Castor-Proteste: Polizei rechnet mit 300 Gewaltbereiten

Hannover. Etwa 300 extrem gewaltbereite Demonstranten werden nach Schätzungen der Polizei versuchen, den Castor-Transport in der kommenden Woche nach Gorleben zu stoppen.

„Diesen Menschen reicht der friedliche Protest nicht“, sagte der Präsident der Polizeidirektion Lüneburg, Friedrich Niehörster, am Mittwoch in Hannover. Viele von ihnen pilgerten extra in das Wendland, um die Auseinandersetzung mit der Polizei zu suchen. Einige Demonstranten hätten mit großer Akribie Pläne von Funkmasten und Unterkünften der Polizei erstellt, sagte Niehörster. „Ansonsten rechnen wir mit vielfältigen und kreativen Aktionen.“

Insgesamt erwartet die Polizei weniger Atomgegner als bei dem Atommülltransport im vergangenen Jahr, gegen den bis zu 50 000 Demonstranten protestierten. Neben Sitzblockaden, Märschen und Baumfällaktionen rechnen die Beamten damit, dass sich wieder einige Demonstranten an die Schienen ketten und so versuchten, die Ankunft des Zuges zu verzögern. „Fantasievoller Protest ist in Ordnung, aber sich dabei in Lebensgefahr zu begeben, kann nicht sinnvoll sein“, warnte der Präsident der Bundespolizeidirektion Hannover, Thomas Osterroth. Rund 20 000 Polizisten werden nach Angaben der Polizei Lüneburg den Castor-Transport in diesem Jahr schützen, rund 8000 Bundespolizisten aus ganz Deutschland und etwa 12 000 Beamte der Landespolizei.

Weniger Toleranz wolle die Polizei in diesem Jahr unter anderem bei Traktorblockaden walten lassen, kündigte Niehörster an. „Es geht nicht, dass Beamten das Essen und die Toilette verwehrt wird.“ Aus diesen Erfahrungen im vergangenen Jahr habe die Polizei gelernt. Es werde aber immer „lageangepasst und mit Augenmaß gehandelt“. Bereits in dieser Woche habe es erste Proteste gegeben: Sandsäcke haben bei Gorleben auf den Schienen gelegen und Verkehrsschilder seien weggeräumt worden. Für die Bauern im Wendland gehe es bei dem Protest nicht um eine spaßhafte Meinungsäußerung, sagte Carsten Niemann von der Bäuerlichen Notgemeinschaft. „Es ist richtig ernst, was hier passiert. Wir wollen unsere Heimat schützen.“

Den Transport auf möglicherweise eisiger und glatter Fahrbahn rollen zu lassen, finde er fahrlässig. „Ich fordere die Beamten der Polizei auf, ihren Dienst zu verweigern.“ Sollte es auch beim Castor-Transport ähnlich nebelig sein, wie in diesen Tagen, könnte das den Beamten tatsächlich Kopfschmerzen bereiten. „Dieser späte Termin ist nicht toll - für beide Seiten“, meinte Niehörster. Kritischer als Nebel und Schnee sei jedoch Wind. Dieser könne das Umladen der Castoren am Bahnhof in Dannenberg von der Schiene auf die Straße erheblich erschweren.

„Wir werden für viel Wind sorgen“, kündigte die Atomgegnerin Kerstin Rudek von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) an. Der Atommülltransport sei ihrer Meinung nach rechtlich nicht zulässig - die Politik könne ihn noch immer stoppen. Der 13. Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll aus der Wiederaufbereitungsanlage im französischen La Hague soll am Donnerstag (24. November) nach Deutschland rollen und wird am nächsten Wochenende im Wendland erwartet. (dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.