120 geladene Gäste

Mit Bouffier auf die Pirsch: Linke kritisieren Gesellschaftsjagd scharf

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Gesellschaftsjagd mit dem Ministerpräsidenten: Am 4. November organisiert das Umweltministerium eine Jagd mit Volker Bouffier. Unser Archivbild zeigt einen Hirsch bei Arnsberg (Nordrhein-Westfalen).

Wiesbaden. 120 Gäste sind zur Gesellschaftsjagd mit dem Ministerpräsidenten eingeladen. Die Linken kritisieren die Veranstaltung scharf.

Als feudale Veranstaltung, bei der Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zum Töten von Tieren auffordert - so kritisiert die Fraktion der Linken im hessischen Landtag die Gesellschaftsjagd, die am 4. November im Kreis Groß-Gerau stattfindet. Organisiert wird die Jagd mit rund 120 Vertretern aus Politik, Naturschutz und Jagdverbänden vom Umweltministerium um Priska Hinz.

Die grüne Ministerin in Hessen sieht in der Veranstaltung keine Probleme, bezeichnet die Jagd als hessische Tradition. Sie finde seit vielen Jahrzehnten statt und die verschiedenen Gruppen träten dadurch in Kontakt, würden über wichtige Themen sprechen, sagte Hinz vergangene Woche im Landtag.

Im Nachbarland Niedersachsen hat sich die Regierung von solchen Jagden vor zwei Jahren verabschiedet - genauer gesagt, der grüne Agrarminister Christian Meyer. Der ließ damals verlauten, diese auf „hochherrschaftlichen Riten aus der Kaiserzeit“ beruhende Jagd des jeweiligen Landesherrn im Saupark Springe passe nicht mehr in die Zeit. Die Jäger könnten auch anders gewürdigt werden.

Rund 22.000 Euro lässt sich das Ministerium die Gesellschaftsjagd kosten. 16.000 Euro fielen für Personal und Vorbereitung an. Ein Großteil der Kosten, so sagte die Ministerin in der vergangenen Woche im Landtag, werde durch die Einnahmen der erlegten Tiere gedeckt - leise Zweifel daran sind zumindest angebracht, wie Kenner der Jagdszene sagen.

Weitere Kosten entstünden nicht, da Hessen-Forst die Organisation übernehme: „Während der Jagd erfolgt die Verpflegung der Gäste durch Hessen-Forst mit Blechkuchen und Kaffee“ heißt es vom Umweltministerium auf Anfrage. Diese Kosten beliefen sich auf weniger als 50 Euro.

Auch Nabu eingeladen

Abends werden die Gäste durch die Staatskanzlei eingeladen ins Schlosshotel Kronenberg eingeladen. Diese Kosten beliefen sich auf 6000 Euro - diese Summe wurde bei der letzten Gesellschaftsjagd 2012 ausgegeben. Dort würden aber auch Spenden für einen guten Zweck gesammelt.

Als unzeitgemäß, teuer und hochherrschaftlich bezeichnet Hermann Schaus, parlamentarischer Geschäftsführer der Linken, die Jagd. Die Fraktion der Linken stellt sich die Frage, ob solche Gesellschaftsjagden überhaupt noch sein müssten. Auch andere melden leise Zweifel an. „Der hessische Ministerpräsident muss beurteilen, ob die Gesellschaftsjagd noch zeitgemäß ist“, sagt Mark Harthun, Naturschutzreferent beim Nabu Hessen. Vertreter von ihnen seien auch zur Gesellschaftsjagd eingeladen, blieben dieser aber fern. Zum Gespräch am Abend mit Bouffier würden sie aber erscheinen.

Trotz mehrfacher Anfrage teilte das Umweltministerium nicht mit, wie die Jagd genau abläuft: Zum Beispiel, was die Personen ohne Jagdschein bei der Jagd machen, und wie geübt die Schützen sein müssen.

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