Angriff im Wahlhampf

Brasilien:  Präsidentschaftskandidat Bolsonaro überlebt Messerangriff nach Notoperation

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Der brasilianische Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro

Ein Mordanschlag erschüttert den Wahlkampf in Brasilien. Nur knapp hat Favorit Bolsonaro einen Messerangriff überlebt. Dabei gab es zunächst Entwarnung. 

Der rechte Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro hat ein Messerattentat im brasilianischen Wahlkampf schwer verletzt überlebt. Der 63-Jährige musste sich noch am Donnerstag einer Notoperation unterziehen, war nach Angaben der Ärzte anschließend aber stabil. Der inhaftierte Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva rang derweil weiter mit der Justiz darum, auch aus dem Gefängnis heraus bei der Wahl Anfang Oktober antreten zu dürfen.

Fernsehbilder zeigten, wie Bolsonaro bei einem Wahlkampfauftritt in der Stadt Juiz de Fora im Bundesstaat Minas Gerais angegriffen wurde: Als der Ex-Offizier auf den Schultern von Anhängern durch die Menge getragen wurde, sticht ein Mann ihm in den Bauch.

Bolsonaro habe "eine Bauchwunde durch einen scharfen Gegenstand erlitten", teilte das behandelnde Krankenhaus in Juiz de Fora mit. Er habe "drei schwere Einstiche in den inneren Organen". Dadurch seien innere Blutungen ausgelöst worden.

Bolsonaro: Erst Entwarnung, dann Verletzung doch „schlimmer als wir dachten“

Der Sohn des Politikers, Flavio Bolsonaro, hatte zunächst angegeben, die Verletzung sei nur oberflächlich gewesen, seinem Vater gehe es gut. Später twitterte er: "Leider ist es schlimmer als wir dachten." Sein Vater habe Verletzungen an Leber, Lunge und Darm erlitten und "viel Blut verloren".

Ein Sprecher der Militärpolizei sagte der Nachrichtenagentur AFP, ein 40-jähriger Mann sei festgenommen worden. Er habe laut Zeugen ein in Stoff gewickeltes Messer bei sich getragen. Bei dem Verdächtigen handele es sich um einen Aktivisten einer linksgerichteten Partei.

Täter unterstützt Venezuelas Präsident Maduro

Der mutmaßliche Täter gab laut Polizei an, "auf Anweisung Gottes" gehandelt zu haben. Auf einem AFP vorliegenden Polizeivideo sagte er: "Wer mich leitet, ist der Gott, dem ich diene." Auf seiner Facebook-Seite hatte der Verdächtige kürzlich Nachrichten veröffentlicht, in denen er Bolsonaro kritisierte und die sozialistische Regierung von Venezuelas Präsident Nicolas Maduro unterstützte.

Pedro Augusto Lima Possa, der Anwalt des mutmaßlichen Angreifers, sagte im Sender TV Globo, sein Mandant habe "aus religiösen und politischen Motiven gehandelt, und auch wegen der Vorurteile, die Bolsonaro jedes Mal zeigt, wenn er von Ethnien, Religion oder Frauen spricht".

Brasiliens Präsident Michel Temer verurteilte den Angriff und wies seinen Sicherheitsminister Raul Jungmann an, die Sicherheit für Kandidaten zu verstärken und umfassend zu ermitteln. "Es ist nicht hinnehmbar, dass in einem demokratischen Staat ein normaler Wahlkampf nicht möglich ist", erklärte Temer. 

„Donald Trump Brasiliens“

Der Rechtspopulist Bolsonaro wird häufig als "Donald Trump Brasiliens" bezeichnet und fällt immer wieder mit rassistischen, frauenfeindlichen und homophoben Äußerungen auf. Eines seiner Wahlkampfversprechen ist, das Tragen von Waffen zu erlauben.

Obwohl er seit langem dem Kongress angehört, stellt sich Bolsonaro öffentlich so dar, dass er nicht als Teil der von Korruptionsskandalen umwitterten politischen Elite wahrgenommen wird.

Bolsonaro führt Umfragen an

Der Rechtspopulist liegt in einer aktuellen Umfrage für die erste Runde der Präsidentschaftswahl am 7. Oktober vorn. In der Befragung wurde allerdings nicht der inhaftierte Ex-Präsident Lula von der Arbeiterpartei berücksichtigt, der in den Umfragen der eigentliche Favorit ist.

Lula sitzt nach einer Verurteilung wegen Korruption und Geldwäsche im Gefängnis und darf nach jetzigem Stand nicht antreten. Am Donnerstag wurden zwei Einsprüche seiner Anwälte zurückgewiesen, mit denen er eine Zulassung seiner Kandidatur doch noch erreichen wollte. Der Rechtsstreit ist aber noch nicht abgeschlossen.

AFP

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