Chance auf Großauftrag

Bundeswehr prüft Anschaffung weiterer Boxer-Panzer von KMW und Rheinmetall

Bereits im Einsatz: 234 Boxer-Transportpanzer hat die Bundeswehr, und es könnten mehr werden. Von einem neuen Auftrag würden die Konzerne Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall mit Werken in Kassel profitieren. Das Foto entstand in Afghanistan. Foto: dpa

Kassel / Berlin. Die Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall haben Chancen auf einen Großauftrag: Das Bundesverteidigungsministerium prüft die Anschaffung weiterer Radpanzer vom Typ Boxer. Das Fahrzeug, das KMW und Rheinmetall in ihrer gemeinsamen Tochterfirma Artec bauen, ist kein Kampfpanzer, sondern wird vor allem zum Truppentransport oder als Sanitätsfahrzeug genutzt.

Die Bundeswehr solle zusätzliche 131 Boxer-Fahrzeuge bekommen, schreibt die Tageszeitung „Die Welt“ unter Berufung auf Branchenpreise. Das Verteidigungsministerium bestätigt diese Zahlen nicht. Die Fähigkeiten und Ressourcen der Bundeswehr würden laufend überprüft, sagte ein Sprecher auf Anfrage. „Ein Ergebnis könnte sein, dass man mit den Stückzahlen für den Boxer nach oben gehen muss.“ Entschieden sei jedoch noch nichts. KMW in München kommentiert die Berichte nicht. Ein Rheinmetall-Sprecher erklärt in Düsseldorf, es gebe derzeit weder Anfragen noch Verhandlungen. An der Boxer-Tochter Artec hält KMW 72 Prozent, Rheinmetall 28 Prozent.

Die bisherigen Fahrzeuge für die Bundeswehr wurden bei KMW nicht im Kasseler Werk mit seinen 1500 Beschäftigten, sondern in München montiert. Der Rheinmetall-Anteil kommt hingegen aus Nordhessen. Der Standort mit 880 Mitarbeitern würde auch von dem neuen Auftrag profitieren. „Unser Zentrum für Radfahrzeuge ist Kassel“, sagt ein Unternehmenssprecher. Derzeit plant die Bundeswehr mit 272 Boxer-Fahrzeugen, von denen 234 bereits angeschafft sind.

Der neue Großeinkauf schlüge mit etwa 620 Millionen Euro zu Buche – Geld, das erst im Etat eingestellt werden muss. Falls es zu einer Bestellung käme „würde 2015 über Geld geredet und 2016 über einen Vertrag“, heißt es bei Rheinmetall. Für 2015 plant der Bund einen Wehretat von 32,3 Milliarden Euro. Doch erst vor kurzem wurde bekannt, dass das Material der Bundeswehr teilweise marode ist. Interne Planer warnten, dass Teile der Bundeswehrreform nicht umgesetzt werden können, wenn der Etat nicht aufgestockt werde. Allein für den Erhalt des Materials müssten jährlich 200 Millionen Euro mehr fließen.

Bei den Rüstungsschmieden brächte der neue Boxer-Auftrag Glanz in die Bilanz: Rheinmetall schrieb im ersten Halbjahr in der Rüstungssparte vor Zinsen und Steuern einen Verlust von 54 Millionen Euro. KMW sagen Branchenkenner einen Gewinneinbruch 2013 nach. Der Konzern hat laut „Welt“ einen Auftragsbestand von 4,3 Mrd. Euro, zu dem auch ein Leopard-2-Auftrag aus Katar beiträgt.

Von Barbara Will

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