Mit Glasnost und Perestroika

Auf dem Weg zum Mauerfall: Gorbatschow wollte System reformieren

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Vater von Glasnost und Perestroika: Michail Gorbatschow, bis Dezember 1991 Staatspräsident der UdSSR, heute 83 Jahre alt.

Die Ereignisse, die vor 25 Jahren zum Fall der Mauer und Zusammenbruch der kommunistischen Systeme führten, sind ohne die Entwicklungen in der Sowjetunion, in Polen und in Ungarn nicht denkbar. In diesem Teil unserer Serie beleuchten wir die Ereignisse in jenen drei Ostblockstaaten.

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Als Michail Gorbatschow 1985 das Amt des Generalsekretärs der KPdSU übernahm, war die Sowjetunion als föderativer Einparteienstaat kaum noch zu retten. Das wirtschaftliche Wachstum stagnierte und erforderte einschneidende Reformen, wollte man nicht auf dem Weltmarkt den Anschluss an die Weststaaten verlieren. Eine für die Bevölkerung transparente Politik und Lockerungen bei Meinungs- und Pressefreiheit (Glasnost) sowie die Demokratisierung des Staates (Perestroika) waren die wesentlichen Schritte, die das Ende des Kalten Krieges und den Zusammenbruch der Sowjetunion bedingten.

Außenpolitisch bedeutete dies eine Distanzierung Gorbatschows vom 1955 geschlossenen Warschauer Pakt, einem militärischen Beistandsbündnis des Ostblocks, dem auch die Deutsche Demokratische Republik (DDR) angehörte. Den beteiligten Staaten wurde der Weg für eigene innere Reformen geebnet.

Die schwächelnde Wirtschaftskraft war in der Folge ausschlaggebend für das Ende des seit 1947 schwelenden Kalten Krieges. Beim Wettrüsten mit dem Nato-Bündnis, insbesondere den USA, konnte Moskau nicht mithalten. Bereits unmittelbar mit seinem Amtsantritt verknüpfte Gorbatschow die Aufhebung des sowjetischen Führungsanspruchs bezüglich der inneren Entwicklung sozialistischer „Bruderstaaten“. Dabei stieß er in der SED-Führung auf wenig Gegenliebe. Bei einer Berlin-Reise anlässlich des 40. Geburtstages der DDR-Gründung äußerte er sich am 7. Oktober 1989 gegenüber Journalisten zum Zögern der DDR-Spitze mit den Worten: „Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren“, später zugespitzt zu: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

Von Lasse Deppe

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