Mödlareuth als „Little Berlin“: Eine Mauer im Dorf

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Grenzsicherung: Nicht nur in Berlin, sondern auch in dem kleinen Dorf Mödlareuth gab es eine Mauer. Im Bild Pioniere der Volksarmee der DDR im Jahr 1966 beim Bau der Sperranlage.

Zur Grenzsicherung durch Ost-Berlin gehörten 1,3 Millionen Bodenminen ebenso wie Hunderte Beobachtungstürme und Erdbunker, Hunde-Laufanlagen, Warnsysteme und Sperrgräben für Kraftfahrzeuge.

Ab 1965/66 erhielten mehrere Grenzorte nach Berliner Vorbild eine Betonmauer, weshalb das thüringisch-bayerische Dorf Mödlareuth als „Little Berlin“ in die Geschichte der deutschen Teilung einging. Mitunter wurden ganze Dörfer geschleift, wenn sie dem Grenzausbau im Wege waren. Allein in Südthüringen gibt es dafür eine Handvoll Beispiele.

60.000 Selbstschussanlagen

Im Oktober 1970 begann die DDR mit der Installation von rund 60.000 Selbstschussanlagen SM-70, deren Mündungen eindeutig auf mögliche „Grenzverletzer“ aus dem eigenen Land gerichtet waren. Nach massiven westlichen Protesten sagte die Ost-Berliner Führung schließlich 1983 die Demontage die tödlichen Splitterminen zu - als Gegenleistung für einen Milliardenkredit aus der Bundesrepublik.

Doch ungeachtet zunehmender wirtschaftlicher Schwierigkeiten ließ sich die DDR die Grenzsicherung bis zuletzt Milliarden kosten.

Neben den geschätzten 500 Millionen DDR-Mark jährlich für Wartung und Unterhaltung der Anlagen sollten zwischen 1988 und 2000 allein rund 260 Millionen Mark in moderne Überwachungstechnik mit Infrarot und Mikrowellen investiert werden. Solche Planungen waren jedoch mit dem Mauerfall endgültig Geschichte. Es blieb die Erinnerung an die schätzungsweise fast 900 Menschen, die an der Landesgrenze und an der Berliner Mauer ums Leben kamen. Geblieben ist auch die Lebenslinie „Grünes Band“ als riesiger Biotopverbund für einzigartige Pflanzen und Tiere. (epd)

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