Wirtschaften sollte solidarisch sein

Bundestagswahl: Stephanie Schury ist Direktkandidatin für die Linke

Stephanie Schury
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Stephanie Schury auf der Drahtbrücke in Kassel. Im Hintergrund die Walter-Lübcke-Brücke und rechts das Kollektivcafé Kurbad Jungborn.

Am 26. September ist Bundestagswahl. In einer Serie stellen wir die Kandidaten im Wahlkreis Kassel, zudem auch Teile des Landkreises gehören, vor. Hier: Stephanie Schury von der Linken.

Kassel – Solidarisches Wirtschaften, Kultur, Nahverkehr, Kampf für Weltoffenheit – das sind Themen, die Stephanie Schury wichtig sind. Sie spiegeln sich auch in dem von ihr gewählten Treffpunkt wider: dem Kollektivcafé Kurbad Jungborn, das im Hintergrund mit der Walter-Lübcke-Brücke und der Fulda als Naherholungsgebiet aufwarten kann.

„Ich schätze am Kollektivcafé besonders, dass hier kollektiv und solidarisch entschieden und gewirtschaftet wird“, erklärt Schury, nachdem sie ihr Rad angeschlossen hat. Konzepte wie dieses zeigten, wie viel möglich ist, wenn man im solidarischen Gedanken wirtschafte. „Ich finde es auch schön, dass hier ein Fleck an der Fulda wieder belebt wurde.“ Für jemanden wie sie, der sich in seiner politischen Laufbahn oft auf die Themen Kultur und Jugend fokussiert habe, sei es natürlich auch schön, dass hier ein Raum für Kulturschaffende und ihre Veranstaltungen entstanden sei.

Dass von der Terrasse des Cafés jetzt der Blick auf die Walter-Lübcke- statt auf die Karl-Branner-Brücke fällt, findet Schury gut. „Das ist ein Zeichen für Weltoffenheit“, sagt sie und verweist auf Lübckes Aussage aus dem Jahr 2015, in der er sich für Flüchtlinge stark machte und die ihn letztlich das Leben gekostet haben dürfte. „Es ist sehr wichtig, das Rassismus-Problem in der Region sichtbar zu machen“, sagt Schury. Ein Problem, das es in Kassel und der Region schon lange gebe, und einer der Gründe, der sie politisiert habe.

Sie sei schon immer eher links gewesen. In ihrer alten Heimat, dem Schwalm-Eder-Kreis, habe es aber öfter Vorfälle mit Nazis und Rechten gegeben. Schon in ihrer Jugend trat Schury daher bei Solid ein, der Jugendorganisation von Die Linke. 2010 wurde sie Mitglied bei Die Linke und vier Jahre später Mitglied im Landesvorstand. 2016 wurde sie als Stadtverordnete gewählt. Sie kümmert sich seitdem besonders um die Politikfelder Jugend und Kultur. Es mache Spaß, wenn man ein Sprachrohr für andere sein und konkret etwas verändern könne. Aber auch die Bundesebene reizt sie: „Da könnte man dann noch ganz andere Fördertöpfe anzapfen.“ Ihre Jugend auf dem Land habe sie auch für ein anderes Thema ihres Wahlkampfes sensibilisiert: den Ausbau der Nahmobilität.

„Ich weiß, wie es ist, wenn der letzte Bus um 20 Uhr fährt.“ Grundsätzlich, aber gerade im ländlichen Raum gebe es im Nahverkehr – sei es per Bus, Tram oder Rad – noch heute großen Nachholbedarf. Es könne nicht sein, dass man ohne Auto von der Welt abgeschnitten sei. „Es ist wichtig, Klima- und soziale Gerechtigkeit zu vereinen.“ Deshalb sei auch das Ziel der Linken, kostenlosen ÖPNV einzuführen, so wichtig. Aber nicht nur beim Nahverkehr gebe es auf dem Land noch Luft nach oben: „Bei der Digitalisierung muss es vorangehen“. Es sei wichtig, die Infrastruktur der Dörfer zu erhalten und auszubauen. Auch um städtischen Mietdruck zu lindern. Schury schlägt den Bogen zur Wohnungspolitik: „Dass Leerstandsobjekte zur Spekulation dienen, sollte nicht erlaubt sein.“

Ob sie dafür bald in Berlin kämpfen kann, darüber will sie nicht spekulieren. Es könnte aber durchaus sein. Denn Schury steht auf Platz 5 der Landesliste der Linken. Bislang ist die hessische Linke mit vier Abgeordneten im Bundestag vertreten.

Von Michaela Pflug

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