Blutige Zusammenstöße in Ägypten: Neun Tote

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Der Machtkampf zwischen den “Revolutionären“ und den Vertretern der alten Ordnung in Ägypten erreicht einen neuen Höhepunkt

Kairo - Straßenkämpfe, Tote und brennende Gebäude: Der Machtkampf zwischen den “Revolutionären“ und den Vertretern der alten Ordnung in Ägypten erreicht einen neuen Höhepunkt.

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Bei den schwersten Ausschreitungen seit Wochen sind in Kairo in der Nacht zum Samstag neun Menschen getötet worden. Das Gesundheitsministerium meldete, mehr als 300 Menschen seien verletzt worden. Demonstranten setzten nach Angaben der Sicherheitskräfte zwei Gebäude in Brand. Die Militärpolizei räumte laut Augenzeugen Lager der Protestbewegung am Tahrir-Platz und vor dem Kabinettsgebäude mit Gewalt. Sie nahm zahlreiche Demonstranten fest, zündete Zelte an und verlegte Stacheldraht.

Brennende Häuser bei blutigen Straßenkämpfen in Ägypten

Brennende Häuser bei blutigen Straßenkämpfen in Ägypten

Für große Empörung unter den Gegnern der Militärherrschaft sorgte die Nachricht vom Tod eines islamischen Geistlichen. Hunderte von Menschen, darunter zahlreiche Politiker, nahmen am Samstag an der Beerdigung von Scheich Emad Effat teil, der am Freitagabend bei den Zusammenstößen in der Nähe des Kabinettsgebäudes getötet worden war.

Der Geistliche hatte für das Dar al-Ifta - eine Behörde, die autorisiert ist, religiöse Gutachten (“Fatwas“) zu erteilen - gearbeitet und sich mit der Protestbewegung solidarisiert. Etliche Trauergäste riefen Slogans gegen den Obersten Militärrat, der nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak im vergangenen Februar die Macht übernommen hatte.

Die Militärs gaben den Demonstranten die Schuld an der neuen Eskalation. Sie erklärten, die Protestierenden, die seit drei Wochen vor dem Kabinett campierten, hätten am Donnerstag einen Offizier der Militärpolizei verschleppt. Aktivisten erklärten dagegen, sie seien zuerst attackiert worden.

Ministerpräsident Kamal al-Gansuri erklärte die Demonstranten zu Konterrevolutionären. Vor der Presse in Kairo sagte er: “Was heute auf den Straßen passiert, ist keine Revolution.“ Außerdem wies er Berichte zurück, wonach die Armee mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen haben soll.

Der ägyptische Journalist Hani Schukralla erklärte via Twitter: “Der Oberste Militärrat ertränkt Ägyptens Revolution im Blut. Es zeichnet sich eine Allianz der Konterrevolutionäre ab: Militär, Polizei, Islamisten und die Überbleibsel des Regimes von Husni Mubarak.“

Die Proteste in Kairo richten sich vor allem gegen den Militärrat. Die Demonstranten vor dem Kabinettsgebäude hatten verhindern wollen, dass die vom Militärrat eingesetzte Übergangsregierung von Ministerpräsident Gansuri dort die Arbeit aufnimmt.

dpa

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