Familienpolitik im Fokus

Bischof Martin Hein: „Das Leitbild der Ehe gilt für uns“

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Familie ja - aber: Der Kasseler Bischof Martin Hein kritisiert, dass die Kirche in einer Orientierungshilfe zu wenig auf die christliche Ehe setzt. Foto:

Wie hilft Kirche Familien in einer Zeit, in der die Familie sich wandelt? Eine Orientierungshilfe der evangelischen Kirche sollte Antworten geben. Doch das Papier befasste sich auch kritisch mit der Ehe, viele Theologen reagierten entsetzt.

Heute wird es dazu ein Symposium in Berlin geben. Wir sprachen mit Bischof Martin Hein

Herr Bischof Hein, was sagt das evangelische Leitbild der Ehe?

Martin Hein: Die Ehe als Lebensform ist eine gute Gabe Gottes. Sie zeichnet sich aus durch Verbindlichkeit, gegenseitige Liebe und Treue. Prinzipiell ist sie auf Dauerhaftigkeit angelegt.

Sagt die umstrittene Orientierungshilfe etwas anderes?

Hein: Sie betont die positiven Seiten einer Ehe zu wenig. Auch wenn ein Drittel der Ehen in Deutschland geschieden wird, spricht das ja nicht grundsätzlich gegen die Ehe. Viele Geschiedene heiraten auch wieder.

Sollte es denn um die Ehe gehen in dem Papier?

Hein: Die Aufgabenstellung für die Autoren war eine familienpolitische Klärung. Wie können wir Familien stärken angesichts der verschiedenen Lebensformen, die es heute gewollt und ungewollt gibt. Viele Alleinerziehende etwa haben sich diese Lebensform ja nicht ausgesucht. Einseitige scharfe Sätze zur traditionellen Ehe, die sie angeblich relativieren, haben dann zu der öffentlichen Debatte geführt. Im Übrigen sind die theologischen Überlegungen zur Ehe viel zu kurz geraten.

Haben Sie Beispiele?

Hein: Die Bibel ist kein geschichtsloses Buch, aus dem man einzelne Passagen zitiert und aus dem Zusammenhang reißt. Abraham etwa als Beispiel für eine Patchwork-Familie heranzuziehen, ist schlichtweg absurd. Auch wird Luthers Satz zitiert, die Ehe sei ein weltlich Ding. Aber das ist ja nur die eine Seite. Trotzdem hat auch für Luther Gott die Ehe gestiftet. Er hat sich nur gegen das Verständnis der Ehe als Sakrament gewehrt.

Sie sehen also keine Abkehr der Kirche von der Ehe?

Hein: Nein. Für uns gilt das Leitbild der Ehe, auch für die Orientierungshilfe. Sie stellt aber fest, dass es darüber hinaus eine ganze Anzahl von verbindlichen Lebensformen gibt, die eine Annäherung zur Ehe suchen. Die eingetragenen Lebenspartnerschaften möchten genau diesen Status haben. Das zeigt, dass das Leitbild der Ehe gesellschaftlich ausgesprochen wirksam ist.

Für Sie ist Ehe aber die Verbindung von Mann und Frau?

Hein: Die Definition von Ehe bezieht sich klar auf Mann und Frau. Daneben gibt es die gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Klar ist in beiden Fällen, dass es nicht um polygame Beziehungen geht, sondern um zwei Menschen.

Spielt die Diskussion insbesondere um Homo-Ehen eine zu große Rolle in den Kirchen? Papst Franziskus hat sich ja kürzlich so geäußert.

Hein: Man sollte sich auch in diesen Fragen Klarheit verschaffen. Was Papst Franziskus gesagt hat, ist für die katholische Kirche zwar beachtlich, aber letztlich muss auch sie sich dazu verhalten. Wir in Kurhessen-Waldeck haben uns mühsam, aber intensiv auseinandergesetzt, und das finde ich aufrichtig.

Mit welchem Ergebnis?

Hein: Wir stehen positiv zur Ehe. Wir haben die Trauung als Segnung für die Ehe, die für uns das Leitbild darstellt. Und wir haben auch Segnungen für Lebenspartnerschaften. Ich finde, wir sind da bereits sehr weit. Wir brauchen keine ständigen Abgrenzungen.

Worin sehen Sie den Sinn des Papiers?

Hein: Wir müssen dauerhaft eine andere Familienpolitik betreiben in Deutschland. Familien mit Kindern, egal in welcher Form, sind insgesamt benachteiligt. Wir müssen ihnen bessere Lebenschancen vermitteln in der Erziehung, durch die Förderung von Kinderbetreuung und durch Bildungschancen für alle.

Was erwarten Sie von dem Symposium?

Hein: Dass über die theologischen Voraussetzungen der Orientierungshilfe gesprochen wird und über unsere Forderungen an eine Familienpolitik, die diesen Namen verdient.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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