Lieber konsequent als regierungsfähig

Bundestagswahl: Klaus Bremer ist der Direktkandidat für die MLPD

Klaus Bremer
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Am Karl-Marx-Platz im Vorderen Westen: Klaus Bremer, Direktkandidat der MLPD, sagt: „Marx’ wissenschaftliche Werke sind immer noch aktuell.“

Am 26. September ist Bundestagswahl. In einer Serie stellen wir die Kandidaten im Wahlkreis Kassel vor, zu dem auch Teile des Landkreises gehören. Hier: Klaus Bremer (MLPD).

Kassel – „Ich will mich nicht in Rage reden. Aber es ist doch so offensichtlich“, sagt Klaus Bremer nach wenigen Minuten im Gespräch über die Folgen des Kapitalismus. Für Bremer ist er der Ursprung fast allen Übels: soziale Ungleichheit, die Klimakrise, der Einfluss der Konzerne auf die Politik. „Kapitalismus ist ein System, das weltweit zu Kriegen führt.“ Bremer (69) ist Direktkandidat für die Bundestagswahl der MLPD, der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands.

Er sieht sich mit seinen radikalen Forderungen nicht allein: „Die Kapitalismuskritik hat zugenommen. Selbst ‚Fridays for Future‘ fordert einen Systemwechsel. Sie laufen aber Gefahr, von den Grünen instrumentalisiert und vereinnahmt zu werden“, sagt er. Viele Parteien hätten ihre Haltung verloren: Die CDU nach rechts, die SPD gegenüber den Arbeitern, und die Grünen seien nun bürgerlich. „Wenn ich Frau Wagenknecht von der Linken über Flüchtlinge sprechen höre“, dann bricht er kopfschüttelnd ab. „Die Linke hat ihre Unschuld auch längst verkauft“, sagt er dann. Würde er in den Bundestag einziehen, sei seine Linie klar: lieber konsequent als regierungsfähig. Doch das ist unwahrscheinlich, bei der Bundestagswahl 2017 holte die MLPD 29 785 Zweitstimmen in Deutschland – 0,1 Prozent.

Politisiert sei Bremer „in den Nachwehen der 68er-Bewegung. Da ging es gegen die US-Atomwaffen auf deutschem Boden. Ich war bei den großen Demos der Anti-Kriegs-Bewegung dabei.“ Damals habe er große Sympathien für die chinesische Kulturrevolution unter Mao Zedong gehabt. Angesprochen auf den Unrechtsstaat DDR sagt er: „Auch die DDR war ein Versuch, eine alternative Gesellschaft zu erschaffen. Bis zum Mauerbau.“ Das Streben nach Karriere, Vetternwirtschaft und persönlichem Vorteil hätten dann die DDR aber auch die Sowjetunion in einen „bürokratischen Kapitalismus“ geführt.

Wie es in Deutschland laufe, sei nicht auszuhalten. „Wir brauchen Strafen für Manager statt Strafen für Hartz-IV-Empfänger. Aber die wichtigen Sachen werden in den Konzernetagen entschieden und dann durch Lobbyisten in die Parlamente getragen.“ Auf dem Weg in eine klassenlose, kommunistische Gesellschaft müssten Politiker, ginge es nach Bremer, ihren Wählern mehr Rechenschaft ablegen. „Das wird sicher nicht das parlamentarische System von heute sein, das mit seinem Lobbyismus eine legalisierte Bestechungskultur entwickelt hat.“ Forderungen dieser Art brachten ihn schon ins Visier des Verfassungsschutzes, der auch die MLPD beobachtet.

Bremer ist überzeugt: „Die Gesellschaft steht vor einer grundsätzlichen Entscheidung.“ Entweder „weiter so“ oder eine sozialistische Gesellschaft. Die beste Analyse sei immer noch die von Karl Marx, sein Werk „Das Kapital“ sei bis heute nicht wissenschaftlich widerlegt. „Da können alle aktuellen Ökonomen einpacken.“ Es brauche eine internationale revolutionäre Bewegung. „Sachbeschädigung und Randale bringen uns nicht weiter. Wenn Faschisten aber Feindeslisten anlegen, ist eine Reaktion unausweichlich.“

Auch wenn er wohl nicht in den Bundestag einziehen wird, weiß Bremer sich zu engagieren. Etwa in Nordsyrien, an der Seite der Kurden. Der gelernte Starkstromelektriker hat als Bauleiter ein Kinderkrankenhaus in Kobane mitgebaut, vor vier Jahren. Dann kamen islamistische IS-Milizien und massakrierten Frauen und Kinder. „Dass wir da geholfen haben, war wichtige moralische und materielle Unterstützung.“ Vor zwei Jahren sei er nochmal im Kriegsgebiet gewesen, um eine Solaranlage auf dem Dach der Klinik zu installieren.

Von Gregory Dauber

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