Freigabe der Standstreifen soll Verkehrslawine entzerren und Unfälle vermeiden

Bestie A 2 wird gezähmt

Rappelvoll: Um den Verkehr auf der A 2 zu entzerren, prüfen die Behörden die Freigabe der Standstreifen. Die Installation einer Verkehrsbeeinflussungsanlage – hier eine Leuchtschilderbrücke bei Braunschweig – hat sich bewährt. Foto: dpa

Hannover. Lange Schlangen von Lastwagen, Karambolagen und Staus bestimmen häufig das Bild auf der Autobahn 2 zwischen Ruhrgebiet und Berlin. Seit einem Jahr gibt es auf dem gesamten niedersächsischen Abschnitt Tempolimits, die dem Verkehrsaufkommen entsprechend flexibel angepasst werden. Ein erstes Fazit fällt positiv aus. Die Zahl der Unfälle ist zurückgegangen, es gibt aber weiter viele Schwerverletzte und Tote.

„Was funktioniert und was etwas bringt, ist die Verkehrsbeeinflussungsanlage“, sagt ADAC-Verkehrsexperte Wolfgang Müller. „Das führt mit Sicherheit zu weniger Unfällen und einem besseren Verkehrsfluss.“ Wenig hilfreich seien die von den Kreisen Peine und Helmstedt zwischenzeitlich installierten Radarfallen. „Die Blitzanlagen bringen wenig und haben keinen Vorteil.“ Der Verkehrsfluss werde unterbrochen und es komme zu gefährlichen Bremsmanövern.“

Als Leiter der Autobahnpolizei Hannover kennt auch Knut Hallmann das Geschehen auf der Strecke bestens. „Wir haben die Bestie A 2 einigermaßen gezähmt, aber wir müssen am Ball bleiben“, sagt er. Die Anlagen zur Verkehrsbeeinflussung seien eine Hilfe dabei – wenn das von den Leuchtschilderbrücken angezeigte Tempo akzeptiert wird: „Grundsätzlich wünsche ich mir bis zur Landesgrenze Nordrhein-Westfalens weitere stationäre Geschwindigkeitsmessanlagen, um die Verkehrsdisziplin der Autofahrer auf der gesamten Strecke hoch zu halten.“

Im vergangenen Jahr wurden 2807 Unfälle auf dem niedersächsischen Teil der A2 gezählt, nach 3266 im Vorjahr und 3188 in 2009. 87 der Verunglückten wurden schwer verletzt - 72 und 94 in den beiden Jahren zuvor. Nach oben gegangen ist aber die Zahl der Getöteten, sie stieg von 10 im Jahr 2009 auf 15 in 2010 und 17 im vergangenen Jahr.

Überholverbote

Wegen der problematischen Situation auf der Ost-West-Achse hatte Niedersachsen unter Federführung des Verkehrsministeriums vor zwei Jahren ein Gutachten mit Empfehlungen zur A 2 erstellt. Mehr variable Tempolimits, Überholverbote an Auf- und Abfahrten, eine bessere Koordinierung der Baustellen und mehr Stellplätze für Lastwagen wurden beschlossen.

Jetzt prüfen die Behörden auch eine Mitbenutzung der Standstreifen im Raum Hannover und Braunschweig. Sie sind fahrstreifentauglich ausgebaut. Bei einer Nutzung in Stoßzeiten ähnlich wie auf der A 7 Richtung Hamburg müssten die Auf- und Abfahrten umgebaut werden. „Das hat sich auf der A 7 positiv ausgewirkt“, urteilt ADAC-Experte Müller. „Es ist aber nur eine Übergangslösung.“ (lni)

Von Michael Evers

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