Präsidenten auf seine Art: Kennedy würde den Bau der Mauer akzeptieren, wenn amerikanische Interessen nicht berührt wurden. Und so kam es auch. Der Mauerbau sei nicht schön, äußerte Kenndy gegenüber Mitarbeitern, „aber verdammt viel besser als Krieg“. Erst als Chruschtschow ein gutes Jahr später Raketen auf Kuba stationieren ließ, begriff Kennedy, wohin ihn seine Nachgiebigkeit geführt hatte.

Der Bau der Berliner Mauer - vom Westen praktisch akzeptiert - stabilisierte für einige Jahre die labile Sicherheitslage in Europa. Erst als in Moskau unter Parteichef Michael Gorbatschow ein anderer Wind zu wehen begann und sich dann im Sommer 1989 für die DDR-Bürger neue Fluchtlöcher - zunächst über Ungarn - auftaten, geriet die Mauer ins Wanken. Am 9. November war sie nicht mehr zu halten.

Von Wolfgang Blieffert

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