Bundestagswahl 2017

Mit 18 in den Bundestag? Die jüngsten Kandidaten in Hessen

Hessen. Sie sind alt, die Bundestagsabgeordneten – gemessen daran, dass sie ja eigentlich die ganze deutsche Bevölkerung repräsentieren sollten, nicht nur die Generation 50 Plus. Daher stellen wir die jungen Kandidaten in Hessen vor.

Sie sind alt, die Bundestagsabgeordneten – gemessen daran, dass sie ja eigentlich die ganze deutsche Bevölkerung repräsentieren sollten, nicht nur die Generation 50 Plus. 54 Jahre: So lautet das Durchschnittsalter der Volksvertreter, die bis zur Wahl am 24. September in Berlin tagen. Der älteste Abgeordnete, Heinz Riesenhuber (CDU), ist 81 Jahre alt.

Doch tatsächlich gibt es auch noch junge Kandidaten, die im Herbst in den Bundestag ziehen und dort mitbestimmen wollen. Wofür stehen die Nachwuchspolitiker, die an die Stelle von Merkel, Gabriel und Co. treten wollen, wenn die ihr Zepter irgendwann abgelegt haben? Was sind ihre Ziele für die nächste Legislaturperiode? Wofür brennen sie?

Wir haben die jüngsten Kandidaten der Landeslisten der Linken, Grünen, SPD, FDP, CDU und AfD gefragt und mit den Inhalten anderer Parteien konfrontiert. CDU geht gegen die Linke, SPD gegen FDP und AfD gegen die Grünen: Was halten sie von der Reichensteuer, der Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen und der Frauenquote in Unternehmensvorständen?

Die jüngsten Kandidaten aus Niedersachsen finden Sie hier

Anders als einige Direktkandidaten, hoffen die jungen Politiker, einen der 299 Plätze im Bundestag zu ergattern, die über die sogenannten Landeslisten vergeben werden. Mit der Erststimme wird ein Direktkandidat gewählt, mit der Zweitstimme eine Partei. Deshalb ist sie trotz ihres Namens wichtiger als die Erststimme: Denn sie entscheidet über die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag. Bekommt eine Partei 35 Prozent der Stimmen, erhält sie mindestens 35 Prozent der Sitze.

Welcher der Abgeordneten schließlich ins Parlament einzieht, hängt von der Platzierung auf der Landesliste ab. Je höher der Platz, desto größer die Chance, in den Bundestag zu kommen.

Im Land Hessen stehen bei der Linken 14 Kandidaten auf der Landesliste, 24 bei den Grünen, die SPD schickt 49 Kandidaten ins Rennen, die FDP 22, die CDU 44 und die AfD 19.

Neele Schauer (CDU)

Neele Schauer

Neele Schauer will mit 18 Jahren für die CDU in den Bundestag. Die Jura-Studentin aus Offenbach steht in Hessen auf der Landesliste auf Platz 33.

Mein persönliches Thema im Bundestag ist die Interessen der jungen Generation, insbesondere junger Frauen zu vertreten. Die Politik gestaltet unsere Zukunft und diese ist gerade für die Jugend von Bedeutung.

Von der Reichensteuer halte ich rein begrifflich nicht viel. Wir stehen als CDU für eine gerechte Besteuerung, in unserem Land muss sich Leistung lohnen. Nichtsdestotrotz können die Menschen, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind, mit unserer Solidarität rechnen.

Wenn ich nicht gewählt werde, studiere ich weiterhin Jura und engagiere mich mit viel Elan für unsere politische Zukunft.

David Wade (SPD)

David Wade

David Wade (24) stammt aus Grävenwiesbach im Hochtaunus-Kreis. Im gleichnamigen Wahlkreis tritt er auch für die SPD an. Wade, der Jura an der Uni in Gießen studiert, steht auf dem Listenplatz 37.

Mein persönliches Thema im Bundestag ist die Einführung eines Rentensystems, das für alle Generationen gerecht ist. Wir müssen damit aufhören, Alt und Jung in dieser Debatte gegeneinander auszuspielen.

Dass hohe Steuern für Unternehmen den Standort Deutschland gefährden sollen, halte ich für nicht plausibel. Wir müssen aber dringend Initiativen ergreifen, um Steuervermeidung zu bekämpfen. Das sind wir den ehrlichen Unternehmen und Bürgern schuldig. Dafür braucht es den politischen Willen und Bündnisse in Europa.

Wenn ich nicht gewählt werde, mache ich weiter Politik für meine Überzeugungen.

Moritz Müller (Die Grünen)

Moritz Müller

Moritz Alexander Müller (25) kommt aus Bensheim-Auerbach in Südhessen. Er tritt als Direktkandidat der Grünen im Kreis Bergstraße für die Bundestagswahl im September an. Er steht auf Listenplatz 10.

Mein persönliches Thema im Bundestag ist der Umweltschutz. Die Klimakatastrophe ist eine der Hauptursachen für Krieg und Flucht, weshalb es wichtig ist, die Klimaziele einzuhalten.

Mehr Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen finde ich 

nicht zielführend. Massenüberwachung sorgt nicht für mehr Sicherheit. Es ist wichtiger, Verdächtige gezielt zu überwachen, statt Bürgerinnen und Bürger unter Generalverdacht zu stellen.

Wenn ich nicht gewählt werde, will ich den generationellen Wandel in der Partei vorantreiben, um den jungen Menschen mehr Gehör zu geben.

Julian Eder (Die Linke)

Julian Eder

Julian Simon Eder (19) will ab Herbst in Marburg Politikwissenschaften studieren. Eder will für die Linke in den Bundestag einziehen. Er kandidiert im Wahlkreis Wetterau I auf Listenplatz 12

Mein persönliches Thema im Bundestag ist Friedenspolitik. Die Regierung will zwei Prozent des BIP´s in die Rüstung investieren. Hinzu kommen deutsche Panzer an russischen Grenzen – geradezu geschichtsvergessen. Der Westen betreibt Politik wie im Kalten Krieg. Das braucht eine Gegenstimme.

Wenn ich „Schwarze Null“ höre, denke ich an Zwangssparkurse und die Austeritätspolitik der Bundesregierung, die sie auch auf EU-Ebene umgesetzt hat.

Wenn ich nicht gewählt werde, werde ich mich weiterhin engagieren. Mein Kampf für Frieden und Gerechtigkeit hört nicht auf.

Lucas Schwalbach (FDP)

Lucas Schwalbach

Lucas Schwalbach (25) tritt als FDP-Kandidat für den Wahlkreis Wiesbaden an. Der Jurastudent steht in Hessen auf Listenplatz 10.

Mein persönliches Thema im Bundestag ist Bildung und die Digitalisierung von Unterricht. Wir lernen meist mit Medien, die nicht mehr ins 21. Jahrhundert passen. Um uns auf künftige Berufsfelder vorzubereiten, müssen wir das entsprechende Handwerkszeug haben.

Einen höheren Sozialetat, damit sich in Deutschland die Schere zwischen Arm und Reich schließt, halte ich nicht immer für ausschlaggebend, um die Schere zu verringern. Vielmehr muss die Erwerbsbiografie verbessert werden.

Wenn ich nicht gewählt werde, werde ich mein Studium abschließen und weiterhin für die Freien Demokraten und den Liberalismus in Deutschland streiten.

Julian Schmidt (AfD)

Julian Schmidt

Julian Schmidt (27) macht im Herbst den Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen-Energietechnik. Seine Partei ist die AfD. Schmidt steht auf Platz 9 der Liste und tritt im Wahlkreis Marburg zur Bundestagswahl an.

Mein persönliches Thema im Bundestag ist die Verteidigungspolitik. Ich war selbst Zeitsoldat und als solcher im Afghanistan-Einsatz. Die Probleme der Bundeswehr und Sorgen der Soldaten habe ich miterlebt. Sie brauchen eine starke Stimme im Bundestag.

Die Frauenquote in Unternehmen ist für mich nicht nötig. Kompetente Frauen brauchen keine Quote. Es muss immer die Qualifikation, nicht das Geschlecht im Vordergrund stehen.

Wenn ich nicht gewählt werde, werde ich daran arbeiten, die AfD voranzubringen. Deutschland braucht eine AfD, die den Finger in die Wunden der Politik legt.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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