Brandstifter bei der Feuerwehr sind selten - es werden aber mehr

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Lüneburg/Mannheim. Sie sind selten und sorgen für Schlagzeilen: Feuerwehrmänner als Brandstifter. Doch ihre Zahl nimmt zu, sagt ein Experte. Hintergrund sei die Suche nach Anerkennung.

Die Zahl von Brandstiftungen durch Feuerwehrleute ist nach Ansicht eines Fachmannes in den vergangenen Jahren gestiegen. Generell seien Feuerteufel unter den Brandbekämpfern wie der im Landkreis Harburg unter dringendem Tatverdacht festgenommene 17-Jährige aber die Ausnahme, sagte der Kriminologe, Brandschützer und Fachautor Frank D. Stolt aus Mannheim.

"Die Zahl von Brandstiftungen durch Feuerwehrleute liegt zwar im Promillebereich, hat aber in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen", erklärte er am Mittwoch. "Mittlerweile gibt es jährlich bis zu 50 Personen, die vor allem als Mitglied der freiwilligen Feuerwehren Brände legen – bei rund 1,3 Millionen Mitgliedern der freiwilligen Wehren in ganz Deutschland."Brandstiftungen durch Mitglieder der Berufsfeuerwehr seien dagegen extrem selten.

Zündlern aus den Reihen der freiwilligen Feuerwehr ginge es vor allem um die Anerkennung in der Gruppe und der Gesellschaft. "Das Hauptmotiv ist anders als bei vielen anderen Brandstiftern die Sehnsucht nach Aufmerksamkeit, der Wunsch ein Held zu sein", sagte Stolt, Autor des Buches "Brandstiftung durch Feuerwehrleute". Dann könnten sie sich beim Löschen beweisen, erklärte Stolt, der seit über 40 Jahren Mitglied der freiwilligen Feuerwehr ist. "Wenn sie wegen der seltener gewordenen Brände nicht zum Zuge kommen, dann schaffen sie sich ihren Einsatz eben selbst." Oft seien die Täter Verlierertypen oder graue Mäuse, die eher angepasst wirkten und vor den Taten nicht aufgefallen sind.

Nur 0,3 Promille aller Brandstifter seien Feuerwehrmänner, schätzt der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) in Berlin. "Über die meisten dieser Vorfälle berichten die Medien regional und überregional ausführlich", heißt es beim DFV in einem Papier für die Öffentlichkeitsarbeit. "Dadurch haben diese Vorkommnisse in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit einen höheren Stellenwert, als ihnen aufgrund der relativen Zahlen zukäme." (dpa)

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