Betrugsfall bei Otto Bock: 39-Jähriger stellte Scheinrechnungen über 600 000 Euro aus

Bewährung für Beihilfe

DUDERSTADT/GÖTTINGEN. Eineinhalb Jahre nach der Entdeckung eines großen Betrugs- und Korruptionsfalls beim Duderstädter Medizintechnik-Unternehmen Otto Bock hat das Landgericht Göttingen am Montag einen weiteren Beteiligten verurteilt. Ein 39-jähriger Techniker aus dem Raum Hannover erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Kammer befand den Angeklagten der Beihilfe zur Untreue in 24 Fällen für schuldig.

Er hatte von 2006 bis 2009 mehr als zwei Dutzend Scheinrechnungen in einer Gesamthöhe von rund 600 000 Euro für Leistungen ausgestellt, die nie erbracht worden waren. Ein Mitarbeiter aus der Bauabteilung von Otto Bock hatte die Rechnungen abgezeichnet und dafür als Gegenleistung bis zu einem Drittel der jeweiligen Summe kassiert.

Der Angeklagte legte vor Gericht ein umfassendes Geständnis ab. Demzufolge war er durch seinen Vater mit der Firma Otto Bock in Kontakt gekommen. Obwohl er damals in Hannover Maschinenbau studierte, habe sein Vater ihn gedrängt, nach Duderstadt zu ziehen und in dessen Lüftungs- und Klimatechnikfirma mitzuarbeiten. Der heute 78-jährige Ingenieur ist einer der Hauptakteure des Betrugsfalles. Er war zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil er jahrelang überhöhte Rechnungen ausgestellt und Otto Bock um mehr als 800 000 Euro geschädigt hatte.

„Das war ein Selbstläufer“

Als er seine Schlussrechnung geschickt hatte, habe der zuständige Mitarbeiter in der Bauabteilung des Duderstädter Weltunternehmens ihn aufgefordert, die Rechnung umzuschreiben, sagte der 39-Jährige. Außerdem habe dieser ihm zu verstehen gegeben, dass er allein für die Freigabe zuständig sei und gegen eine Gegenleistung auch weitere Rechnungen abzeichnen würde. Daraufhin habe er in der Folgezeit weitere Scheinrechnungen geschrieben. „Das war ein Selbstläufer.“ Der Otto-Bock-Mitarbeiter habe seinen Anteil jeweils in bar erhalten.

Ende 2009 habe er wieder den regulären Auftrag für die Wartung erhalten und ein Jahr lang die Arbeiten ohne Mauscheleien ausgeführt. Die nunmehr legale Geschäftsbeziehung endete, als im Herbst 2010 im Zuge einer Steuerprüfung der Betrugsfall bei Otto Bock auffiel.

Das Gericht hielt dem 39-Jährigen vor allem sein Geständnis zugute. Gleichzeitig verwies der Richter darauf, dass es dem Angeklagten aufgrund unzureichender Kontrollen sehr leicht gemacht worden sei.

Von Heidi Niemann

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