Dienst-Pkw im Klimatest: Umwelthilfe rügt Spritschlucker der Landeskirche

Bischöfe mit Benzin im Blut

Rote Karte von der Umwelthilfe: Hannovers Landesbischof Ralf Meister fährt so einen Phaeton. Foto: dpa

Hannover. Jahrelang hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Dienstwagen deutscher Politiker unter die Lupe genommen, um die schlimmsten Spritschlucker und CO2-Schleudern anzuprangern. Jetzt sind die Fuhrparks der evangelischen und katholischen Landeskirchen an der Reihe. Das Ergebnis ist durchwachsen: „Viele Bischöfe predigen ihren Kirchengemeinden richtigerweise die Notwendigkeit des Klimaschutzes – haben aber selbst Benzin im Blut“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Mit am schlechtesten kommt in Sachen Klimaschutz Ralf Meister weg, Bischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Sein 240-PS-Phaeton ist aber kein Negativ-Ausreißer. Unterm Strich hält die DUH die Limousinen des kirchlichen Spitzenpersonals in der Mehrheit für übermotorisiert.

26 der befragten 46 Landeskirchen erhalten die rote Karte der Umweltschützer: Vorneweg sieben katholische Bistümer und Erzbistümer vor allem in Süddeutschland sowie die Lippische Landeskirche, die auf die DUH-Umfrage überhaupt nicht reagierten.

Gleich dahinter setzt die DUH als warnende Beispiele Kardinal Karl Lehmann (Bistum Mainz, Mercedes R350 CDI, 265 PS) sowie Essens Bischof Franz-Josef Overbeck und Ralf Meister aus Hannover, die sich im VW Phaeton 3.0 V6 TDI (240 PS) fahren lassen. Mercedes und Phaeton schlucken pro 100 Kilometer im Schnitt mindestens 8,5 bis 9 Liter Sprit und blasen mehr als 220 Gramm CO2 in die Luft. Negativrekord im Test, rügt die DUH, weit jenseits der 140 Gramm CO2, die Europas Pkw-Bauer sich einst bis 2009 als Flottenziel gesetzt hatten.

PS-König Martin Hein

Als PS-König unter seinen Amtsbrüdern gilt übrigens Martin Hein, Bischof der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck: Sein BMW 740d hat 306 PS, lässt aber deutlich weniger CO2 ab als der Phaeton.

Grüne Lobkärtchen gab’s nur vier: Die Spitzenleute der evangelischen Kirchen in Bremen, Westfalen, Schaumburg-Lippe und Braunschweig bleiben mit ihren Karossen unter besagten 140 Gramm CO2/km. Das schaffen sie im erdgasbetriebenen VW Touran und in eher kleineren Diesel-Pkw (E 220/250 CDI) von Mercedes.

Resch fordert die Kirchengemeinden auf, jenseits aller Klimarettungs-Sonntagsreden das Dienstwagenthema breit zu diskutieren: „Die Kirchen zählen mit ihren vielen tausend Gemeinden und ihren sozialen Einrichtungen zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Entsprechend verantwortungsvoll und vorbildhaft sollten sie sich auch in Umweltfragen verhalten.“

Von Wolfgang Riek

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