Kommentar zu Blockupy in Frankfurt: Erotik des Krawalls

Die Randale in Frankfurt ist ein Krisensymptom des Euro. Die Argumente von Blockupy sind schwach, der Krawall strafwürdig. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Gegen die Verarmungspolitik der Troika – das klingt als Protestmotiv der Blockupy-Demonstranten nachvollziehbar. Leider verkehrt es die Tatsachen der europäischen Krisenpolitik ins Gegenteil. Denn die Schuldenstaaten sind nicht deswegen in der Krise, weil die Troika dort ist. Die Troika ist dort, weil die Schuldenstaaten sich in die Krise gewirtschaftet haben. Ohne die Hilfe der in der Troika repräsentierten Institutionen, so auch der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, hätten Griechenland, Portugal, Spanien und Co. das Missverhältnis ihrer zu hohen Ausgaben und zu niedrigen Einnahmen nicht mehr bewältigen können.

So entbehrt es nicht der Ironie, wenn der europaweite Protest gegen das Krisenregime und die angebliche Sparpolitik, die in Wirklichkeit nur die notwendige Rückführung einer überzogenen Ausgabenpolitik ist, ausgerechnet vor der EZB in Frankfurt stattfindet. Denn gerade die hat mit ihrer Ultra-Niedrigzinspolitik und der Ankündigung großangelegter Anleihenkäufe alles getan, um die lahmende Wirtschaft in Südeuropa anzukurbeln und Spekulationen gegen einzelne Länder zu verhindern.

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Der Logik der Straße mögen die Konstruktionsmängel der Eurozone zu hoch sein, entfaltet doch offenbar der Krawall unter dem Eindruck von Geldtürmen und der Aura internationalen Finanzkapitals eine ganz eigene Erotik. Immerhin ist Blockupy auch noch gegen jede rassistische oder nationalistische Spaltung, Verschwörungstheorien und Antisemitismus. Deswegen zündet man aber keine Polizeiautos an, attackiert auch keine Feuerwehrleute, schlägt keine Schaufenster ein oder kippt Autos um.

Ausbaden müssen den Krawalltourismus in Frankfurt wieder einmal unzählige Polizistinnen und Polizisten. Sie und die Feuerwehrleute verdienen in erster Reihe Respekt und Unterstützung.

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