Verständnisprobleme zwischen Versicherern und Kunden

Ärger wegen Vertrags-Klauseln: Viele verstehen den Inhalt nicht richtig

Viele Menschen fühlen sich gut versichert – bis ein Schadensfall eintritt und die Versicherung nicht zahlt. Wir sprachen mit Martin Oetzmann vom Bund der Versicherten über Verständnisprobleme zwischen Versicherern und Kunden. 

Was sind Ursachen für Differenzen?

Martin Oetzmann: Nicht alle lesen und verstehen den Vertrag vor Abschluss komplett und sind dann überrascht, wenn gewisse Leistungen nicht inbegriffen sind. Mitunter sind Verträge auch verklausuliert und nicht so transparent dargestellt, wie es hilfreich wäre. Zum anderen funktioniert die Kommunikation zwischen beiden Seiten häufig nicht.

Was meinen Sie damit? 

Oetzmann: Wir raten dazu, der Versicherung mitzuteilen, wenn sich etwas ändert. Wenn ich länger als sechs Wochen im Urlaub bin, sollte ich die Versicherung informieren, da die Gefahr eines Einbruchs in dieser Zeit erhöht ist. Wenn ich in einer Wohnung lebe, an deren Hausfassade wochenlang ein Baugerüst steht, steigt dieses Risiko auch.

Welche Feinheiten gilt es bei einem Abschluss zu beachten? 

Oetzmann: Probleme gibt es meist bei der Hausratversicherung. Bei der Höhe der Summe, mit der ich meinen Hausrat versichere, schlagen viele Versicherungen eine Pauschale vor: Quadratmeter mal eine gewisse Summe. Dies ist für mich sehr komfortabel. Wir raten jedoch dazu, eine Aufstellung der Vermögenswerte zu machen – so bin ich weder überversichert und zahle einen zu hohen Beitrag noch unterversichert und erhalte im Schadensfall nicht die volle Summe. Die Wohnungsgröße sagt letztlich nichts über den Wert der Sachen aus, die sich darin befinden – lediglich über die ungefähre Menge. Auflisten sollte man Dinge, an denen man hängt, wofür sich ein konkreter Wert beziffern lässt: Elektrogeräte, Möbel, alles, was etwas größer ist.

Wie bestimme ich den Wert für die aufgelisteten Dinge? 

Oetzmann: Für wertvolle Dinge habe ich Belege. Im Gegensatz zur Haftpflicht- wird bei der Hausratversicherung der Neuwert erstattet. Wir raten dazu, Quittungen, Bons und Belege, die das Vermögen steigern, aufzubewahren. Darauf steht der Wert und ich habe gleichzeitig einen Beweis, dass ich diese Dinge überhaupt besitze. Nach einem Einbruch bin ich nämlich in der Beweispflicht, dass die gestohlenen Dinge in meinem Besitz waren. Die Dokumente dazu sollten nicht im Haus aufbewahrt werden, wo sie gestohlen werden oder verbrennen können, sondern an einem externen, sicheren Ort.

Was ist noch zu beachten? 

Oetzmann: Es gibt Verträge mit dem Einwand der groben Fahrlässigkeit. Der greift zum Beispiel, wenn die Waschmaschine in meiner Abwesenheit läuft und Wasser austritt. Versicherte sollten ihn, notfalls gegen eine Beitragserhöhung, herausnehmen lassen oder die Versicherung wechseln. Bei Berufsunfähigkeitsversicherungen gibt es die „abstrakte Verweisung“. Mit dieser kann Leistung verweigert und darauf verwiesen werden, dass ich einen, meinem nicht mehr ausübbaren Beruf ähnlichen Job annehmen kann. Bei der Auslegung der für eine Berufsunfähigkeit nötigen 50 Prozent gibt es Streitpunkte: Geht es nach Arbeitszeit oder bezieht man sich auf Kerntätigkeiten, die ich nicht mehr ausüben kann, die aber essentiell für meinen Beruf sind – auch wenn sie wenig Arbeitszeit ausmachen.

Auf welche Versicherungen kann man verzichten? 

Oetzmann: Es gibt private Pflegezusatzversicherungen, die Leistungen wie Versorgung mit Essen oder Fahrdienste zu Ärzten enthalten. Diese werden jedoch in den meisten Fällen nur vom Versicherer organisiert und nicht, wie vom Versicherten irrtümlich angenommen, finanziert. Auch von der Sterbegeldversicherung raten wir vor allem Senioren stark ab. Diese haben häufig eine Sperrfrist von circa drei Jahren. Stirbt der Versicherte zwei Jahre nach Abschluss, wird nichts ausgezahlt.

Von Gudrun Skupio

Rubriklistenbild: © dpa

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