Ablehnung knapp verfehlt

Bürgervotum in Südhessen: Windkraft im Gegenwind

Südhessen ist bei Bürgervoten vorn - Der jüngste Anlauf gegen Räder in Eltville scheitert an der 25-%-Hürde

Eltville. In einem Bürgerentscheid der südhessischen 17.000-Einwohner-Stadt Eltville hat sich zwar eine 54-Prozent-Mehrheit gegen den Bau von sechs Windkraftanlagen ausgesprochen. Die zum Erfolg nötige Ablehnung von 25 Prozent aller Wahlberechtigten wurde knapp verfehlt - damit landet das umstrittene Thema Windenergie wieder in der Stadtverordnetenversammlung. Ende offen, heißt es auf Anfrage.

Im nahen Oestrich-Winkel sehen Windkraft-Gegner etwas klarer: „Drei Jahre kein Verkauf von kommunalen Grundstücken für Windräder“, sagte CDU-Bürgermeister Michael Heil. Solange sei man ans Bürgervotum vom Dezember 2014 gebunden. In Oestrich-Winkel hatten Windkraftgegner den Bau von zwölf Anlagen auf dem Taunuskamm gestoppt. Es war das erste Mal, dass eine Kommune von der Landesregierung geplante Windräder kippte.

Während in Nordhessen der Wind für die Nutzung der Räder besonders gut bläst, wird Widerstand von Kritikern vor allem in Mittel- und Südhessen bis zu Bürgerentscheiden vorangetrieben.

In unserer Region verfehlte das Begehren von Windkraftgegnern in Bad Arolsen, Planungen für 15 Windenergieanlagen im Stadtwald des Stadtteils Mengeringhausen zu stoppen, bei einem Bürgerentscheid im November 2010 die erforderliche Mehrheit - ebenfalls, weil das 25-Prozent-Quorum nicht erreicht wurde.

Joachim Wierlemann, Landesvorstand des hessischen Windenergie-Verbands, hat das Arolser Ergebnis als „pro Windkraft“ verbucht. Ebenfalls gab es Bürgerentscheide in Hünfelden zwischen Limburg und Wiesbaden und im nahen Heidenrod. Dort hatte sich eine große Mehrheit von 88 Prozent für die Windenergie ausgesprochen: Der mit zwölf Rädern größte Anlagenpark Südhessens ging laut hr-online just an diesem Wochenende in Betrieb.

Den Streit im Vorfeld des jüngsten Bürgerentscheids von Eltville hatten vor allem Bedenken genährt, dass die weithin sichtbaren Landmarken der Energiewende sich überhaupt nicht mit Schlössern und anderen historischen Gebäuden der Kulturlandschaft Rheingau vertragen. In Eltville fürchten Kritiker die hochgebauten Räder in unmittelbarer Nähe von Kloster Eberbach, in dem Hessens Staatsweingut untergebracht ist.

Mehrheit gegen Windkraft, trotzdem bleiben die Neinstimmen ohne juristische Bedeutung weil die 25-Prozent -Hürde nicht erreicht wurde: Dieses Ergebnis lässt sich beliebig ausschlachten: Die Grünen im hessischen Landtag deuten den gescheiterten Eltviller Bürgerentscheid zur Windkraft als „Bestätigung für die Energiewende“. Die Landtags-FDP wiederum interpretiert das Votum als „deutlichen Denkzettel für die schwarz-grüne Koalition und ihre zügellosen Windkraftausbaupläne“.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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