In Berlin gelandet

Chodorkowski dankt Genscher für seine Hilfe

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Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher holte Michail Chodorkowski persönlich am Berliner Flughafen ab.

Moskau - Der begnadigte und freigelassene Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski ist am Freitagnachmittag in Berlin-Schönefeld gelandet. Seine krebskranke Mutter befindet sich jedoch noch in Russland.

Der am Freitag aus dem Gefängnis entlassene Kreml-Kritiker Chodorkowski hat dem früheren Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher für dessen Hilfe bei seiner Freilassung gedankt. Er danke Genscher "für seinen persönlichen Einsatz", hieß es in einer Erklärung, die Chodorkowski auf seiner Webseite veröffentlichte. Genscher hatte Chodorkowski am Nachmittag nach dessen Landung am Flughafen Berlin Schönefeld dort empfangen.

Chodorkowski betonte in der Erklärung, er habe am 12. November ein Gnadengesuch an Präsident Wladimir Putin gerichtet und dabei familiäre Gründe angeführt. Damit habe er aber keineswegs eine Schuld eingestanden.

Das Büro von Ex-Außenminister Genscher erklärte, dieser habe Chodorkowski bei seiner Ankunft mit einem Privatflugzeug in Berlin empfangen. Genscher dankte Putin, dass er ihn auf seine Bitte hin zweimal empfangen habe, um über den Fall mit ihm zu sprechen.

In seinen Bemühungen sei er von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Ex-Außenminister Guido Westerwelle und dem deutschen Botschafter in Moskau unterstützt worden, erklärte Genscher.

In seiner Eigenschaft als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik habe er Chodorkowski kennengelernt. Dessen Anwälte hätten ihn später gebeten, sie bei ihren Bemühungen um die Freilassung Chodorkowskis zu unterstützen. Er habe dies aus "humanitären Gründen" getan.

Merkel erklärte, Genscher habe sich "hinter den Kulissen intensiv um den Fall gekümmert". Sie begrüße die Freilassung Chodorkowskis aus der Haft.

Der 50-Jährige Kreml-Kritiker war zuvor von Präsident Wladimir Putin begnadigt und umgehend aus dem Gefangenenlager entlassen worden. Eigentlich hätte Chodorkowski das Gefangenenlager im karelischen Segescha erst im August 2014 verlassen dürfen.

Die Strafvollzugsbehörde gab dem Agenturbericht zufolge an, der frühere Öl-Milliardär habe darum gebeten, nach Berlin zu reisen, weil in Deutschland seine an Krebs erkrankte Mutter behandelt werde. Die befindet sich jedoch nach eigenen Angaben weiterhin in Russland.

Sie sei zwar vor einiger Zeit in Deutschland behandelt worden. „Aber ich bin in Romaschkino im Gebiet Moskau“, sagte Marina Chodorkowskaja am Freitag der Staatsagentur Itar-Tass. Ihr Sohn habe sich bisher nicht bei ihr gemeldet, sagte die 79-Jährige. „Ich weiß nicht, warum sie mitteilen, dass Michail zu mir nach Deutschland geflogen ist“.

Der frühere Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos war 2003 festgenommen und zwei Jahre später zusammen mit seinem Geschäftspartner Platon Lebedew wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu langjähriger Haft verurteilt worden. In einem zweiten Prozess wurde diese Strafe später nochmals verlängert. Der Prozess gegen den einst reichsten Mann Russlands wurde international als politisch motiviert kritisiert.

Bislang hatte Chodorkowski ein Gnadengesuch stets abgelehnt, weil er ein implizites Schuldeingeständnis vermeiden wollte. Doch offenbar fühlte er sich unter Druck gesetzt: Die russische Zeitung "Kommersant" berichtete, Geheimdienstmitarbeiter hätten ihm Anfang Dezember eröffnet, dass sich der Gesundheitszustand seiner krebskranken Mutter verschlechtert habe und ihm ein dritter Prozess drohe. Erst danach habe sich Chodorkowski an Putin gewandt.

afp/dpa

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