Künstlerin verarbeitet Überreste von Verstorbenen

Bilder mit Totenasche gemalt: Tabubruch oder Trauerarbeit?

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Ina Pause-Noack an einem Bild: Die Farbne ist mit Totenasche angerührt.

Hanau. Ob Beisetzung im Friedwald oder Trauerseiten im Internet – das Bedürfnis nach individuellem Gedenken wird immer stärker. Ina Pause-Noack, Malerin aus Hanau bei Frankfurt bietet an, aus einem Teil der Asche Verstorbener ein Gedenkbild für die Hinterbliebenen zu malen.

Nicht alle finden die Idee gut. Aber sie befeuert die Diskussion um die Grenzen deutscher Bestattungskultur. „Ich habe die Vorstellung am Anfang ja selbst abgelehnt, aber dann ließ mich die Idee nicht mehr los, und so habe ich mich langsam an das Thema rangetastet“, sagt die Malerin.

Über Umwege erfuhr 2012 ein Witwer aus der Schweiz von ihren Arbeiten. Der Mann bat sie, aus einem Teil der Asche seiner verstorbenen Frau ein Bild zu malen. Sie habe mit ihm telefoniert, ihn später besucht, um sich ein Bild zu machen von Persönlichkeit und Leben der Verstorbenen, sagt die Künstlerin. Juristisch bewegt sich die aus Dresden stammende und seit 1998 in Hessen lebende Pause-Noack in einer Grauzone. In Deutschland ist es streng genommen unzulässig, Kremationsasche daheim zu lagern – die Asche muss „in ein amtlich zu verschließendes Behältnis“ und für die Urne besteht Bestattungszwang. So regelt es das hessische Bestattungsgesetz. Ausnahmen sind möglich.

Manche Bestatter entnehmen auf Wunsch der Hinterbliebenen einen Teil der Asche. Der Bundesverband Deutscher Bestatter ist dagegen, der Verband unabhängiger Bestatter stellte in seiner Verbandszeitschrift Pause-Noacks Konzept vor. Um juristische Klippen zu umschiffen, hat Pause-Noack einen Kooperationspartner in der Schweiz: den Naturfriedhof-Betreiber Oase der Ewigkeit.

Wer den deutschen Bestattungszwang umgehen will, kann sich die Urne über die Schweiz nach Hause liefern lassen. Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur, sieht es kritisch: nicht nur das Aschebild – auch als Amulett oder zu einem synthetischen Diamanten gepresst wird. „In der ersten Phase der Trauer kann das eine große Hilfe sein, aber später kann die große Nähe trauer-psychologisch ein Problem werden.“ (dpa)

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