Ex-Wehrmachtssoldat lockt nach Dänemark

Sagenumwobenes Bernsteinzimmer: Nazischatz am Strand?

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Dänemarks Boulevardpresse spekuliert schon über das legendäre Bernsteinzimmer am Strand von Jütland: Die Wandverkleidungen aus dem Katharinenpalast in St. Petersburg sind seit 1945 verschollen – im Bild eine Rekonstruktion.

Kopenhagen. Und wieder eine angebliche Spur zum legendären Bernsteinmzimmer: Der gigantische Nazischatz könnte im nordjütischen Dorf Asaa am Kattegat vergraben sein. Ein spätes Bekenntnis des früheren Wehrmachtssoldaten Wilhelm Kraft (90) sorgt derzeit für Aufsehen bei Hobbyschatzsuchern.

Im Sommer 1944 diente der Marinesoldat in einem U-Boot, das bei Bergen in Norwegen von Alliierten versenkt wurde. Mit leichteren Verbrennungen kam Kraft in ein Lazarett im dänischen Skagen. Die Wunden heilten. Mit 47 weiteren jungen Deutschen wurde er, mitten in den Wirren des deutschen Rückzuges, in einen Zug gesetzt und weit ab von der Front ins nordjütische Dorf Asaa gefahren.

Die Mission war streng geheim, lässt Kraft sich vom dänische Boulevardblatt BT zitieren: „Wir wurden in der lokalen Schule einquartiert. Die lag direkt an der Eisenbahnstation. Jeden Vormittag um zehn Uhr mussten wir raus, um zu graben, bis die Sonne wieder unterging. Alles mit Handspaten. Das ganze Gebiet wurde streng bewacht. Die Löcher sollten sechs Meter lang, vier Meter breit, und vier Meter tief sein.“

Dann sei ein Zug angerollt, mit drei bis fünf Güterwagen . „Wir durften nicht in die Nähe“, erzählt der 90-jährige. Zufällig habe er durch einen offenen Spalt einen Blick in einen der Güterwagen erhascht. „Voll gestapelt mit Holzkisten, große und kleine“ – es habe nach sehr, sehr wertvoller Ladung ausgesehen.

Über 60 Jahre geschwiegen habe er nicht aus Pflichtbewusstsein gegenüber der Wehrmacht oder gar Adolf Hitler. Im Gegenteil. Er habe vor allem die „vielen Verrückten in Deutschland“ befürchtet, die „so lange nach dem Kriegsende noch die Nazis anbeten“, beteuert Kraft. „Ich bin jetzt 90, völlig allein, und will nicht sterben, ohne mein Wissen geteilt und mein Gewissen entlastet zu haben.“

Mit seinen alten Wehrmachtspapieren und Satellitenfotos aus dem Internet hat er sich in eine Ferienwohnung in der Nähe von Asaa eingemietet und inzwischen die Dorfbevölkerung zur Mithilfe bewegt. In Dänemark erntet das viel Kopfschütteln. Viele nehmen ihm seine Geschichte auch ab. BT spekuliert gar, ob sich in dem gut 1100 Einwohner zählenden Asaa, das eigentlich nur noch aus dem stillgelegten Bahnhof, einem Campingplatz und einem Yachthafen besteht, gar das berühmte Bernsteinzimmer vergraben liegt. Das bis 1942 im Schloss Königsberg im früheren Ostpreußen ausgestellte Bernsteinzimmer ist seit Ende des Zweiten Weltkrieges spurlos verschwunden.

Am einsamen Strand sind nun Schatzsucher mit Metalldetektoren am Werk. Der Betreiber des örtlichen Campingplatzes freut sich auch deshalb schon über die zahlreichen Vorbuchungen von Hobbyschatzsuchern. (yeu)

Von André Anwar

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