Wo bleibt der Aufschrei?

Kommentar zum Todesurteil für 683 Islamisten

Im größten Massenprozess der ägyptischen Geschichte sind gestern 683 Islamisten zum Tode verurteilt worden. Dazu ein Kommentar von Markus Symank.

Ägyptens Regime hat versprochen, das Land an die Weltspitze zurückzuführen. Zumindest in Sachen Todesurteilen ist Ägypten schon ganz vorn mit dabei, auf Augenhöhe mit Nordkorea, China und dem Iran.

Es handelte sich dabei um Schauprozesse im Schnelldurchlauf, die grundlegende Prinzipien eines Rechtsstaates auf den Kopf stellen und den Kreislauf der Gewalt noch beschleunigen. Im Wochenrhythmus händigt Ägyptens auf Rache sinnende Justiz drakonische Strafen nicht nur gegen Islamisten, sondern auch gegen säkulare Regierungsgegner aus. So verbot ein Gericht am Montag alle Aktivitäten der Organisation 6. April. Die Revolutionsgruppe hatte mit ihrem Aufruf zum friedlichen Protest maßgeblich zum Sturz des Diktators Husni Mubarak beigetragen.

Es ist beschämend, dass die westliche Welt zur politischen Repression und der anhaltenden Gewalt der Sicherheitskräfte gegen jede Form von Opposition keine klaren Worte findet. Die Europäische Union entsendet ein Beobachterteam zur Präsidentschaftswahl Ende Mai. Damit suggeriert sie, dass am Nil Normalität Einzug halte. Nichts ist weiter entfernt von der Realität.

Kontakt zum Autor: nachrichten@hna.de

Rubriklistenbild: © AP

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