In Berlin Spezialist, in Kassel Generalist

Bundestagswahl: Timon Gremmels ist der Direktkandidat der SPD

Timon Gremmels
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Er fährt gern Rad: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels (45) hat vom Weinberg einen guten Blick über Kassel.

Am 26. September ist Bundestagswahl. In einer Serie stellen wir die Kandidaten im Wahlkreis Kassel, zu dem auch Teile des Landkreises gehören, vor. Hier: Timon Gremmels von der SPD.

Kassel – In Berlin fühlt er sich als Spezialist für Energiepolitik, sobald er wieder in Kassel ist, sei er Generalist. Dann sei er zuständig für alle Themen, die den Bürgern in seinem Wahlkreis am Herzen liegen, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels. Ob es nun um Corona und das Impfen geht, bezahlbaren Wohnraum oder um Probleme mit dem Jobcenter. Er habe zwei Mitarbeiter beschäftigt, die sich nur darum kümmerten, die Anfragen von den Menschen zu beantworten, sagt der 45-Jährige, der mit 16 Jahren in die SPD eingetreten ist.

Gremmels ruft auch selbst bei den Leuten an, die ein Anliegen haben. Er fühlt sich als Kümmerer in seinem Wahlkreis. Wenn der Sozialdemokrat in seiner Heimatgemeinde Niestetal-Sandershausen einkaufen geht, dann hat er immer Papier und einen Stift dabei. In der Regel wird er nämlich auch im Supermarkt von Menschen angesprochen, die etwas auf dem Herzen haben. „Das ist für mich wie eine mobile Sprechstunde.“ In der Corona-Zeit sei zudem das SPD-Bürgertelefon stark in Anspruch genommen worden. Am Telefon werde den Menschen die Hürde genommen, persönlich in der Geschäftsstelle der SPD vorbeischauen zu müssen.
Timon Gremmels ist ein bodenständiger Abgeordneter, der die Nähe zu den Menschen sucht. Im aktuellen Wahlkampf habe er schon 1000 Hausbesuche gemacht, zudem eine Tour durch die Kleingartenvereine. Dort verteilt er Handzettel mit seinem Programm und Blumensamen, eine bienenfreundliche Mischung. Er habe das Gefühl, dass die Menschen der SPD derzeit zugewandt sind. „Es geht deutlich bergauf.“ Das liege natürlich auch an dem sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten Olaf Scholz. Der sei authentisch und uneitel. Dessen ruhige und norddeutsche Art komme bei den Menschen gut an.

Darüber hinaus gebe es derzeit ohnehin „ein sozialdemokratisches Zeitalter“. Die Refinanzierung der Corona-Zeit, die Stärkung des öffentlichen Gesundheitswesens und die Bewältigung der Klimakrise zählt Gremmels als Herausforderungen auf. Dem Experten für Energiepolitik, der auch auf die eine oder andere Stimme aus dem Lager der Grünen hofft, ist es besonders wichtig, dass die Klimakrise ohne soziale Spaltung bewältigt wird. Man müsse sich fragen, was eine Abgabe von 180 Euro pro Tonne CO2 für einen Bürger im ländlichen Raum bedeute, für jemanden, der zum Beispiel jeden Tag mit dem Auto von Helsa-St. Ottilien an die Arbeit fahren müsse.

Bei allen guten Umfragewerten für die SPD gibt sich Gremmels noch zurückhaltend. „Ich traue dem Braten noch nicht, bis zum 26. September kann noch viel passieren.“ Eine Wiederauflage der Großen Koalition in Berlin will Gremmels nicht. „Die Gemeinsamkeiten sind aufgebraucht.“ Spannend findet er hingegen eine Ampelkoalition mit den Grünen und der FDP.

Gremmels, der gern wandert und Rad fährt, wird übrigens nur dann wieder in den Bundestag einziehen, wenn er das Direktmandat im Wahlkreis Kassel gewinnt. Er hat sich nämlich nicht mit einem guten Platz auf der Landesliste abgesichert. Dort steht er auf dem letzten Platz, weil das sein ausdrücklicher Wunsch war. „Wenn man als Sozialdemokrat in Kassel nicht direkt gewinnt, dann sollte man etwas anderes machen“, sagt der 45-Jährige selbstbewusst. Seit 1949 hat die SPD immer das Direktmandat im Wahlkreis 168 geholt.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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