Dicke Dienstwagen von Bischöfen in der Kritik - Kirchen bekommen satte Rabatte

Kassel/Hannover. Der Klimacheck für die Dienstwagen deutscher Bischöfe sorgt für eine heftige Debatten. Es gibt Kritik an Karossen mit bis zu 300 PS, aber auch Verständnis für große Limousinen im Kirchenfuhrpark. Die Initiatoren der Untersuchung freut's, während Kirchen und Autohersteller schweigen.

„Natürlich geht wegen großer Dienstwagen deutscher Bischöfe das Klima nicht kaputt“, sagt Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Der Klimacheck kirchlicher Fuhrparks sorgt dennoch für einige Diskussionen. Gut so, sagt Resch: „Beim nächsten Test werden die Bischöfe niedrigere CO2-Werte haben. Da bin ich sicher.“

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Es geht, so Resch zur HNA, um die Signalwirkung großer Limousinen mit bis zu 300 PS und 220 g CO2/km, um die Verkaufspolitik der Autokonzerne und die Einkaufspolitik der Kirchen. Wenn die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers erklärt, warum Bischof Ralf Meister das VW-Luxusmodell Phaeton fährt, führt das mitten ins Problem, so DUH-Geschäftsführer. Bischöfe in Hannover, hieß es dort vergangene Woche, seien „eigentlich verpflichtet“ Autos aus Wolfsburg zu fahren. Und VW habe eben „das kostengünstigste Leasing-Angebot gemacht“. Da gehe es auch um „verantwortlichen Umgang mit Kirchensteuer“.

- Dr. Martin Hein, Bischof der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck, fährt BMW 740d (183 g CO2/km). Andere dürfen den BMW aber auch nutzen - und Dienstreisen per Bahn haben Vorrang.

- Heinz Josef Algermissen, katholischer Bischof im Bistum Fulda, fährt Mercedes 350 CDI Blue Efficiency (168 g CO2/km) Dafür gibt es von der DUH die gelbe statt der roten Karte.

Solche Argumente kennt Resch auch aus Ministerien und Behörden. Es sei seit langem Marketingpolitik der Autofirmen, richtig große Autos, bei denen auch die Wertschöpfung richtig groß sei, wichtigen Leuten zu Konditionen anzubieten, die die auf den ersten Blick kaum ablehnen könnten. In der Branche sei von Rabatten bis zu 80 Prozent die Rede. Das seien, wenn Bischöfe, Minister oder TV-Stars einem solchen Auto entstiegen, einfach Werbekosten.

Klar könnten niedersächsische Bischöfe VW fahren. Der Passat sei doch aber auch ein geräumiges Auto, den es zudem schon mit CO2-Werten knapp über 100 g/km gebe. Kirchliche Einkaufsstellen müssten eben mal härter um große Rabatte für nicht ganz so große Autos verhandeln.

- Ralf Meister, Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, fährt Phaeton 3.0 V6 TDI (224 g CO2/km) - auch wenn es laut Landeskirche nur die kleinste Phaeton-Maschine ist.

- Norbert Trelle, Bischof des katholischen Bistums Hildesheim, fährt Audi A6 3.0 TDI quattro (189 g CO2/km). Wie Hein und Meister: rote Karte im Klimacheck.

Schwierig, zumindest am Anfang. Das weiß auch der DUH-Geschäftsführer. Oft seien Ausstattungs-Extras wie komfortablere Einzelsitze hinten oder größere Klimaanlagen an Oberklasse-Modelle geknüpft. Als etwa das Land NRW nach dem Regierungswechsel 2010 neue Autos für Staatssekretäre der Düsseldorfer Regierung auf einen CO2-Ausstoß von 140 g/km begrenzen wollte, habe es plötzlich das eine oder andere Extra nicht mehr gegeben.

Das ging etwas hin und her, „Ausnahmen waren dann schließlich doch möglich“, sagt Resch. Die Umwelthilfe biete allen Kirchengemeinden und -organisationen Hilfe bei derartigen Verhandlungen an, sagte er am Dienstag. „Wir geben keine Kaufempfehlung“, so Resch weiter, aber Tipps, wie man auch mit weniger PS und CO2-Ausstoß Fuhrparks ordentlich bestücken könne.

Wir haben am Dienstag natürlich auch bei Landeskirchen und Bistümern unserer Region sowie großen Autoherstellern um Auskunft über Rabatte und Dienstwagen-Verkaufspolitik gebeten. Bis zum Abend gab es eine einzige Eingangsbestätigung.

Von Wolfgang Riek

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