Finale im Machtkampf

Chaotisch-Soziale Union: CSU taumelt auf Entscheidung zu

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Wird es zur Kampfabstimmung zwischen Joachim Herrmann (l.) und Markus Söder kommen?

Chaos, Misstrauen, Wut, Enttäuschung - die CSU ist in maximaler Aufruhr. In spektakulärer Art und Weise taumelt die Partei der Entscheidung über Horst Seehofers Erbe entgegen - Ausgang offen.

Die Frage seit Mittwochabend ist: Wird es überraschend eine Kampfabstimmung über die Landtags-Spitzenkandidatur geben, zwischen Finanzminister Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann?

Diese Nachricht versetzt die CSU-Landtagsfraktionseit Mittwochabend in hellste Aufregung. Getuschel im Plenarsaal, Grüppchenbildungen auf den Gängen und in der Landtagsgaststätte, unzählige SMS-und WhatsApp-Nachrichten hin und her. „Die Nachricht hat eingeschlagen wie eine Bombe“, berichtet ein führender CSU-Abgeordneter. Die Fraktion fühle sich hintergangen, getäuscht. „Es herrscht hier eine verheerende Stimmungswelle.“

Geheimtreffen der Söder-Gegner

Der Münchner Merkur hatte zuvor berichtet, Herrmann habe bereits am Montag in einer vertraulichen Sitzung in der Staatskanzlei erklärt, er wolle sich um die Spitzenkandidatur bewerben, sollte Seehofer zum Verzicht bereit sein. An dem Treffen sollen neben Seehofer und Herrmann nur wenige hochrangige CSU-ler teilgenommen haben: Parteivize Manfred Weber, Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. „Das hat schon etwas von einem Geheimbund“, schimpft ein Abgeordneter.

Unstreitig ist in der CSU mittlerweile, dass es massive Bestrebungen innerhalb der Parteiführung gibt, Herrmann zu einer Gegenkandidatur gegen den großen Favoriten Söder zu bewegen. Und natürlich passt das Geheimtreffen am Montag für viele exakt ins Bild, waren hier doch die wohl prominentesten Söder-Gegner versammelt: Weber, Aigner - und natürlich Seehofer selbst. Dass jedenfalls diese drei lieber einen Ministerpräsidenten Herrmann als einen Ministerpräsidenten Söder hätten, ist klar. Die große Frage ist aber: Hat Herrmann in dem Kreis tatsächlich zugesagt, zu kandidieren? Oder hat er das nicht?

Herrmann dementiert - aber nicht öffentlich

Parteiintern dementiert Herrmann die Zeitungsberichte noch am Abend. Er habe nichts zugesagt - so zitierten ihn auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur übereinstimmend gleich mehrere Abgeordnete und andere Funktionäre. Auch bei einem Treffen der mittelfränkischen Abgeordneten am Mittwochmorgen im Landtag soll Herrmann trotz vieler Nachfragen eine Aussage abgelehnt haben.

Öffentlich sagt Herrmann das allerdings nicht - sondern nur, dass er sich erst dann äußern werde, wenn Seehofer sich erklärt habe. Ein Dementi ist das nicht. Heißt das, dass Herrmann noch überlegt, zu kandidieren, wie manche in der CSU spekulieren? Die Fraktion wird am Montag ja geheim über ihren Favoriten abstimmen.

Selbst CSUlern ist das Ganze ein Rätsel

Vielen in der CSU ist am Donnerstag nicht nur ein Rätsel, was das Geheimtreffen in der Staatskanzlei sollte - sondern auch, warum dieses nun öffentlich wurde. Und dann auch noch mit einer Nachricht, die von Herrmann parteiintern dementiert wird. Wem könnte das nutzen?

Herrmann habe sich mit der Aktion jedenfalls keinen Gefallen getan, heißt es in der Fraktion. Am deutlichsten wird der Abgeordnete Ernst Weidenbusch (München-Land): „Nur ein Esel lässt sich vor einen Karren spannen - besonders vor einen fremden Karren.“ Auch der Forchheimer Abgeordnete Michael Hofmann glaubt nicht, dass Herrmann kandidiert: „Wer so antritt, der kündigt die Einheit der CSU auf“, warnt er.

Vieles spräche für Hermann - wäre da nicht Söder

Andererseits könnte das Ganze ein klassischer Testballon sein. Was, wenn Herrmann bis zum Wochenende intern auch viel Zuspruch bekommen sollte? Ein veritabler Kandidat wäre er unstreitig, heißt es. Der Minister wird in der Fraktion, deren Chef er in früheren Jahren schon einmal war, ja überaus geschätzt. Nur: Es lief eben zuletzt alles auf Söder zu, den Wunschkandidaten weiter Teile der Fraktion, wie der Münchner Merkur berichtet. Herrmann dagegen hatte zuletzt, anders als nach der Landtagswahlpleite 2008, keinerlei Ambitionen auf das Ministerpräsidentenamt erkennen lassen, sondern eher auf einen Ministerposten im nächsten Bundeskabinett. Auch Abgeordnete, die ihm nahestehen, glauben deshalb nach wie vor nicht daran, dass Herrmann am Ende gegen Söder antreten wird.

Maximaler Schaden - für alle

Der Schaden scheint schon jetzt maximal - für fast alle Beteiligten, auch für Seehofer. „Horst Seehofer ist und bleibt ein hoffnungsloser Falschspieler, dem man nicht trauen kann und der endlich seine Ämter abgeben muss“, schimpft ein CSU-Landtagsabgeordneter wutentbrannt.

Wenige Tage noch, dann dürfte der Machtkampf entschieden sein. Das Seehofer als Ministerpräsident aufhört, gilt als gesetzt, schreibt der Münchner Merkur - die Frage ist nur noch, ob erst zur Wahl oder schon vorher. Und offen ist noch, ob er noch einmal als Parteichef weitermacht - oder ob Weber oder Dobrindt ihm nachfolgen. Oder jemand ganz anderes? Die denkwürdigen Chaos-Wochen in der CSU, sie sind noch nicht zu Ende.

dpa

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