Wachstumsmotor in Asien stottert

China-Schwäche trifft auch VW in Baunatal

VW-Standort China: Bis 2019 sollen 22 Milliarden Euro in China investiert werden. So soll im Werk Anting (Foto) die Produktion von e-Autos und e-Komponenten ausgebaut werden. Foto: VW/nh

Wolfsburg/Baunatal. VW ist größter Autobauer weltweit, doch China lahmt. Das könnte das Werk Kassel zu spüren bekommen.

Derzeit scheint die Sonne für Volkswagen: Von zehn in Deutschland zugelassenen Autos kamen im ersten Halbjahr vier aus dem Konzern. Und seit Dienstag steht fest: VW hat mit 5,04 Millionen mehr Autos als Toyota verkauft. Die Japaner kommen auf 5,02, General Motors auf 4,8 Millionen. Damit ist VW im ersten Halbjahr weltweit der größte Autohersteller. Doch fern von Wolfsburg ziehen Wolken auf: Das Zugpferd China lahmt - das könnte auf das VW-Werk Kassel in Baunatal durchschlagen.

2014 fertigte das Werk gut vier Millionen Getriebe, zehn Prozent davon für den chinesischen Markt. In diesem Jahr geht der Standort in Baunatal von einer „stabilen Auslastung von 3,96 Millionen Getrieben aus“. Der Grund sei die gute Marktentwicklung in Westeuropa. Bereits jetzt ist bekannt, dass sich für 2016 „eine leichte Auslastungsdelle abzeichnet“, hieß es auf der Betriebsversammlung im Juli.

Daher sei zwischen Werksmanagement und Betriebsrat vereinbart, „vorsorglich Instrumente zur Beschäftigungssicherung einzusetzen“, sagt der Kasseler Betriebsratchef Carsten Bätzold. Dazu zähle, dass den Beschäftigten, die derzeit in Sonderschichten arbeiten, ihre Mehrarbeit in Freizeit vergütet wird.

Abbau von Kapazitäten

Die Delle entsteht, weil in China Kapazitäten aufgebaut werden, die in Baunatal Schritt für Schritt entfallen. Wie groß die Delle letztlich sein wird, lässt sich noch nicht seriös sagen, so Bätzold. Entscheidend wird sein, welche Fahrzeuge in China gekauft werden, und ob diese Getriebe in Baunatal gebaut werden.

In China hat Volkswagen 20 Werke - allesamt Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Partnern. An vier Standorten werden Getriebe gebaut - in Changchun, Schanghai, Dalian und seit November Doppelkupplungsgetriebe der neuesten Generation in Tianjin. Es hat eine Kapazität von 450 000 Einheiten. Geplant ist, diese Kapazität ab 2016 auf 1,2 Millionen Einheiten zu erweitern. Seit Juni gibt es in China eine Forschungskooperation e-Mobilität mit dem Partner-Unternehmen SAIC. Beschlossen wurde, das Werk in Anting für die lokale Produktion von e-Fahrzeugen und e-Komponenten auszubauen. Das Kasseler Werk ist Leitwerk für Getriebebau und e-Mobilität. Das heißt, Werkleiter Falko Rudolph schaut in seiner Funktion nicht nur auf die Getriebefertigung in Fernost, sondern Baunatal strickt indirekt auch am Projekt e-Mobilität mit. Derzeit wird geprüft, ob und in welchem Umfang Baunatal e-Antriebe liefern könnte. E-Autos könnten in Chinas abgasbelasteten Metropolen schneller eine Zukunft haben als in Europa.

Rücklieferungen denkbar? 

Mit den China-Plänen erwachsen dem Werk Kassel nicht nur Konkurrenten im Wettbewerb um Produkte. Durch die lahmende Wirtschaft in Fernost kommen geplante Absatzzahlen ins Rutschen. Für Baunatal wäre es fatal, käme es im Fall von Überkapazitäten bei Getrieben zu Rücklieferungen nach Europa. „Dafür braucht es die Zustimmung des Aufsichtsrats“, sagt Betriebsrat Bätzold. „Wir beobachten das, derzeit sehen wir keine Gefahr.“

Heute wird VW seine Halbjahreszahlen vorlegen. Bislang plant der Konzern bis 2019 in China 22 Milliarden Euro zu investieren. Bislang geht der Konzern von Wachstum aus, will die Produktion von drei auf fünf Millionen Fahrzeuge steigern. Bislang fehlt aber für diese Pläne in China der nötige Absatz.

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