Brüderle: Will er Rösler stürzen?

+
Rainer Brüderle stahl Philipp Rösler die Show.

Berlin - Auf dem FDP-Parteitag begeisterte Rainer Brüderle mit seiner Kampfansage - und ließ Philipp Rösler blass aussehen. Nun sprach er über seine Ambitionen auf den Parteivorsitz.

Im ARD-“Morgenmagazin" sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle, er strebe keine Bewerbung als Parteivorsitzender an. “Wir sind ein Team, wir arbeiten zusammen.“ Es gehe darum, dass die FDP wieder stärker werde. Er habe nicht die Absicht, sich für “irgendetwas zu bewerben“, sagte er auf eine entsprechende Frage. Er sei Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Das sei eine “schöne Aufgabe“.

Er habe auf dem FDP-Parteitag in Karlsruhe eine “Motiviationsrede“ gehalten, sagte Brüderle, der von den Delegierten bejubelt worden war. Für die anstehenden Landtagswahlen habe es auch “emotionale Impulse“ gebraucht. Parteichef Philipp Rösler habe hingegen das Grundsatzprogramm eingeführt und Hintergründe erläutert.

Kämpferische Rede: So begeisterte Brüderle die FDP

Fraktionschef Rainer Brüderle hat die FDP auf dem Parteitag in Karlsruhe mit einem kämpferischen Auftritt wachgerüttelt. © dpa
Die Liberalen müssten bei den Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen aufstehen und dem “linken Gesäusel“ von SPD, CDU und Grünen Inhalte entgegensetzen, so der Fraktionschef.  © dpa
Die FDP kämpfe für ihre Überzeugungen und gehöre nicht zu den “Warmduschern und Vorwärtseinparkern“. © dpa
Das Erfolgsgeheimnis der Liberalen sei die Wirtschaftspolitik: “Mein Herz schlägt für den Mittelstand, für die Mitte in Deutschland“, sagte Brüderle am Sonntag unter dem Jubel der Delegierten. © dpa
Kein westliches Industrieland stehe besser da als Deutschland. Das sei das Verdienst von Union und FDP. “Wir können stolz darauf sein, dass wir regieren.“ © dpa
Dann zählte Brüderle die Erfolge der FDP in der Berliner Koalition auf und stellte immer wieder die rhetorische Frage: “Wer hat's gemacht?“ Die 660 Delegierten antworteten im Chor: “Wir haben's gemacht.“ © dpa
Heftige Kritik äußerte Brüderle an der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg. © dpa
Er sei erschüttert, dass der Amtschef von SPD-Wirtschaftsminister Nils Schmidt sich im Internet über die frühere First Lady Bettina Wulff lustig gemacht und die Liberalen als “FDPisser“ verunglimpft habe. © dpa
An die Baden-Württemberger gerichtet meinte Brüderle: “Haltet durch, der grün-rote Spuk geht zu Ende.“ © dpa
Für seine Rede erntete Brüderle begeisterten Applaus der Delegierten © dpa
Und ließ Parteichef Philipp Rösler blass aussehen. © dpa
Rösler selbst ist in Gefahr, das Amt des Parteichefs nach nur einem Jahr zu verlieren. © dpa
Als mögliche Nachfolger werden vor allem Brüderle und der NRW-Spitzenkandidat Christian Lindner genannt. © dpa

FDP-Generalsekretär Patrick Döring warnte derweil davor, in die Begeisterung für Fraktionschef Rainer Brüderle auf dem Parteitag und den vergleichsweise bescheidenen Applaus für den Parteivorsitzenden Philipp Rösler zu viel hineinzuinterpretieren. Rösler habe die Aufgabe, die “lange Linie“ aufzuzeigen, sagte Döring am Montag im Bayerischen Rundfunk. Es sei klar, dass die eher grundsätzlich angelegte Rede des Parteichefs auch eine unterschiedliche Resonanz hervorrufe.

"Verantwortung für die Freiheit" - die Positionen des neuen FDP-Grundsatzprogramms

FREIHEIT: Die FDP sieht sich als einzige Partei, die die Freiheit des Einzelnen zum Maß, Mittel und Zweck ihrer Politik macht. Die Konservativen von der Union setzten auf die Autorität von Staat, Stand oder Kirche. “Wir Liberale vertrauen dem Menschen mehr als dem Staat.“ © dpa
DIGITALE WELT/URHEBERRECHT: In der digitalen Welt wollen die Liberalen die Privatsphäre der Nutzer schützen. Die totale Verdatung eines Menschen sei unzulässig. Ebenso müsse geistiges Eigentum durch ein modernes Urheberrecht geschützt sein. © dpa
FAMILIE: Auch die FDP sieht Alleinerziehende, Patchwork-Familien oder gleichgeschlechtliche Paare als familiären Alltag. “Liberale wollen allen Menschen ermöglichen, sich für eine Familie und damit die Verantwortung für Kinder zu entscheiden.“ © dpa
ENERGIE: Die Energiewende mit dem Atomausstieg will die FDP entschlossen, aber mit Vernunft und Augenmaß vorantreiben. Strompreise für Industrie und Bürger müssten bezahlbar bleiben. Neben neuen Stromnetzen und Ökoenergie brauche Deutschland kurz- und mittelfristig auch neue, hoch effiziente Gas- und Kohlekraftwerke. © dapd
FINANZMARKT: Die FDP warnt vor zu viel Staatseinfluss in der Wirtschaft und bei der Bekämpfung der Finanzkrise. Zu große Banken, Fonds oder Konzerne könnten die soziale Marktwirtschaft bedrohen. © dpa
GLEICHSTELLUNG: Schwule und lesbische Lebensgemeinschaften sollen überall rechtlich gleichstellt sein. “Für Liberale ist es normal, verschieden zu sein. Anders zu sein, ist kein Defizit.“ © dpa
Die FDP hat auf ihrem Parteitag in Karlsruhe ein neues Grundsatzprogramm beschlossen. Es löst die Wiesbadener Grundsätze von 1997 ab. Die wichtigsten Positionen: © dpa
GESUNDHEIT: Freie Wahl des Arztes, des Krankenhauses, der Krankenversicherung und der Therapie bleiben Merkmale eines freiheitlichen Gesundheitssystems. Die Umlagefinanzierung der Sozialversicherungen sei dem demografischen Wandel nicht gewachsen. Gebraucht werde mehr Kapitaldeckung - besonders in der Pflege. © dpa
EUROPA: Die FDP bekennt sich als Europa-Partei zu einer tieferen EU-Integration. Liberale Vision bleibt ein europäischer Bundesstaat. © dpa
ZUWANDERUNG: Deutschland soll ein Leuchtturm für qualifizierte Ausländer werden, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Zuwanderer müssten sich zur Rechtsordnung bekennen und die deutsche Sprache beherrschen. Die doppelte Staatsbürgerschaft für Kinder von Ausländern mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht soll ausgeweitet werden. © dpa
WACHSTUM: Nach zehn Jahren Steuersenkungspolitik mit dem Ruf nach “mehr Netto vom Brutto“ unter Ex-Parteichef Guido Westerwelle will sich die FDP auf Wachstum und Sanierung der Staatsfinanzen (Stichwort: “Politik auf Pump beenden“) konzentrieren. Die Belastung durch direkte Steuern soll nie mehr als 50 Prozent betragen. Das sollte im Grundgesetz verankert werden. © dpa
BÜRGERGELD: Die Liberalen bekennen sich zur Sicherung eines Existenzminimums. Mit einem liberalen Bürgergeld sollen die unzähligen Sozialleistungen in einem System zusammengefasst werden. © dpa

Brüderle hingegen sei jemand, der “an die liberale Seele appelliert“ und habe deutlich gemacht, dass die FDP stolz sein könne auf ihre Verdienste im Bund. Weil die öffentliche Wahrnehmung diesen Stolz nicht vermittle, tue es gut, dies dokumentiert zu bekommen.

Döring war auf dem Karlsruher Parteitag am Wochenende mit nur 72 Prozent zum Generalsekretär gewählt worden. Es könne in schwieriger Zeit nicht überraschen, dass der Generalsekretär auch zum Blitzableiter werde. Das Ergebnis belaste ihn nicht, machte Döring klar.

dapd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.