Ralf Meister setzt politische Akzente und prangert Atom- und Ausländerpolitik an

Bischof spricht Klartext

Grundsatzrede: Der Bischof der evangelischen Landeskirche Hannover, Ralf Meister, kritisierte die Ausländerpolitik der niedersächsischen Landesregierung scharf. Foto:  dpa

Hannover. Acht Monate nach seinem Amtsantritt hat Hannovers Landesbischof Ralf Meister in einer Grundsatzrede politische Akzente gesetzt und den künftigen Kurs der Kirche abgesteckt.

Meister kritisierte am Donnerstag im Kirchenparlament die bisherige Suche nach einem atomaren Endlager als unehrlich. Sie habe zu einer „gesellschaftlichen Vergiftung“ geführt. Zudem prangerte er die rigide Flüchtlingspolitik der niedersächsischen CDU/FDP-Landesregierung an. Den rechten Terror bezeichnete er als „Schande“ für das Land. Ferner forderte der Nachfolger von Margot Käßmann, die fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen sollten in Zukunft stärker miteinander kooperieren.

Kurz vor Eintreffen des Castor-Zuges mit Atommüll im Wendland sagte Meister, es sei völlig unverständlich, warum bei der jahrzehntelangen Suche nach einem Endlager grundlegende Erkenntnisse verschwiegen worden seien. Bei der weiteren Suche sei die Unterbrechung der Erforschung in Gorleben eine zentrale Forderung. „Und es muss kritisch gefragt werden, wie eine faire Untersuchung unterschiedlicher Orte erfolgen soll, wenn mit dem Vorsprung von 30 Jahren Erkundungsarbeit Gorleben immer weiterhin priorisiert bleiben wird.“

Der Bischof lobte den Widerstand von Christen gegen die Ausländerpolitik in Niedersachsen. Explizit würdigte er den Einsatz der Kirchengemeinde in Hoya für die nach 19 Jahren nach Vietnam abgeschobene Familie Nguyen. „Ein mutiger Einsatz für Menschen, denen eine menschliche Existenz vorenthalten werden sollte“, sagte Meister.

Rechter Gewalt vorbeugen

Die Familie soll nach vielfältigem Protest nun doch nach Deutschland zurückkehren dürfen. Für Flugkosten und andere Ausgaben sammelten die Kirchenparlamentarier auf ihrer Tagung Geld. Der Bischof forderte auch, die Hintergründe und Verstrickungen der Morde von Neonazis konsequent aufzuklären. „Zugleich müssen wir unsere präventiven Anstrengungen verstärken, um zu verhindern, dass sich rechtes Gedankengut und Gewalt weiter ausbreiten.“

Angesichts der wachsenden Möglichkeiten der Medizin etwa bei der kürzlich in Ausnahmefällen zugelassenen Präimplantationsdiagnostik plädierte Meister dafür, ethischer Debatten intensiver zu führen als bisher. Mitarbeiter diakonischer Kliniken dürften außerdem nicht zum Dienst gezwungen werden, wenn es um den Abbruch menschlichen Lebens gehe. (lni)

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