Fragen und Antworten

Big Brother im Eigenheim: Was Netzwerkkameras filmen dürfen - und was nicht

Überwachung via App: Netzwerkkameras mit Schwenk-Neige-Funktion kann man mit dem Smartphone auch aus der Ferne steuern. Foto: Geier

Mit Hilfe von Netzwerkkameras können inzwischen auch Laien günstig und einfach ihr Eigenheim überwachen. Und das geht von überall auf der Welt und je nach Modell mit Zoomfunktion.

Doch was dürfen die Kameras filmen - und was nicht? Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Was ist denn überhaupt eine Netzwerkkamera?

Mit einer Netzwerkkamera kann man via Internet auch aus der Ferne schauen, was vor der Linse passiert. Eine Netzwerkkamera ist ein eigenständiges Gerät im Heimnetzwerk, es hat eine eigene IP-Adresse. Daher werden sie auch IP-Kameras genannt. Das heißt, die Kamera muss nicht an einen netzwerkfähigen PC angeschlossen werden. Das unterscheidet sie auch von den klassischen Webcams.

Wenn ich Einbrecher erwischen will, sollte es dann nicht besser eine richtige Überwachungsanlage sein?

Netzwerkkameras lassen sich oft einfacher installieren und sind günstiger, erklärt Moritz Wanke von der Zeitschrift Chip. Analoge Kameras brauchen üblicherweise eine feste Verkabelung mit der zugehörigen Zentraltechnik. Auf die Aufnahmen der Netzwerkkameras kann man mit mehreren Geräten zugreifen. Und das, je nach Modell, mit dem Smartphone von überall auf der Welt.

Wie viel kostet eine solche Kamera?

Netzwerkkameras gibt es inzwischen schon ab 35 Euro. Je mehr Zusatzfunktionen sie hat, umso teuerer die Kamera. Zusatzfunktionen sind etwa Infrarotsensoren und die Schwenk-Neige-Funktion. Auch für eine höhere Auflösung und einen Wetterschutz muss man tiefer in die Tasche greifen.

Ich möchte eigentlich nur ein Babyphone mit Bild. Worauf muss ich achten? 

Eine Kamera für diesen Zweck braucht Infrarotechnologie und damit eine Nachtsichtfunktion. Die Auflösung ist dagegen in diesem Fall nicht so wichtig: Günstige Modelle bieten in der Regel nur VGA-Niveau mit 640 x 480 Pixeln. Das reiche, solange Sie lediglich daheim den Nachwuchs beobachten wollen, sagt Wanke.

Ich will meinen Garten gegen Einbrecher absichern. Welche Kamera ist die richtige ? 

Wenn eine große Fläche beobachtet werden soll, dann sollte die Kamera eine kurze Brennweite und damit einen breiten Blickwinkel haben. Je nach Größe des Geländes sind eventuell mehrere Kameras notwendig. Eine HD-Auflösung ab 720 Pixeln ist dann wichtig , erklärt Experte Wanke. Außerdem sollte die Kamera einen Wetterschutz haben. Ein anderer Faktor ist die Bildwiederholungsrate (fps). Mit 30 Bildern pro Sekunde stehen die Chancen gut, dass die Kamera das Gesicht einfängt, sagt Wanke.

Wozu braucht meine Kamera einen Bewegungsmelder? 

Einen Bewegungsmelder braucht die Kamera, wenn man nicht konstant filmen will. Das reduziert das Datenvolumen, was gespeichert werden muss. Einige Modelle verschicken auch eine Nachricht an das Handy, wenn der Sensor ausgelöst wird.

Wo darf ich überhaupt filmen? 

Grundsätzlich dürfen Privatpersonen nur ihr eigenes Grundstück innerhalb der Grundstücksgrenzen überwachen, erklärt Michael Becker, Fachmann für Videoüberwachung beim Hessischen Datenschutzbeauftragten. Das Filmen angrenzender öffentlich genutzter Flächen, zum Beispiel von Gehwegen, ist nur in begründeten Einzelfällen erlaubt.

Auf meinen Bildern ist ein kleines Stück Straße zu sehen. Ist das erlaubt? 

Das kann ein Ausnahmefall sein. Becker erklärt dazu: Es muss das Bestehen einer Gefährdungslage dargelegt werden können. Das heißt, es muss konkret nachweisbare Vorfälle, zum Beispiel Sachbeschädigung, geben. Ein Nachweis ist etwa eine Strafanzeige. Eine bloße Behauptung reicht nicht aus.

Das sagt die Polizei

Mechanik wichtiger als Elektronik

„Mechanik geht vor Elektronik“, sagt Susanne Gottmann, Technische Beraterin im Polizeiladen Kassel. Wichtig sei alles was verhindert, dass der Einbrecher überhaupt ins Hausgelangt. Das können etwa Spezial-Schlösser und Gitter sein. Aber Elektronik kann helfen, wenn Prävention versagt hat. Soll die Entscheidung zwischen Alarmanlage und Kamera fallen, rät Gottmann zu ersterer. Denn der Alarm setzt Täter unter Zeitdruck, der Lärm kann Nachbarn alarmieren. Solche Anlagen sind aber teuer: Von der professionellen Installation über Fehlalarme bis zur Betreuung durch einen Sicherheitsdienst entstehen Kosten.

Eine Kamera kann dagegen einen Beitrag zur Aufklärung leisten. „Damit die Identifikation klappt, muss die Kamera auch eine hohe Auflösung haben“, sagt Gottmann. Außerdem kann eine Kamera, wenn sichtbar, mögliche Täter abschrecken. Das erhöht zwar das Risiko, dass die Kamera zerstört wird, aber dann ist ein Bild eventuell schon gespeichert.

Hintergrund: Rechtliche Regeln

Ohne Einwilligung ist das Filmen einer Person in Deutschland nicht zulässig, sagt Michael Becker, Mitarbeiter des Hessischen Datenschutzbeauftragten. Und auch wenn man Filmaufnahmen, zum Beispiel weil sie lustig sind im Netz hochladen will, ist die Zustimmung notwendig.

Selbst wenn die Einwilligung vorliegt, können Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Dann steht den Gefilmten der Weg einer Unterlassungsklage offen. Das Aufzeichnen privater Gespräche ist ein Straftatbestand.

Außerdem dürfen die Filmaufnahmen nicht unbegrenzt gespeichert werden. Becker hält für aufgezeichnete Daten grundsätzlich eine Speicherdauer von 72 Stunden (außer in Einzelfällen) für zulässig.

Service: Beratungsstellen bei Fragen

Hessischer Datenschutzbeauftragter: 0611 / 14080.

Liste Polizeilicher Beratungsstellen:

Niedersachsen

Hessen

(dpa/mia)

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