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„Gefahr für den Westen“: China rekrutiert britische Kampf-Piloten

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Eine F-35A Lightning II der US-Luftwaffe, zwei Dassault Rafales und ein Eurofighter Typhoon der Royal Air Force fliegen in Formation.
Eine F-35A Lightning II der US-Luftwaffe, zwei Dassault Rafales und ein Eurofighter Typhoon der Royal Air Force fliegen in Formation. © Staff Sgt. Alexander Cook/USAF/Imago

Schon in fünf Jahren will Chinas Militär „Weltklasseniveau“ erreicht haben. Dabei sollen Medienberichten zufolge auch britische Piloten helfen.

München/London/Peking – Zwischen Großbritannien und China herrscht schon seit Längerem dicke Luft. So hatte die neue britische Premierministerin Liz Truss bereits im Wahlkampf vollmundig versprochen, Taiwan im Falle einer chinesischen Invasion militärisch beizustehen, und ihrem parteiinternen Rivalen Rishi Sunak vorgeworfen, Peking gegenüber zu nachgiebig zu sein. Anders als ihr Vorgänger Boris Johnson betrachtet Truss die Regierung in Peking nicht mehr als „systemischen Rivalen“, sondern als „Bedrohung“ – eine deutliche Verschärfung der Rhetorik gegenüber China.

Truss‘ harter China-Kurs bekommt nun durch britische Medienberichte neuen Auftrieb. Wie unter anderem der Guardian schreibt, zeigt sich das britische Verteidigungsministerium alarmiert über Versuche Chinas, ehemalige und aktive Luftwaffenpiloten für eigene Zwecke zu gewinnen. Bei rund 30 ehemaligen Piloten habe das schon geklappt, so der Bericht. Demnach sollen die Piloten ihre chinesischen Kollegen zu militärischen Abwehrmethoden schulen und ihnen zeigen, wo die Schwächen westlicher Kampfjets und Helikopter liegen, wie merkur.de berichtet.

Rekrutierung britischer Piloten kann „Chinas militärisches Wissen und Können“ verbessern

Es gehe nicht darum, chinesische Piloten an westlichen Maschinen auszubilden, sondern ihnen zu zeigen, wie diese im Falle eines bewaffneten Konflikts bekämpft werden könnten, heißt es laut Medienberichten aus britischen Regierungskreisen. Durch das Trainingsprogramm könnten „mit ziemlicher Sicherheit Chinas militärisches Wissen und Können“ verbessert werden. „Es geht darum, dass die Chinesen verstehen, was die neueste Generation von Taktiken, Ansätzen und Fähigkeiten wäre, wenn das chinesische Militär in eine Situation käme, in der es auf diese Art von Waffen treffen würde.“ Konkret interessiere sich das chinesische Militär für Helikopter vom Typ Wildcat und Merlin sowie für das Mehrzweckkampfflugzeug Tornado und weitere Maschinen. Auch an Piloten, die Wissen über das US-Kampfflugzeug F35 hätten, sei China interessiert.

Laut Guardian sprechen mit der Sache vertraute Beamte von einer „Gefahr für die Interessen des Vereinigten Königreichs und des Westens“. Die Piloten, die bereits für China aktiv sind, seien „sehr großzügig“ entlohnt worden und über Drittfirmen, vor allem über eine Flugschule in Südafrika, rekrutiert worden. Es sei britischen Luftwaffenpiloten zwar nicht ausdrücklich verboten, an Schulungsprogrammen teilzunehmen, zudem würden sich die Piloten nur strafbar machen, wenn sie militärische Geheimnisse verraten würden. Dennoch würden nun Schritte unternommen, „das Risiko zu managen“, zitiert der Guardian Regierungsbeamte. Man versuche zudem, die Piloten dazu zu bewegen, China zu verlassen und wolle verhindern, dass weitere Piloten von China angeworben werden.

Britische Piloten im Dienste Chinas: Problem „seit einigen Jahren“ bekannt

Dem Sender Sky News sagte James Heappey vom britischen Verteidigungsministerium, dass sich die Regierung bereits „seit einigen Jahren“ mit der Rekrutierung britischer Piloten für die Ausbildung chinesischer Piloten beschäftige. Seit Ende 2019 sei zudem ein sprunghafter Anstieg bei der Rekrutierung zu beobachten. „Wenn wir nicht eingreifen würden, würden diese Aktivitäten mit ziemlicher Sicherheit den Verteidigungsvorteil des Vereinigten Königreichs und unserer Verbündeten beeinträchtigen“, zitiert Sky News einen Regierungsbeamten. China, so das Verteidigungsministerium in London, sei nicht nur an britischen Marine- und Luftwaffenangehörigen interessiert, sondern auch an Soldaten aus anderen westlichen Ländern.

Chinas Armee ist mit rund zwei Millionen Angehörigen die größte der Welt. Das Militärbudget des Landes hat sich Schätzungen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (SIPRI) zufolge seit dem Jahr 2012 mehr als verdoppelt, auf zuletzt 293 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021. Damit ist es das zweithöchste weltweit – nur die USA geben mit rund 800 Milliarden Dollar noch mehr für ihre Armee aus. Im Jahr 2027, wenn Chinas Volksbefreiungsarmee den 100. Jahrestag ihrer Gründung begeht, soll das chinesische Militär „Weltklasseniveau“ erreicht haben, wie Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping am vergangenen Wochenende auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei bekräftigte. (sh)

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