UK-Wahl

Boris Johnson: Der Showman feiert seinen größten Triumph

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Boris Johnson hat die Wahl gewonnen.

Boris Johnson ist der große Triumphator der britischen Parlamentswahl. Der Brexit-Hardliner ist ein bunter Hund wie Donald Trump.

Großbritannien hat einen neuen starken Mann. Mit dem klaren Triumph der Torys bei der Parlamentswahl hat Boris Johnson endgültig alle Zweifler zum Verstummen gebracht. Und wer vom Kontinent rüber ins Vereinigte Königreich blickt, sieht sich wahrscheinlich wieder mal in ihrer oder seiner Meinung bestätigt, dass auf der Insel dann wohl doch nur hauptsächlich Exzentriker und Showmen den Ton angeben. 

Der Parteichef der Konservativen ist in der Tat ein ganz besonderer Charakter, eine Art bunter Hund, der gerne schon mal mit Donald Trump verglichen wird. Ziemlich erstaunlich für einen Politiker der Torys, die ja sonst eher als hausbacken und langweilig gelten. Als er nach seiner Wahl zum Parteichef und Premier vor die Tür der Downing Street 10 trat, klang er fast so ein bisschen wie einer, der gerade in einen Krieg ziehen will: „Die Zweifler, die Untergangspropheten und Pessimisten werden wieder danebenliegen“, rief er aus. 

Lieber wolle er „tot im Graben“ liegen, als eine Verlängerung der Brexit-Frist am 31. Oktober zu beantragen, verkündete er kurze Zeit später. Doch so ganz klappte das nicht, erst mal musste er sich dem Willen der Mehrheit im Parlament fügen. Ein Alleinherrscher ist er eben doch nicht, auch wenn einen manchmal das Gefühl beschleicht, er wäre es gerne. Auch darin ähnelt er wohl Donald Trump.

Boris Johnson wollte als Kind „König der Welt werden“ 

Alexander Boris de Pfeffel Johnson hatte schon immer große Ziele. In New York als Sohn eines erfolgreichen Beraters für Umweltfragen geboren, wollte er schon als Kind nichts weniger als der „König der Welt“ werden - sagt zumindest Johnsons Schwester Rachel. Ganz so hoch hinaus wird sein Weg wohl nicht führen, doch Premierminister ist ja auch schon etwas. 

Und wer die Eliteschule Eton sowie die Universität Oxford besucht hat, darf sich erfahrungsgemäß die besten Chancen auf das Amt ausrechnen. Hilfreich ist vielleicht auch, dass er in Oxford Mitglied des berüchtigten Bullingdon Clubs war - eine geradezu legendäre Tischgesellschaft, die für ihr Rowdytum und ihre Trinkgelage bekannt ist. Und als Premierminister muss man ja seine Ellbogen einzusetzen wissen (und wahrscheinlich auch trinkfest sein).

Boris Johnson sorgt überall für Aufregung

Ob er sich vielleicht nur eine Flasche holen wollte, als er neulich auf der Flucht vor einem Reporter in einem begehbaren Kühlschrank verschwunden ist? Man weiß es nicht genau. Der Regierungschef hatte am 10. Dezember Wähler in Leeds in der Grafschaft Yorkshire als Milchmann überrascht. Als Johnson gerade Milch- und Saftflaschen in Kisten mit der Aufschrift „Get Brexit Done“ (Vollzieht den Brexit) auflud, wurde er von einem Reporter des Fernsehsenders ITV gefragt, ob er nicht an einem Live-Interview teilnehmen wollte. Nach einem kleinen Wortwechsel nahm Johnson Reißaus in den großen Kühlschrank. 

Aber für solche Merkwürdigkeiten ist Johnson ja allgemein bekannt. Wenn er nicht gerade im Zuge der Böhmermann-Erdogan-Affäre mit seinem Elaborat einen Satire-Wettbewerb gewinnt, unter den Augen des begeisterten Publikums baumelnd an einer Seilrutsche hängt oder einen japanischen Jungen beim Rugby niederwalzt, bläst er die schönsten Wahlversprechen in den Äther: Wähle die Torys und Deine Frau bekommt größere Brüste und Deine Chancen auf einen BMW M3 steigen."

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Boris Johnson macht sich über die EU lustig 

Von 1989 bis 1994 als Brüsseler Korrespondent für den „Telegraph“ tätig, machte sich Johnson dort häufig über die EU lustig. Die hatte er wohl schon damals nicht so besonders gern. In seiner Brüsseler Zeit trennte er sich auch von seiner ersten Ehefrau Allegra Mostyn-Owen und heiratete Marina Wheeler, mit der er vier gemeinsame Kinder hat. 2018 ging aber auch diese Ehe in die Brüche - was wohl auch ein wenig mit Carrie Symonds* zu tun hat. Die 31-jährige Kommunikationschefin der Konservativen ist nämlich die neue Frau an Johnsons Seite und bringt den 55-Jährigen offenbar mächtig auf Trab.  Dank Symonds ist Johnsons Popularität wieder gestiegen.

Boris Johnson ist ein Möchtegern-Churchill

Der ehemalige Bürgermeister von London (2008 bis 2016) unternimmt auch immer wieder Ausflüge in den Journalismus. So arbeitete er nach seinem Studium bei der altehrwürdigen „Times“, wurde aber nach nur einem Jahr wieder gefeuert - weil er Zitate gefälscht hatte. Das tat seiner Karriere aber keinen Abbruch. 1987 heuerte er beim „Daily Telegraph“ an, deren Mitherausgeber er von 1994 bis 1999 war. Anschließend wechselte er zum konservativen Wochenblatt „The Spectator“, das er bis 2005 als Herausgeber leitete. Inzwischen schreibt er immer mal wieder eine - mehr oder weniger merkwürdige - Kolumne für den „Daily Telegraph“.

Ob er aber als Journalist was taugt? Sein Buch über Winston Churchill gilt ja allgemein als schöner Reinfall. Der bekannte britische Historiker Richard J. Evans („Das Dritte Reich“, 2004 bis 2009) schrieb jedenfalls einen hübschen Verriss, den jeder Johnson-Fan ab und an mal durchlesen sollte. 

Aber was lehrt uns „Der Churchill-Faktor“? Dass Johnson ein Möchtegern-Churchill ist. Und dass er schon immer unbedingt in die Downing Street wollte. Das hat er in diesem Jahr geschafft. Und nach seinem Triumph bei der Parlamentswahl steht er endgültig wie eine Eins da. 

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Brexit: Großbritannien verkauft einen Teil seiner Seele

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