Vor dem massiven Ausbau der DDR-Grenze gab es lediglich einfache Sperren und einige Wachtürme

Auf dem Weg zum Mauerbau: Es begann mit einem „Stoi“-Schild

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Einfache Straßensperre: Schilder wie diese mit dem russischen Wort „Stoi“ für Halt trennten die beiden deutschen Staaten vor dem massiven Ausbau der Grenzanlagen ab 1961. Unser Bild entstand im Grenzmusem „Point Alpha“ zwischen Rasdorf (Hessen) und Geisa (Thüringen).

Am 13. August vor 50 Jahren ließ DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht die Mauer bauen, die die deutsche Teilung auf Jahre hinaus zementierte. Aber auch schon vor 1961 gab es Grenzbefestigungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik

Geisa. Die Schrift auf dem kreisrunden Verbotsschild war den meisten fremd. Doch die Botschaft der kyrillischen Buchstaben, mit denen die sowjetischen Behörden in der Nachkriegszeit ihre Besatzungszone abriegelten, wurde von den Menschen zwischen Ostsee und Thüringer Wald verstanden. An zahllosen Straßen und Wegen von Ost nach West machten die Sperren mit der russischen Aufforderung „Stoi“ für „halt“ Schluss mit ungehinderter Freizügigkeit. Im Thüringer Grenzmuseum „Point Alpha“ bei Geisa in der Rhön steht eine dieser Straßensperren von 1947 für den Beginn des systematischen Ausbaus der DDR-Grenze.

Dabei waren die Einschränkungen zunächst gering. Zwar folgten den ersten Straßensperren bald Zäune und andere Hindernisse mit Stacheldraht. Die ersten Wachtürme wurden mit der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 errichtet. Doch für das Hin und Her vor allem der Bewohner von benachbarten Orten genügte anfangs ein Passierschein. Zum nahezu unüberwindbaren Hindernis mit Sperrzäunen und Schießbefehl machte die DDR ihre „Staatsgrenze West“, wie sie Ost-Berlin ab 1957 nannte, erst im Laufe der Jahre.

Die innerdeutsche Grenze war stets mehr als nur die Mauer in Berlin. Doch gerade die Situation in der geteilten früheren Hauptstadt war durch Fernsehen und Hörfunk aus dem Westen in ostdeutschen Wohnzimmern sehr präsent. Dagegen fand der Ausbau der knapp 1400 Kilometer langen Landesgrenze von der Lübecker Bucht bis zum Frankenwald weitgehend ohne überregionale westliche Medien statt.

Nur mit Passierschein

DDR-Bürger von außerhalb kamen in das fünf Kilometer breite Grenzgebiet seit dem Gesetz über die „Errichtung eines besonderen Regimes an der Demarkationslinie“ vom 26. Mai 1952 ohnehin nur mit Passierschein. Zudem sorgten die willkürlichen und zwangsweisen Aussiedlungen von über 11 000 Menschen in den Jahren 1952 und 1961 als „feindliche, verdächtige und kriminelle Elemente“ unter den Menschen im Sperrgebiet für eine anhaltende Atmosphäre des Misstrauens.

So gelangten in der DDR Informationen von der Grenze kaum nach draußen. Um so größer war im Herbst 1989 das Erschrecken vieler DDR-Bürger, als sie bei ihrer ersten Fahrt in den Westen die Grenzanlagen erstmals aus nächster Nähe mit eigenen Augen sahen.

Die massiven Befestigungen waren das Ergebnis von drei Jahrzehnten deutscher Perfektionierung, die von der DDR nach dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 gezielt vorangetrieben wurde. Allein bis 1964 werden die Kosten für den Mauerbau und die Befestigungen an der Landesgrenze auf über 1,8 Milliarden DDR-Mark geschätzt.

Von Thomas Bickelhaupt

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