Messerattacke in Finnland

Attentäter und Verdächtige von Turku waren monatelang in Deutschland

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In der finnischen Stadt Turku hat ein Angreifer auf mehrere Menschen eingestochen. Er hatte es möglicherweise gezielt auf Frauen abgesehen.

Der Attentäter von Turku und weitere Verdächtige hielten sich monatelang in Deutschland unter verschiedenen Identitäten auf. Teilweise waren sie der Polizei bereits bekannt. 

  • In der finnische Stadt Turku hat ein Angreifer auf mehrere Menschen eingestochen.
  • Zwei Finnen starben, acht Verletzte werden in Krankenhäusern behandelt. Sie stammen aus Schweden und Italien.
  • Der Täter wurde von der Polizei angeschossen. Er liegt derzeit im Krankenhaus. Es handelt sich bei ihm un einen 18-jährigen Marrokaner.
  • Die Polizei geht mittlerweile von einem terroristischen Hintergrund aus.
  • Die Ermittler prüfen Verbindungen zum IS.

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21.08.2017 - 19.00 Uhr: Der Attentäter von Turku und weitere nach der tödlichen Messerattacke vom Freitag in Finnland festgenommene Verdächtige haben sich um den Jahreswechsel 2015/16 monatelang in Niedersachsen und anderen deutschen Regionen aufgehalten. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vom Montag war der aus Marokko stammende mutmaßliche Messerstecher Anfang November in Niedersachsen erkennungsdienstlich behandelt worden. Dabei wurden ihm Fingerabdrücke abgenommen.

Nach dpa-Informationen benutzte der Mann in Deutschland mehrere Alias-Identitäten. Außer in Niedersachsen war er demnach in Dortmund, wo ihn die Ausländerbehörde im April 2016 als „unbekannt verzogen“ verzeichnete. In Hamburg fiel er den Behörden auf, weil er sich illegal dort aufhielt. In Neuss wurde ihm eine Körperverletzung vorgeworfen. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums teilte am Montag mit, der 18-Jährige habe damals in Deutschland keinen Asylantrag gestellt, sei aber erkennungsdienstlich behandelt worden.

Wie viele der vier zusätzlich zum Attentäter in Finnland Festgenommenen in Deutschland waren, ist noch unklar. Nach dpa-Informationen waren es zumindest zwei. Einer von ihnen sei in Hamburg und Göttingen gewesen und wegen Raubes und illegalen Aufenthalts aktenkundig geworden. Dieser Mann habe mehr als fünf Alias-Identitäten benutzt. Ein weiterer Verdächtiger im Umfeld des Täters von Turku sei in Osnabrück zur Festnahme ausgeschrieben gewesen. In Hamburg sei der Mann wegen Diebstahls aufgefallen.

Ermittler prüfen Verbindungen zur Terrormilitz IS

20.08.2017 - 14.39 Uhr: Nach der Messerattacke in der finnischen Stadt Turku prüfen die Ermittler, ob der Tatverdächtige in Verbindung zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) stand. Der 18 Jahre alte Marokkaner wurde am Freitag von der Polizei angeschossen und liegt im Krankenhaus. Bei dem Angriff wurden zwei Finninen erstochen und acht weitere Menschen verletzt. Die Polizei geht von einem terroristischen Hintergrund aus - und glaubt, dass der Attentäter gezielt Frauen attackieren wollte. Sie ermittelt wegen zweifachen Mordes und achtfachen Mordversuchs mit „terroristischem Vorsatz“.

15.25 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Finnland nach dem Messerangriff in Turku die volle Unterstützung Deutschlands zugesichert. In einem Telefonat sprach Merkel Ministerpräsident Juha Sipilä am Samstag ihr Beileid aus. Ihre Gedanken seien in diesen schweren Stunden bei den Opfern und ihren Angehörigen, erklärte die Kanzlerin. Deutschland stehe an der Seite Finnlands: „Wir dürfen unsere Art zu leben nicht aufgeben und uns nicht einschüchtern lassen. Den Terroristen müssen wir geschlossen entgegentreten.“ Die finnische Polizei geht nach der Messerattacke, bei der am Freitag zwei Menschen getötet und acht zum Teil schwer verletzt wurden, von einem terroristischen Hintergrund aus.

14.54 Uhr: "Wir glauben, dass der Attentäter gezielt Frauen angriff", sagte Superintendentin Christa Granroth. Bei den zwei Getöteten handelte es sich um finnische Frauen, unter den acht Verletzten waren sechs Frauen und zwei Männer. Einer der Männer wurde verletzt, als er einer angegriffenen Frau helfen wollte, der zweite, als er sich dem Attentäter entgegenstellte.

11.01 Uhr: Die Polizei geht bei der Messerattacke in Finnland von einem terroristischen Hintergrund aus. Die Tat werde als Mord mit „terroristischem Vorsatz“ behandelt, gaben die Ermittler am Samstag bekannt. Bei dem Angriff in der Innenstadt von Turku im Südwesten des Landes waren am Freitag zwei Menschen getötet worden.

Nach Polizeiangaben ist der Verdächtige ein 18 Jahre alter Marokkaner, der von der Polizei angeschossen wurde und im Krankenhaus liegt. Das Motiv des Täters war zunächst unklar.

Täter liegt gemeinsam mit Opfern auf Intensivstation

Im Universitätskrankenhaus von Turku lägen außer dem Täter auch zwei der Opfer auf der Intensivstation, teilte die Polizei mit. In der Klinik würden auch fünf weitere Verletzte behandelt. Der Verdächtige war kurz nach der Tat durch Polizeischüsse an der Hüfte verletzt worden.

Die beiden Getöteten seien Finnen. Von den acht Verletzten kämen zwei aus Schweden und ein Opfer aus Italien, gab die Polizei weiter bekannt.

Ministerpräsident Juha Sipilä und sein Kabinett waren am späten Freitagabend in einer Sondersitzung auf den neuesten Stand gebracht worden. Nach Polizeiangaben wurde zu diesem Zeitpunkt noch nach möglichen Komplizen des mutmaßlichen Täters gesucht. Die Situation sei aber unter Kontrolle, hieß es.

Die Polizei war zunächst nicht von einem terroristischen Hintergrund ausgegangen - wollte ihn aber auch nicht ausschließen.

Augenzeuge berichtet von Schreien und einem „riesigen Messer“

Ein Augenzeuge sagte dem schwedischen Rundfunksender SVT, er habe am Freitag gerade sein Büro verlassen, als er plötzlich Schreie hörte und Menschen auf sich zurennen sah. „Ich sah einen Typen mit einem riesigen Messer auf eine Frau und einen Mann einstechen.“ Die Universitätsklinik teilte mit, eines der Opfer sei im Krankenhaus gestorben.

Regierungschef Sipilä verurteilte die Tat und kondolierte den Angehörigen. Präsident Sauli Niinistö sprach von einem „schockierenden und feigen“ Angriff.

Finnische Polizei erhöht Präsenz auf öffentlichen Plätzen

Nach Angaben von Innenministerin Paula Risikko wurden Polizeikräfte im Land angewiesen, erhöhte Präsenz auf öffentlichen Plätzen zu zeigen. Sichtbar wurde dies etwa an Bahnhöfen und am Flughafen der Hauptstadt Helsinki. Züge und Busse wurden Medienberichten zufolge auf dem Weg aus Turku heraus kontrolliert. Risikko zufolge wurden auch die Sicherheitskontrollen an den Grenzen intensiviert.

10.48 Uhr: Nach dem tödlichen Messerangriff in der finnischen Stadt Turku ermittelt die Polizei nun wegen Terrorverdachts. Nach ersten Ermittlungen wegen Mordes habe sie in der Nacht zum Samstag weitere Informationen erhalten, die auf einen terroristischen Hintergrund hinwiesen, erklärte die Polizei am Samstag. Demnach handelt es sich bei dem Angreifer um einen 18-jährigen Marokkaner. In der Nacht zum Samstag durchsuchte die Polizei in Turku eine Wohnung und nahm fünf weitere Menschen fest. Sie hätten in Kontakt mit dem Angreifer gestanden, sagte der Ermittler Markus Laine der Nachrichtenagentur AFP. Ob sie auch mit dem Angriff in Verbindung stünden, sei noch unklar.

19.08., 10.19 Uhr: Die Polizei in Finnland vermutet bei der Messerattacke in Turku einen terroristischen Hintergrund, wie die Ermittler am Samstag bekanntgaben. Bei dem Angriff in der Innenstadt am Freitag waren zwei Menschen erstochen worden.

Das geschah am Freitag

Turku - Bei einer Messerattacke in der finnischen Stadt Turku hat es am Freitag nach Polizeiangaben zwei Tote gegeben. Sechs Menschen seien verletzt, ein Verdächtiger sei festgenommen worden, teilte die Polizei am Abend über Twitter mit. Zum derzeitigen Stand der Ermittlungen könne nicht gesagt werden, ob ein terroristischer Hintergrund vorliege. 

Eines der Opfer wurde den Angaben zufolge angegriffen, als es auf dem Marktplatz in der Innenstadt einem anderen Opfer Hilfe leistete. Der Angreifer habe anschließend in einer belebten Straße auf andere Menschen eingestochen. Die Polizei schoss auf den Tatverdächtigen und verletzte ihn am Oberschenkel. Sie nahm den Mann fest und stellte das Messer sicher. 

Verdächtiger ist „junger Mann ausländischer Abstammung“

Bei dem Verdächtigen handele es sich um "einen jungen Mann ausländischer Abstammung", erklärte die Polizei. Sie arbeite bei den Ermittlungen mit der Einwanderungsbehörde zusammen. Vermutlich habe es sich um nur einen Angreifer gehandelt. Zuvor hatten Sicherheitskräfte gesagt, es werde nach möglichen weiteren Verdächtigen gesucht. 

Die Bevölkerung wurde aufgefordert, sich nicht ins Zentrum von Turku zu begeben. Auf Twitter erklärte die Polizei, sie sei im Alarmzustand und habe ihre Präsenz verstärkt. 

Am Abend wurde die Innenstadt wieder für sicher erklärt. Der Vertreter eines Krankenhauses der Stadt sagte, bei allen acht Opfern handele es sich um Erwachsene. Ein Mensch sei am Tatort gestorben, der andere im Krankenhaus, erklärte die Polizei. 

Bilder des staatlichen Fernsehsenders Yle zeigten eine abgesperrte Innenstadt mit geschlossenen Geschäften. Augenzeugen berichteten, sie hätten Menschen am Boden liegen gesehen. "Ich habe eine alte Frau gesehen, ich habe versucht, ihr zu helfen", sagte der Augenzeuge Wali Hashi der Nachrichtenagentur AFP. "Sie blutete am ganzen Körper."

Sicherheitsvorkehrungen wurden verstärkt

Auch in Helsinki wurden nach offiziellen Angaben die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Die Regierung verfolge die Lage in Turku aufmerksam, twitterte Ministerpräsident Juha Sipilä. Für den Abend war eine Kabinettssitzung vorgesehen.

Turku mit seinen rund 190.000 Einwohnern liegt rund 170 Kilometer nordwestlich der finnischen Hauptstadt Helsinki an der Ostsee. In der Stadt im Südwesten des Landes hatte sich im Oktober 2012 ein offenbar geistig gestörter Mann dem damaligen Regierungschef Jyrki Katainen mit einem Messer genähert. Sicherheitsleute überwältigten den Mann. Ein Verfahren gegen ihn wurde nicht eröffnet.

fn/AFP/dpa

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