China: Kursschock im Börsen-Casino

Steiler Aufstieg, tiefer Fall: Chinas Aktienmärkte haben eine beispiellose Rallye hinter sich, die der Staat mit inszeniert hatte. Millionen Kleinanleger wollten mit Wertpapieren reich werden. Doch nun laufen die Börsen aus dem Ruder. Das Foto zeigt Aktienhändler in Hongkong. Foto: dpa

Schanghai. Die Börsen in China brechen ein, die Regierung stemmt sich mit aller Macht gegen Kursstürze. Der China-Kracher könnte auch hierzulande für Unruhe sorgen: Greift die Aktienkrise auf die reale Wirtschaft über, werden das auch deutsche Unternehmen zu spüren bekommen - Fragen & Antworten.

China bekommt die Talfahrt seiner Börsen nicht in den Griff. Trotz staatlicher Eingriffe sackte der Schanghai Composite Index gestern um weitere 5,9 Prozent auf 3507 Punkte ab. In Shenzhen ging es um 2,9 Prozent, in Hongkong um 5,8 Prozent abwärts. Auf dem chinesischen Festland wurden die Aktien von fast 1300 Unternehmen vom Börsenhandel ausgesetzt.

Wer spekuliert in China mit Aktien?

Millionen Menschen: Börsenspekulation war in China zum staatlich angefeuerten Volkssport geworden. Um vor allem kleineren Unternehmen den Zugang zu Kapital zu erleichtern, legte die staatliche Führung ihren Bürgern Aktien ans Herz und erlaubte sogar den Kauf auf Pump. Aktien schienen eine Goldgrube zu sein. Auch völlig unerfahrene Anleger zockten fieberhaft: An den Börsen in Schanghai und Shenzhen, wo die Aktien chinesischer Unternehmen notieren, sind Kleinanleger für 80 Prozent des täglichen Handels verantwortlich, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

Warum sackte der Aktienindex in Schanghai in drei Wochen um ein Drittel ab?

Im Juni hat die staatliche Führung die lockere Kreditvergabe aus Angst vor einer Börsenblase gedrosselt. So kam es zum ersten großen Knall. Es folgten Panikverkäufe, weil viele Anleger mit geliehenem Geld spekuliert hatten. Das löste den nächsten Kursrutsch aus.

Kann das Börsenbeben Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben?

Vom Tisch zu wischen ist diese Sorge nicht. „Bremswirkungen in der chinesischen Realwirtschaft sind zu befürchten“, sagt Markus Reinwand, Aktienanalyst der Helaba, zu den Folgen des Aktiencrashs. „Ein verlangsamtes Wachstum der chinesischen Wirtschaft könnte auch negative Auswirkungen auf das Wachstum hierzulande haben“.

Kommt in China jetzt der private Konsum unter die Räder - und mit ihm der Absatzmarkt deutscher Firmen?

Ein einfaches Pflaster ist China für deutsche Unternehmen schon seit längerer Zeit nicht mehr. Für den Autobauer VW läuft es zum Beispiel im Reich der Mitte nicht mehr so rund wie früher. Auch andere Hersteller wie BMW und Daimler oder der Autozulieferer Continental spüren das. Der private Konsum in China dürfte trotz der Kursstürze nicht zusammenbrechen. Zwar habe der Börsencrash innerhalb von 15 Tagen 3,5 Billionen Dollar Marktkapitalisierung vernichtet, rechnet Stephan vor. Die Verluste beträfen aber nur eine Minderheit der Bevölkerung. Insgesamt seien die Vermögen der Anleger gewachsen.

Welche Bedeutung hat China für die deutsche Exportwirtschaft?

Eine immer größere. Von 2008 bis 2014 hat sich der Anteil der deutschen Ausfuhren, die nach China auf 6,6 Prozent fast verdoppelt - dahinter standen im vergangenen Jahr Güter im Wert von 74,5 Milliarden Euro.

Wie reagiert die chinesische Regierung auf den Crash?

Sie fordert Staatsunternehmen auf, keine Aktien mehr zu verkaufen und erleichtert es Versicherungen, sich mit Aktien einzudecken. Zudem wurden die Möglichkeiten für kreditfinanzierte Spekulationen eingedämmt.

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