Ralf Meister steht seit einem Jahr an der Spitze der hannoverschen Landeskirche

Als Bischof immer auf Achse

Seit einem Jahr an der Spitze der evangelischen Landeskirche Hannover: Landesbischof Ralf Meister. Foto:  nh

Hannover. Ralf Meister will nicht abwarten, bis die Menschen zu ihm kommen - er macht sich selbst zu ihnen auf den Weg. Zum Auftakt seiner Amtszeit hat sich der evangelische Landesbischof von Hannover ein strammes Programm verordnet: Alle 56 Kirchenkreise seiner Landeskirche will er besuchen. „Das Schönste am Bischofsamt sind für mich die vielen Begegnungen“, sagt er. Am 1. April ist Meister ein Jahr im Amt. Schon sechs Tage vorher, am 26. März 2011, wurde er als Nachfolger von Margot Käßmann feierlich eingeführt.

Die Kirche zwischen Nordsee, Harz und Heide ist die größte in Deutschland. Woche für Woche ist der 50-Jährige deshalb auf Achse, Zehntausende von Kilometern ist sein Dienstwagen schon gelaufen. Mit 34 Kirchenkreisen hat der gebürtige Hamburger schon mehr als die Hälfte geschafft.

Ihn beeindrucken besonders die Menschen auf dem Land. Christen im Harz, die ihre baufällige Kirche renovieren wollen, obwohl kaum Geld dafür da ist, und die doch die nötige Million zusammenbekommen. „Wie wir als Kirche in den Dörfern präsent bleiben können, ist eine Riesenherausforderung.“

Der Bischof hat Bauernhöfe, Rathäuser und Unternehmen bereist. Seine tausendfach geschüttelten Hände hat er im ostfriesischen Wittmund verewigt: In Ton gebrannt gehört sein Abdruck inzwischen zu den „Hands of Fame“.

Motorrad und h-Moll-Messe

Zwei theologische Themen haben ihn auf seinem Weg immer wieder beschäftigt: Schuld und Barmherzigkeit. Bei einem Empfang im Kloster Loccum sagte er unter dem Eindruck der Debatte um den damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff: „Ich fürchte mich manchmal vor einer völlig entblößten Gesellschaft, die das Gespür für die Gnade Gottes verloren hat.“

Der Theologe nimmt sich aber die Freiheit, nicht alle politischen Themen zu kommentieren. „Ich möchte schon so antworten, dass ich sehr genau weiß, worüber ich rede - nicht nur theologisch, sondern auch rein sachlich.“ Und das braucht Zeit, die im bischöflichen Alltag oft viel zu knapp ist.

Gegenüber seinem vorherigen Amt als Generalsuperintendent von Berlin habe sich vieles verändert, sagt der Vater von drei Kindern, der in zweiter Ehe mit einer Kieferorthopädin verheiratet ist. „Es ist ein ganz anderes Leben.“

Entspannung findet der leidenschaftliche Motorradfahrer bei Musik, Literatur und Film. Gern baut er Gedichtzeilen, Schlagertexte oder Filmszenen in seine Predigten ein. Er mag raue, einsame Helden wie Clint Eastwood, schwärmt aber auch von der h-Moll-Messe von Bach: „Dann höre ich auf zu fragen, denn jede Sinnfrage ist in der Musik aufgefangen.“ (epd)

Von Michael Grau und Ulrike Millhahn

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