Ein Philosoph und Bauingenieur

Bundestagswahl: Michael Scheffler tritt für die Freien Wähler an

Michael Scheffler
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Will bei der Bundestagswahl Flagge zeigen: Dr. Michael Scheffler von den Freien Wählern.

Am 26. September ist Bundestagswahl. In einer Serie stellen wir die Kandidaten im Wahlkreis Kassel vor, zu dem auch Teile des Landkreises gehören. Hier: Michael Scheffler von den Freien Wählern.

Kassel – Michael Scheffler wählt seine Worte mit Bedacht. Ohne Hektik. In sich ruhend. Er könne aber auch anders, sagt der Mann, der für die Freien Wähler bei der Bundestagswahl antritt. Wenn er beispielsweise mit seiner Hobbytruppe auf dem Fußballplatz steht, dann werde er impulsiv: „Dann packt mich der Ehrgeiz.“

Vor dem Eingang des Gewächshauses im Bergpark Wilhelmshöhe sitzt der 60-Jährige allerdings gelassen auf einem Stein. Mit der Spitze seines Regenschirms malt er Muster in den Schotter am Boden, während er Sätze sagt wie diesen: „Die Freien Wähler wollen bei der Wahl Flagge zeigen.“ Es gebe sicherlich Parteien, die größere Chancen haben, ergänzt der gebürtige Niedersachse. Doch in Deutschland existierten zahlreiche Probleme, die ihn bewegen. Deswegen habe er sich aufstellen lassen.

Scheffler zählt auf: Klima, Bildung, Verkehr, Digitalisierung – was ihn vor allem stört: „Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander.“ Er wolle den Begriff soziale Gerechtigkeit mit Leben füllen. Diese Umschreibung sei ihm zu abstrakt, überhaupt käme aus Berlin oft wenig Greifbares. In der Politik werde viel gesprochen und versprochen, was ihm fehle, sei Einfühlungsvermögen: „Menschen wünschen sich, dass man mit ihnen ehrlich umgeht.“ Scheffler, der 1990 nach Kassel kam, spricht von Verantwortung.

Dass er sich im Bergpark treffen wollte, hat einen guten Grund. Erstens lebt er in Wilhelmshöhe, und zweitens liebt er die Natur. Jedes Wochenende drehe er seine Runden durchs Weltkulturerbe. Mit seiner Ehefrau sei er im vergangenen Jahr den Kasselsteig abgelaufen. 160 Kilometer insgesamt. Bei den Spaziergängen gehe es ihm nicht nur um Gesundheit und Fitness. „Aufenthalte in der Natur führen zu einer anderen Einstellung zu einem selbst.“

Draußen bekommt er die Möglichkeit, in sich hineinzuhorchen. Die Natur befreie ihn ein Stück weit von normalen Alltagsdingen. Er betrachte sie als Geschenk. Umso mehr bringt es ihn auf die Palme, zu sehen, „wie wir mit unserer Umwelt umgehen“. Nötig sei ein intensiver Bewusstseinswandel.

Hier redet nicht nur ein Politiker und Naturfreund, sondern auch ein Philosoph. Vor zwei Jahren machte Scheffler einen Abschluss in Philosophie – parallel zu seinem Job als Bauingenieur. Ihn reize die reichhaltige Materie, die Philosophie bewirke einen anderen Blick auf die Dinge. Bereits in seiner Kindheit hätten ihn antike Schriften der griechischen Lehrmeister fasziniert. Seine Masterarbeit trug den Titel: Die moralische Verantwortung von Bauingenieuren.

Damit verweist der promovierte Bauingenieur auf ein kleines Dilemma. Tauche er zu tief in das eine Fach ein, stoße er schnell an die Grenzen des anderen Gebietes. Ein Beispiel: Als Gutachter und Sachverständiger habe er auf viele Normen zu achten. Philosophisch betrachtet stelle sich aber die Frage, „ob wir in Deutschland nur noch Vorgaben erfüllen, und ob wir uns überhaupt frei bewegen und unseren Wünschen nachgehen können“. Nicht gerade einfacher Stoff.

Kein Wunder, dass Scheffler sorgfältig über seine Worte nachdenkt. Auch gegenüber seiner Ehefrau, wie er verrät. Der möglichen negativen Reaktion auf die Tatsache, dass er unter Umständen viel Zeit in Berlin verbringen könnte, habe er direkt die Energie genommen: „Ich habe ihr gesagt, dass es aller Voraussicht nach ohnehin nicht klappen wird.“ Aber natürlich würden sich er und seine Partei darüber freuen, wenn bei der Wahl ein Erfolg herauskäme. Da ist dann auch ein bisschen Ehrgeiz spürbar.

Von Robin Lipke

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