Erhöhte Strahlenwerte am Zwischenlager Gorleben - Grüne: Das ist eine rote Ampel

Castor im November ungewiss

Hannover. Nach dem Anstieg von Strahlenwerten am Atommüll-Zwischenlager Gorleben ist der nächste Castor-Transport im November ungewiss. Das Umweltministerium in Hannover erklärte am Dienstagabend nach einem Expertentreffen, es werde dem Transport erst zustimmen, wenn es Maßnahmen des Betreibers zur Verringerung der Strahlenbelastung geprüft habe. Konkret habe der Betreiber vorgeschlagen, die Castor-Behälter in der Lagerhalle umzulagern, um so die Messwerte am Zaun des Geländes zu senken.

Die Grünen setzten bereits ein klares Signal. „Der nächste Castor-Transport kann nicht ins Lager“, forderte Landtagsfraktionschef Stefan Wenzel gestern in Hannover. Der zulässige Grenzwert sei eindeutig überschritten. „Das ist eine rote Ampel, die darf man nicht überfahren.“

Die für diesen Herbst geplante Atommüll-Fuhre mit elf Castoren aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague müsse man daher sofort stoppen, verlangte auch die Chefin der grünen Europaparlamentsfraktion, Rebecca Harms. Sie verwies darauf, dass die Leichtbauhalle in Gorleben bei rund 100 Atommüll-Behältern die zulässige Strahlendosis erreicht habe. „Wie soll das bei den geplanten 400 Castoren funktionieren?“ Harms und schloss rechtliche Schritte gegen den Transport nicht aus.

Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg forderte ebenfalls eine Absage.

An der Nordseite des Zwischenlagers Gorleben hatte eine Messstation für das letzte halbe Jahr eine so hohe Strahlenbelastung registriert, dass der zulässige Jahresgrenzwert überschritten wird. Das Ressort von Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) hatte den Wert heruntergespielt; eine Röntgenassistentin sei höheren Strahlungen ausgesetzt.

Vor dem Umweltministerium protestierten Greenpeace-Aktivisten gestern mit einer Castor-Attrappe; drinnen suchten Vertreter des Betreibers GNS des Zwischenlagers, des TÜV, des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft (NLWKN) und andere Strahlenexperten nach technischen Wegen, die Atommüllführe voraussichtlich im November doch noch rollen zu lassen.

Von Peter Mlodoch

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