Bundeskriminalamt öffnete Türen für jedermann

Wiesbaden. Oft fließen die Informationen aus dem BKA nur spärlich - doch am Wochenende öffnete die eher verschlossene Behörde für jedermann ihre Türen. „Wir müssen auf die Menschen zugehen, ihnen mehr erklären“, betont BKA-Präsident Ziercke angesichts des NSA-Abhörskandals.

Auf den ersten Blick ist es eine ganz normale abgegriffene alte Handbürste, hellbraun mit weißen Borsten. Einen Handgriff später klappt der Holzkörper auf - und eine kleine silberne Kamera kommt darin zum Vorschein. Das Beweisstück aus einem alten Kriminalfall liegt beim Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden - normalerweise hinter verschlossenen Türen. Am Samstag hatte die Behörde jedoch zum dritten Mal jedermann eingeladen, einen Blick auf die Arbeit der mehr als 5000 Mitarbeiter zu werfen.

Ihre Aufgabe ist klar: Bekämpfung von Verbrechen, international und national. Die Methoden dafür sind vielfältig: Sie reichen von der Analyse chemischer Substanzen im Drogenhandel über die pixelgenaue Auswertung angeblicher Beweisfotos hin zum Schießwaffentraining und zu Hinweisen für sicheres Online-Banking. An gut 80 Infoständen konnten sich die erwarteten 10 000 Besucher am Tag der offenen Tür einen Einblick verschaffen.

Wie wichtig der Kontakt zu den Bürgern ist, betont BKA-Präsident Jörg Ziercke: „Wir müssen auf die Menschen zugehen, ihnen mehr erklären.“ NSA-Abhörskandal und Datenspeicherung ließen die Menschen skeptisch werden gegen jede Behörde, die im Verborgenen arbeitet. Dem könne man nur mit Offenheit begegnen.

In der Forensik sind zu der Kamera-Bürste noch ein Rasierpinsel und eine Getränkedose gekommen - auch das originale Beweisstücke, mit denen Daten übermittelt wurden. „Mittlerweile ist natürlich alles digital, wie werten vor allem Daten von Handys und Computern aus“, erklärt der Experte René Hofmann. Die Abteilung bekämpft so vor allem Kinderpornografie im Netz. Schwierig sei es, mit den immer raffinierteren Verschlüsselungsmethoden Schritt zu halten.

Die Erfahrung macht man auch anderswo im BKA. Thomas Schäfer hält ein Gestell mit vielen Röhrchen in die Höhe, darin Flüssigkeiten in allen Regenbogenfarben. „Aufgelöste Ecstasy-Tabletten“, erklärt der chemische Analytiker. Die verschiedenen Stoffe in Drogen herauszufiltern und womöglich ihre Herkunft zu erkennen ist seine Aufgabe. 2000 bis 3000 solcher Funde bekommt die Abteilung vom Zoll jährlich auf den Tisch. Immer wieder gibt es Überraschungen: „Die synthetischen Drogen, die zum Beispiel in China gekocht werden, sind auch für uns neu“, sagt ein Mitarbeiter.

Die Besucher durften nicht nur den Chemikern über die Schultern schauen. An einem präparierten Geldautomat konnten sie Tipps für das richtige Verhalten beim Geldabheben bekommen, ihre eigenen Fingerabdrücke nehmen und sich zu Datensicherheit im Netz informieren. (lhe)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.