Bundesumweltministerin

Hendricks rechnet mit neuen Regeln für Genpflanzen

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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks glaubt, dass die Änderungen bald kommen.

Brüssel - Viele Verbraucher wollen keine genetisch veränderten Pflanzen auf dem Feld sehen. Die EU-Staaten könnten ihren Anbau möglicherweise bald einfacher untersagen. Doch Umweltschützer sind nicht zufrieden.

Die EU-Länder könnten den Anbau von Genpflanzen womöglich bald leichter verhindern. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) erwartet, dass sich die Staaten demnächst auf neue europäischen Zulassungsregeln einigen können. „Ich gehe davon aus, dass die Änderungen kommen“, sagte sie am Rande eines Treffens mit ihren EU-Kollegen am Montag in Brüssel. Da Großbritannien seine ablehnende Haltung aufgegeben habe, gebe es unter den EU-Staaten wahrscheinlich eine ausreichende Mehrheit.

Die Vorschläge sehen vor, dass die Regierungen den nationalen Anbau genetisch veränderter Pflanzen leichter untersagen können. Eine Entscheidung war für Montag noch nicht geplant - nach dem Treffen dürfte aber klar sein, ob die notwendige Anzahl von EU-Staaten die Pläne unterstützt. Allerdings müssten sich die Regierungen auch noch mit dem Europaparlament einigen.

Derzeit können die EU-Staaten den Anbau in Europa zugelassener Genpflanzen nur verhindern, falls sie ein Verbot mit dem Verweis auf Gefahren für Mensch oder Umwelt begründen können. Doch die Nutzung dieser „Schutzklausel“ ist nicht ganz einfach: Dazu müssen die Regierungen neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf den Tisch legen, die die zuständige EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) in ihren Analysen noch nicht berücksichtigt hat. Deutschland hat dies beim Genmais MON 810 getan.

Die Bundesregierung: Merkel und ihre Minister

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Mit den neuen Plänen sollen die EU-Staaten mehr Spielraum für nationale oder regionale Anbauverbote bekommen. Die Liste möglicher Gründe für ein Verbot würde länger - so könnten die Staaten den Anbau zum Beispiel aus politischen Gründen untersagen. Auch kleine Parzellen in der Landwirtschaft könnten ein Argument sein, weil sich dann genetisch veränderte Pflanzen weniger leicht von normalen Pflanzen trennen lassen. Voraussetzung für solche nationalen Verbote wäre allerdings, dass sich die Staaten zu Beginn des Prozesses mit dem entsprechenden Agrarkonzern beraten haben. Das Unternehmen würde womöglich schon auf den Zulassungsantrag verzichten, falls es starken Gegenwind spürt.

Obwohl er nationale Anbauverbote für Genpflanzen erleichtern würden, lehnen Umweltverbände den Vorschlag ab. Verbote auf dieser Grundlage seien nicht wasserdicht, bemängelte Greenpeace. Die Agrarkonzerne könnten sie juristisch anfechten. Friends of the Earth Europe bezeichnete die Pläne als „vergifteten Kelch“. „Auf diese Art würden Europas Felder nicht von diesen ungewollten Pflanzen freigehalten.“

Die Organisation Foodwatch erinnerte daran, dass Anbauverbote allein nicht verhinderten, dass Verbraucher mit Genprodukten in Berührung kommen. 80 Prozent aller in der EU verwendeten Genpflanzen landeten im Tierfutter. Solche Produkte müssten gekennzeichnet werden, erklärte der stellvertretende Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. „Nur wenn Verbraucher erfahren, ob Milch, Eier, Käse und Co. mit Hilfe gentechnisch veränderter Futtermittel hergestellt wurden, können sie im Supermarkt eine bewusste Kaufentscheidungen treffen.“

dpa

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