Sondierungsgespräche

Ampel oder Jamaika? Lindner gibt Einblicke in die Verhandlungen – und zieht bei zwei Themen rote Linie

FDP-Chef Christian Lindner hat in einem Interview über die aktuellen Sondierungsgespräche ausgepackt und ein paar Tendenzen verraten.

Berlin - Die Grünen* und die FDP sind das Zünglein an der Waage. Nach der Bundestagswahl* sind die beiden Parteien zum Königsmacher geworden. Zwischen den beiden Parteien gibt es seit Tagen Gespräche, wie man sich dem künftigen Partner präsentieren will. Wird es die SPD mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz* sein? Oder doch die Union um Armin Laschet*?

Aus den Gesprächen ist bislang wenig bis gar nichts an die Öffentlichkeit gedrungen. Außer ein Selfie oder Floskeln auf Nachfragen haben sowohl die Grünen um Annalena Baerbock* und Robert Habeck als auch die FDP um Christian Lindner und Volker Wissing nichts preisgegeben. Abgekapselt von der Außenwelt und jeglichen Frage der Journalisten sind sie ausgewichen. Bis jetzt. Denn Christian Lindner hat der Bild am Sonntag ein Interview gegeben.

Sondierungsgespräche zwischen FDP und Grünen: Hofft Christian Lindner auf Jamaika?

Auf die Frage, dass ganz Deutschland auf die Entscheidung wartet, antwortet Lindner schon vielversprechend im Vergleich zu den Pressekonferenzen nach den Sitzungen mit den Grünen: „Diese Entscheidung treffen wir nicht allein. Klar ist: Unsere Überschneidungen sind mit den Unionsparteien größer als mit der SPD“. Spricht nun alles für Jamaika? Den Satz darf man nicht zu hoch hängen, denn schon vorher waren größere Überschneidungen zwischen FDP und Union klar.

Ähnlich wie beim Selfie oder auf den Pressekonferenzen wiederholt er die Gemeinsamkeit mit den Grünen: „Grüne und FDP trennt manches. Aber uns verbindet, dass wir uns aus unterschiedlichen Perspektiven gegen den Status quo gewendet haben. Beide Parteien haben beste Ergebnisse bei Jungwählern. Wir fühlen uns beauftragt, einen Erneuerungsimpuls zu schaffen.“

FDP: Christian Lindner über Spekulationen der Union - „Kann man unserem Land nicht zumuten

Der große Wahlverlierer ist Armin Laschet und die Union*. Lindner machte auch deutlich, dass er mit sich nicht spielen lässt. „CDU und CSU müssen klären, ob sie wirklich eine Regierung führen wollen. Manche Wortmeldung der CDU spekuliert ja, dass erst Verhandlungen mit der SPD scheitern sollen, bevor die Union wieder ins Spiel kommt. Das kann man unserem Land nicht zumuten. Wir sind zu ernsthaften Gesprächen mit der Union bereit und erhoffen uns umgekehrt dasselbe.“

Geschickt blockt der FDP-Chef Fragen nach Markus Söder* als Jamaika-Kanzler („Jede Antwort wäre falsch“) oder Sticheleien der SPD gegenüber der FDP ab („Ich bin nicht zart besaitet“). Doch die wichtigste Antwort aller Deutschen ist die auf die Frage, wann die erste Entscheidung in den Verhandlungen mit den großen Parteien getroffen sein könnte? „Kommende Woche wird man zumindest mehr wissen. Die FDP will eine zügige Regierungsbildung bis Mitte Dezember. Die Welt wartet nicht auf uns. Und wir haben zudem Handlungsbedarf in der Wirtschaft“, plant Lindner.

Sondierungen: Lindner zieht beim Thema Steuern rote Linie

Nachfragen zu unterschiedlichen Standpunkten wie Mindestlohn umschifft Lindner ebenso geschickt („kann ich nicht kommentieren“). Bei einer Sache bleibt Lindner hartnäckig und zieht eine rote Verhandlungslinie: „Im Höchst-Steuerland Deutschland wären Steuererhöhungen schädlich für die Erholung nach der Pandemie. Die Schuldenbremse im Grundgesetz muss bleiben“.

Es bleibt spannend, was die Grüne und FDP aushandeln, und ob die Regierung bis Mitte Dezember auch wirklich steht. (ank) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Jens Schicke/Imago

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