Von "Boko Haram" bis "Wahhabismus": Begriffe, die man jetzt kennen sollte

Wir sammeln an dieser Stelle Begriffe und Namen, die im Zusammenhang mit den aktuellen Terrormeldungen immer wieder auftauchen.

Abu Bakr al-Bagdadi

Anführer des sogenannen Islamischen Staates. Nennt sich Kalif (Nachfolger des Propheten) aller Muslime. Rief 2014 das Kalifat des „Islamischen Staates“ (IS) aus. War während des Irakkrieges in einem US-Gefängnis im Irak wegen Terrorverdachts inhaftiert.

Boko Haram

Islamistische Terrorgruppe in Nigeria. Hat sich angeblich zum IS bekannt. Verantwortlich für Massaker sowie Entführungen und Versklavungen von Frauen.

Dabiq

Rekrutierungs-Organ des IS. Erscheint monatlich im Internet in mehreren Sprachen. Mischung aus Propaganda und kühlem Design. Sunnitische IS-Kämpfer werden zu Vorbildern stilisiert. Ruft zum Töten sogenannter Ungläubiger auf. Hetzt gegen die sogenannten europäischen Kreuzfahrer-Nationen. Gibt Ratschläge, wie Terroraktionen durchzuführen sind. Dabiq bezieht sich auf eine Region in Nordsyrien, wo gemäß Überlieferung die Endzeitschlacht zwischen Islam und Kreuzfahrer- Nationen stattfinden wird.

Daesh

In Frankreich wird statt IS (Islamischer Staat) oder ISIS (Islamischer Staat in Syrien) oft das Wort Daesh für die Terrormiliz gebraucht. Es sind jeweils Akronyme, also aus den Anfangsbuchstaben der einzelnen Begriffe gebildete Abkürzungen, die ein neues Wort ergeben. Das Akronym Daesh (deutsch ausgesprochen wie Da-esch) wird aus den arabischen Anfangsbuchstaben gebildet. Dabei weist Daesh nicht allein auf Syrien hin, sondern auf „al-Sham“, also auf ein weit größeres Territorium, auf dem heute auch Syrien liegt. Erklärtes Ziel von IS-Kämpfern ist es, nach Syrien und dem Irak auch Jordanien und den Libanon zu erobern, um schließlich bis nach Jerusalem zu ziehen. Im Französischen klingt Daesh ausgesprochen wie dèche, was „Pleite“ bedeutet. Deshalb gibt es in Frankreich die Auffassung, die Terroristen würden den Begriff als Beleidigung empfinden. Das ist allerdings umstritten.

Dschihad

Meint eigentlich die Anstrengung des Gläubigen, nach den Lehren des Islam zu leben und den individuellen Bedürfnissen, die den Glaubensregeln widersprechen, zu entsagen. Bezeichnet auch den sogenannten Heiligen Krieg, der die Herrschaft der Muslime durchsetzen will.

Homegrown

In der Berichten über die Attentäter von Paris ist oft von „homegrown terrorists“ die Rede. Das weist auf Täter hin, die in Europa bzw. im jeweiligen Land der Anschläge länger lebten oder dort geboren und aufgewachsen sind. Damit ist auch gemeint, dass die Täter meist aus sozial benachteiligten Milieus stammen. Die Vorstädte von Paris etwa, die Banlieus, gelten als gesellschaftlich isolierte Ghettos von Einwanderern meist aus Nordafrika, in denen Kriminalität, Gewalt und Anfälligkeit für islamistisches Gedankengut hoch ist.

Islamischer Staat

Gibt es nicht. Wenn man von ihm spricht, sollte man immer „sogenannter“ voranstellen. Der sogenannte Islamische Staat (IS) bezeichnet eine radikal-sunnitische, islamistische Terrormiliz, die aus einem Ableger der Terrororgansiation Al-Qaida im Irak entstanden ist und sich im Zuge des syrischen Bürgerkriegs nach Syrien ausgebreitet hat. Hat geschätzt bis zu 40 000 Kämpfer unter Waffen und ein Territorium im Irak und in Syrien von fast der Größe Großbritanniens erobert.

Zu den Zielen und zur Ideologie des IS gehören: Herrschaft über die islamische Welt; Unterjochung oder Vernichtung aller sogenannter Ungläubigen, also vor allem der westlichen Gesellschaften, der christlichen und jüdischen Religionen sowie der muslimischen Schiiten. Das alles wird unter dem Begriff Heiliger Krieg (Dschihad) zusammengefasst. Zu dessen Methoden gehören auch Terroranschläge in den Ländern der sogenannten Kreuzfahrer-Nationen.

Kalifat

IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi rief 2014 das „Kalifat des Islamischen Staates“ aus und erklärte, er sei zum Kalifen berufen worden. Einen Kalifen berufen kann aber streng genommen nur die gesamte islamische Gemeinschaft im Konsens. Und den gibt es nicht. Al-Bagdadi hat sich also selbst ernannt. Das Kalifat ist der Machtbereich des weltlichen und religiösen Herrschers in der islamischen Welt.

Der Kalif (arab.: khalifatu rasuli llah = Nachfolger des Gesandten Gottes) ist nach historischer Überlieferung verantwortlich für die Verteidigung und Vergrößerung des Herrschaftsgebietes, die Verteilung von Kriegsbeute und Almosen sowie die Kontrolle der Regierung. Er überwacht den Glauben, erlässt Gesetze und setzt die Scharia, das islamische Recht, durch. Das Kalifat entstand nach dem Tod des Propheten Mohammed (632 n. Chr.) Die ersten vier Nachfolger gelten den Sunniten als die „rechtgeleiteten“ Kalifen.

Kreuzfahrer

Das Feindbild des IS schlechthin. In der Rhetorik der Islamisten immer wieder gebraucht, um die Ideologie des Heiligen Krieges gegen die „Ungläubigen“ zu befeuern. Der Begriff bezieht sich auf die Kreuzzüge des christlichen Abendlandes zwischen dem elften und 13.Jahrhundert, die sich gegen die muslimischen Staaten im Nahen Osten richteten. Die Islamisten des IS eifern einem radikalen Ur-Islam nach, der an die kriegerische Frühzeit des Islam im Mittelalter anknüpft. Deshalb scheint ihnen der Begriff Kreuzfahrer bestens geeignet, um Erinnerungen sowohl an die einst erlittenen Demütigungen der islamischen Welt als auch an die Siege der muslimischen Truppen über die Kreuzritter-Heere der Christen wachzuhalten.

Die meist vom Papst offiziell als „gottgefällige Kriege“ verkündeten Kreuzzüge galten als Angelegenheit der gesamten abendländisch-katholischen Christenheit. Folglich setzten sich die Kreuzfahrer-Heere aus Rittern aus ganz Europa zusammen.

Märtyrerkult

Ist bei Islamisten weit verbreitet. Als Märtyrer wird seit den mittelalterlichen Anfängen des Islam unter anderem derjenige bezeichnet, der für den Glauben oder bei dessen Verteidigung auf dem Schlachtfeld sein Leben gibt. In der Ideologie des Dschihad („Heiliger Krieg“) des sogenannten Islamischen Staates (IS) gelten andere Religionen als minderwertig bzw. nicht existenzberechtigt sowie als Bedrohung für den eigenen Glauben. Anhänger anderer Religionen zu unterwerfen bzw. zu töten, gilt daher als ehrenvoller Auftrag, für den es sich lohne, das eigene Leben zu opfern. Unter Bezug auf den Koran wird den Märtyrern Belohnung im Paradies für ihr Selbstopfer versprochen.

Salafismus

Der Salafismus ist eine religiöse und politische Strömung des Islam, die von einer wachsenden Minderheit der Muslime getragen wird. Salafisten lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an. Sie vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam aus der Frühzeit der Religion, dessen zum Teil radikaler Geist auf moderne Gesellschaften zu übertragen sei. Das arabische Wort „Salaf“ steht für Ahnen, Vorfahren (as-salaf as-salih=die frommen Altvorderen). Salafisten vertreten diskriminierende Positionen gegenüber Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Scharia

Der Begriff Scharia wird heute als Bezeichnung für das islamische Recht verwendet, bedeutet ursprünglich die von Gott gesetzte Ordnung im Sinne einer Festlegung von zu befolgenden Normen. Die Scharia ist in einigen islamischen Ländern eine Quelle der Rechtsprechung (u.a. Ägypten, Syrien, Sudan, Jemen), in anderen wiederum ist sie geleichzusetzen mit der gesamten Rechtsordnung (u. a. Oman, Saudi-Arabien). Das Strafrecht innerhalb der Scharia hat zwei Hauptkategorien: die Rechtsansprüche Gottes und die Rechtsansprüche der Menschen.

Zu den Rechtsansprüchen Gottes gehört die Bestrafung solcher Vergehen, für die im Koran oder in der Sunna (Worte und Handlungen des Propheten und seiner engsten Gefährten) Strafmaße festgelegt sind: etwa Steinigung für Unzucht oder Abschneiden der Hand für Diebstahl. In Saudi-Arabien etwa wird die Todesstrafe auch durch Kreuzigung vollzogen.

Wahhabismus

Wahhabiten sind Anhänger einer im 18. Jahrhundert entstandenen sunnitischen Richtung, die für sich in Anspruch nimmt, den „reinen“ Islam zu vertreten. Gilt als besonders intolerant. Der Wahhabismus ist Staatsreligion in Saudi-Arabien. Vorbild sind die Schriften des Gelehrten Muhammad ibn Abd al-Wahhab (1703-1791), dessen Ziel es war, den Islam von vermeintlich un-islamischen Glaubenspraktiken zu reinigen. Abgelehnt wird unter anderem die Verehrung verstorbener Heiliger und die Existenz von Grabanlagen. Gesetze eines Staates und Rechtsnormen müssen sich im Wahhabismus direkt aus dem Koran oder der Sunna ableiten lassen.

Rubriklistenbild: © AFP

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