Fragen und Antworten zu IS-Video

Bilderfluten des Horrors: Video von Verbrennung eines Piloten erschüttert die Welt

Kundgebung in der jordanischen Hauptstadt Amman: Gedenken an den von der Terrormiliz IS ermordeten jordanischen Luftwaffen-Piloten Muas al-Kasasba. Foto: dpa

Die Grausamkeit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kennt keine Grenzen. Das Internet-Video von der Verbrennung des jordanischen Kampfpiloten Muas al-Kasasba erschüttert die Welt.

Welches Ziel verfolgt die Terrormiliz IS mit der öffentlichen Verbrennung eines Gefangenen? Ist diese Grausamkeit bloße Propaganda, oder soll der Feuertod eine besondere Funktion erfüllen? 

Das Video, das seit Dienstagabend im Internet kursiert, erfüllt mehrere Funktionen.

• Erstens: Es demonstriert den Vollzug der Rache. Den Anhängern wird detailliert vorgeführt, dass Gleiches mit Gleichem vergolten wird. Der Ort, an dem das Video angeblich aufgenommen wurde, soll die Ruine eines Gebäudes sein, das durch Luftangriffe der internationalen Anti-IS-Allianz zerstört wurde und das mehrere Menschen unter sich begrub. Zudem zeigt das Video Szenen, in denen IS-Kämpfer tote Gefährten und - verbrannte - Leichen bergen.

• Zweitens: Das Video soll abschrecken. Es verbreitet die simple Botschaft: Der IS bestraft diejenigen, die sich an der Kriegsallianz gegen die Terrormiliz beteiligen. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) etwa haben angekündigt, sich nicht mehr an Luftangriffen auf Stellungen und Einheiten der IS zu beteiligen, weil sie ihre Piloten nicht mehr ausreichend geschützt sehen. Die VAE forderten die US-Militärs deshalb auf, spezielle Hubschrauber von Kuwait in den Irak zu verlegen, um Piloten in Notlagen schneller helfen zu können. • Drittens: der Propagandaeffekt. Demonstriert wird die Hemmungs- und Rücksichtslosigkeit der Macht. Womöglich wirken solche Grausamkeit und Lust am Horror anziehend auf entsprechend radikal gesinnte Kreise. Wie eine Trophäe führten IS-Milizionäre das Video am Dienstagabend in ihrer Hochburg, der syrischen Stadt Rakka, immer wieder auf Leinwänden und Großbildfernsehern vor.

Wird das bestialische Morden jemals enden? 

Das kann seriös zurzeit niemand beantworten. Womöglich wird der IS-Terror die arabische und westliche Welt noch viele Jahre in Atem halten. Die vielen IS-Gewaltvideos haben mit der Zeit einen abstumpfenden Effekt. Dagegen steht die Logik der Propaganda: Um immer wieder Aufmerksamkeit sowohl im eigenen Lager als auch bei den Feinden zu erzeugen, müssen die Taten stets erneuert und verschärft werden.

Den islamistischen Grausamkeitsfantasien sind dabei keine Grenzen gesetzt. Bisher wurden Frauen vergewaltigt, als Sexsklavinnen verkauft, gesteinigt; vermeintlich Homosexuelle von Hochhäusern gestürzt; Gegner, Gefangene, Abtrünnige und sogenannte Ungläubige enthauptet oder gekreuzigt. Nun geschah die Verbrennung. Ihre Taten, Morde und Hinrichtungen rechtfertigt die IS-Miliz meist mit der Praxis des Dschihad sowie Überlieferungen und Aussprüchen von Gelehrten aus ur-islamischer Zeit.

Haben sich die IS-Terroristen mit der Verbrennung des Piloten selbst geschadet?

Es ist nicht ausgeschlossen, dass innerhalb des islamistischen Lagers eine Debatte beginnt, wie weit man die öffentlich zur Schau gestellte Grausamkeit noch treiben soll, weil sich ansonsten Sympathisanten und Finanziers aus anderen islamischen Ländern abwenden könnten. Aber ebenso möglich ist, dass der harte Kern der IS-Führung nun erst recht weiter morden lässt, schon um weiter grausame Bilderfluten im Internet erzeugen zu können und das Entsetzen noch zu steigern. Für Letzteres spricht auch ein aktueller UN-Bericht über Morde an Kindern.

Was schildert das UN-Komitee für Kinderrechte? 

Die IS-Terrormiliz rekrutiert nicht nur Kindersoldaten und zwingt behinderte Kinder zu Selbstmordanschlägen, sondern foltert und tötet nach UN-Angaben auch gezielt Kinder im Irak. Dabei würden Angehörige religiöser Minderheiten geköpft, gekreuzigt oder lebendig begraben. Das geht aus einem Bericht des UN-Komitees für Kinderrechte in Genf hervor, der gestern veröffentlicht wurde. Zudem gebe es etliche Fälle von Massenhinrichtungen von Jungen.

Der UN-Ausschuss verlangte von der Regierung in Bagdad, mehr zum Schutz der Kinder und ihrer Familien zu unternehmen. Unter anderem müsste sie mehr dafür tun, Zivilisten die Flucht aus gefährlichen Regionen zu ermöglichen.

Von Jörg S. Carl

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