Labour rückt nach links: Rebell Corbyn ist neuer Parteichef

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Jeremy Corbyn übernimmt den Vorsitz der britischen Labour-Partei. Foto: Andy Rain

Eigentlich ist es mehr ein großer Sprung nach links als ein Ruck. Jeremy Corbyn übernimmt den Vorsitz der britischen Labour-Partei. Fans feiern ihn, aber viele in der Partei müssen erst mal durchatmen. Denn der Neue spaltet.

London (dpa) - Mit einem Sensationsergebnis haben die britische Labour-Partei und ihre Anhänger den linken Pazifisten Jeremy Corbyn zum neuen Labour-Vorsitzenden gewählt. Der 66-Jährige erhielt bereits in der ersten Runde fast 60 Prozent der mehr als 400 000 abgegebenen Stimmen.

Die "Partei und Bewegung" sei so stark und leidenschaftlich wie lange nicht, sagte Corbyn in seiner Dankesrede.

Der langjährige Londoner Unterhaus-Abgeordnete setzte sich gegen drei weitere Kandidaten im Rennen um die Nachfolge von Ed Miliband durch, der nach der verlorenen Parlamentswahl im Mai zurückgetreten war. Der zweitplatzierte Andy Bundham, der als Favorit gestartet war, erhielt nur 19 Prozent der Stimmen.

Als linker Parteirebell und Hinterbänkler, der unter anderem Verstaatlichungen und die Abschaffung der britischen Atomwaffen fordert, hatte Corbyn zunächst als völlig chancenlos gegolten. Im Laufe des Wahlkampfes hatte er aber vor allem junge Labour-Mitglieder und -unterstützer begeistert. Am Ende galt er als Favorit. Wie deutlich er gewann, überraschte aber doch.

Der neue Parteichef hat in den eigenen Reihen erbitterte Gegner. Er repräsentiert eine krasse Abkehr von der "New-Labour"-Linie unter Tony Blair. Unmittelbar nach Corbyns Wahl verließ Jamie Reed das Schattenkabinett der Partei, wo er bisher für Gesundheit zuständig war. "Ich werde Jeremy Corbyn unterstützen", sagte sein Vorgänger und Unterhaus-Wahlverlierer Ed Miliband. Er hoffe, der Rest der Partei werde dies auch tun. Eine Rolle im Schattenkabinett schloss Miliband für sich aus.

Vor allem Corbyn-Gegner hatten sich über Unregelmäßigkeiten während der Wahl beschwert. So hätten Mitglieder ihre Wahlunterlagen nicht rechtzeitig bekommen. Unter den neu registrierten Unterstützern und Mitgliedern seien extreme Linke, die die Partei unterwandern wollten. Labour-Generalsekretär Iain McNicol betonte, die Partei habe diejenigen "aussortiert", die den demokratischen Prozess "untergraben" wollten.

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