EU will Insektensterben zentral erforschen - Berufsimker: Nichts als Ablenkungsmanöver

Brüssel schlägt Bienen-Alarm

Massenhaftes Bienensterben - nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Im Bild ein Imker mit einer Wabe voller Bienen in einem Sonnenblumenfeld. Foto: dpa

brüssel / Berlin. Ein Honigbrot zum Frühstück? Braucht vielleicht nicht jeder. Honigbienen aber, die den Rohstoff für den Brotaufstrich sammeln, sind unverzichtbar. 80 Prozent der 2000 bis 3000 heimischen Nutz- und Wildpflanzen hängen von ihrer Bestäubung ab. Und damit auch große Teile der Ernte.

Seit Jahren wird weltweit über dramatische Bienensterben gerätselt. Nun schlägt auch die EU Alarm: „Der Gesundheitszustand der europäischen Bienen ist sehr, sehr besorgniserregend“, warnte Ungarns Agrarminister Sandor Fazekas bei einem Treffen mit Amtskollegen in Brüssel. „Es ist ernst“, meint EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli. Schließlich geht es auch um Lebensmittelsicherheit und um Milliardenerträge der Bauern: Hinter Rind und Schwein gelten Bienen als wichtigste Nutztiere.

Ein zentrales EU-Bienenlabor in Frankreich soll die bedrohliche Entwicklung nach einheitlichen Standards aufklären helfen. Zugleich fordert die Kommission neue Medikamente für Bienen und bessere Schulungen für Imker.

Gefahr: Monokulturen

Klimawandel? Krankheiten? Pflanzenschutzgifte? Alles zusammen? Theorien über Gründe des Bienensiechtums gibt es viele. Für Manfred Hederer (63), Präsident der Berufs- und Erwerbsimker (DBIB), ist der EU-Alarm aber „nur ein Ablenkungsmanöver“. Dem Imker vom Ammersee ist klar, was die Honigsammler am meisten bedrängt: Monokulturen in der Landwirtschaft, ganze Landstriche, in denen nur Mais wächst und laut Hederer sonst „einfach nichts mehr blüht“. Und dazu der Einsatz von Pflanzenschutzgiften, so der Imker-Präsident zur HNA.

Berufsimker, die Naturschutzorganisationen Nabu und BUND haben parallel zum EU-Alarm mit dem „Deutschen Bienenmonitoring“ abgerechnet. Das Forschungsprojekt war schon 2004 unter Förderung des Bundes angelaufen. Ziel auch damals: Suche nach Gründen des Bienensterbens. Ergebnis bislang: Der Befall mit dem Schädling Varroamilbe sei Hauptursache fürs Dahinsiechen der Völker.

Mit dem Rücken zur Wand

Gegengutachter von Nabu und BUND kontern: Die Studie widerspreche den Grundsätzen „guter wissenschaftlicher Untersuchungen, nämlich Unabhängigkeit, Transparenz und Korrektheit“. Ihre Hauptkritik neben handwerklichen Einwänden: Das Projekt werde zu 50 Prozent von Chemiefirmen getragen, die „genau die Pestizide herstellen, die im Verdacht stehen, die Bienen zu schädigen“. Der Fall von 2008, „bei dem der Einsatz von Beizmitteln am Oberrhein zum Massensterben von 20 000 Bienenvölkern führte, wird gar nicht erst erwähnt“.

Der Berufsimker-Präsident sieht seinen Stand mit dem Rücken zur Wand - eingequetscht zwischen Chemie- und Agroindustrie, zwischen deren kurzfristigem Gewinn und eigenem langfristigen Verlust. Bienen brauchen alle - und was brauchen Bienen? „Wiesen, Klee, Luzerne - alles was auch früher geblüht hat im normalen Futterkreislauf der Bauern.“ Das Bienenmonitoring kann man sich sparen, sagt Hederer. Er will eine Anhörung im Bundestag,

Von Wolfgang Riek

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